108 Verkehrstote über die Osterfeiertage


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Ein Großteil der Verunglückten hatte keinen Sicherheitsgurt angelegt

„Guten Tag, ich rufe Sie vom Verkehrsamt an. Werden Sie während der Osterfeiertage mit dem Auto fahren?“ – „Ja.“ – „Und glauben Sie, dass Sie Ihr Leben auf der Straße verlieren werden?“ – „Was ist das denn für eine Frage, natürlich nicht!“ In der neuen Kampagne der spanischen Verkehrsdirektion zur Vorbeugung von Verkehrsunfällen sind weder Unfälle, noch Blut, noch Mahnungen jeglicher Art zu sehen. Nur obenstehender Wortwechsel zwischen einem Meinungsforscher und einem Autofahrer.

Madrid – Der Spot soll Spaniens Autofahrern vor Augen führen, dass es jeden zu jeder Zeit treffen kann. In den Medien wurden gleichzeitig Berichte darüber veröffentlicht, dass die Verkehrsgeneraldirektion wieder mit mindestens 100 Verkehrstoten über die Osterzeit rechnet.

Diese Hochrechnung hat sich tragischerweise nun nicht nur bewahrheitet, sondern wurde sogar noch übertroffen. So haben nach letzten Angaben zwischen dem 7. und dem 17. April 108 Menschen bei rund 90 Unfällen mit Todesopfern ihr Leben auf Spaniens Straßen verloren. 60 Personen wurden schwer verletzt und 66 kamen mit leichten Verletzungen davon.

Tödliche Nachlässigkeit

Wie die Verkehrsgeneraldirektion wissen lässt, ist den Unfallberichten zu entnehmen, dass erschreckend viele der Verkehrstoten (48%) keinen Sicherheitsgurt angelegt hatten. Außerdem wurde festgestellt, dass sich die meisten Unfälle auf Straßen mit nur einer Fahrspur pro Fahrtrichtung ereignet hatten und nur 17% auf Schnellstraßen und Autobahnen stattfanden. Gewagte Überholmanöver und überhöhte Geschwindigkeit sind weiterhin einer der häufigsten Gründe dafür, dass die Fahrer die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren.

Das Verkehrsproblem wird inzwischen als eines der schwerwiegendsten Spaniens angesehen. 2005 kamen 3.329 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben und 1.501 wurden verletzt. In den ersten Monaten dieses Jahres beläuft sich die Zahl der Verkehrstoten bereits auf fast 900.

Besonders schwer hat es während dieser Osterfeiertage wieder die jungen Menschen getroffen. So waren 24,07% der Verkehrstoten zwischen 15 und 24 Jahre alt und 22,2% zwischen 25 und 34.

Trauriger Vergleich

Spanien belegt seit Jahren nun schon einen traurigen ersten Platz in der Liste der Länder mit den meisten Verkehrstoten. So kommen nach jüngsten Daten in Frankreich 101,6 Menschen pro 1 Million Einwohner bei einem Verkehrsunfall ums Leben, in Italien sterben 104,9 auf der Straße, in Deutschland lassen 80,1 Menschen pro 1 Million Einwohner ihr Leben, in Großbritannien 61,4 und in Spanien 127,9.

Mit der Einführung des so genannten Punkte-Führerscheins, der am 1. Juli dieses Jahres in Kraft tritt, will die spanische Regierung das Problem endlich in den Griff bekommen.

Allerdings stimmen nicht alle Experten darin überein, dass eine Verschärfung der Verkehrsregeln automatisch auch eine Verringerung der Unfälle nach sich zieht. Denn am Beispiel anderer Länder mit weniger strengen Verkehrsregeln aber auch deutlich weniger Verkehrstoten sei zu erkennen, dass es sich mehr um eine Frage der Einstellung der Autofahrer handelt als um eine zu lasche Gesetzgebung.




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