Der Weg der Werte


Richterin Reyes Martel Rodríguez (Mitte, im roten Kleid) inmitten von Teilnehmern des „Camino de los Valores“ und Repräsentanten der Stadt Santiago de Compostela auf der Plaza del Obradoiro vor der Kathedrale. Foto: EFE

Jakobsweg für straffällig gewordene Jugendliche

Auf den Kanaren befinden sich rund 1.100 Jugendliche, die Straftaten begangenen haben, unter der Aufsicht der Justiz. Für weitere 2.000 Minderjährigen existieren Schutzmaßnahmen. Diese Daten stammen von der Jugendrichterin Reyes Martel aus Las Palmas. Etwa fünfzig von diesen jungen Menschen nehmen an Aktivitäten teil, die von einer Organisation ausgerichtet wird, die sich #UP2U nennt, und deren Präsidentin die Richterin ist. „Camino de los Valores“ – Weg der Werte – nennt sich dieses Projekt, das sich an die Idee des Jakobswegs anlehnt und aus zwei Teilen besteht: Der erste findet auf Gran Canaria statt, der zweite in Galicien.

„Außer den schlechten Nachrichten über Jugendliche bzw. Berichten, in denen sie als Opfer oder auch als Protagonisten erscheinen, gibt es auch andere, und diese ist eine davon“, erklärte Reyes Martel, als sie den Medien über ihr Projekt berichtete. „Auch die jungen Menschen leiden unter einer Werte-Krise, und wir müssen Werte wie Empathie, Solidarität und die Fähigkeit, Frust zu ertragen, stärken. Wir vertrauen ihnen, und dafür wurde #UP2U geboren“, erklärte sie.

„Experten und die Justizbehörden entscheiden, wann einem Jugendlichen, der juristischen Maßnahmen unterliegt, diese Aktivität angeboten wird. Der Weg der Werte ist eine schwierige Reise, wie das reale Leben, eine integrative Aktivität. Die jungen Menschen sind die Zukunft, und wir begleiten sie auf ihrem Weg in das Leben“.

Der Weg wird, wie bereits erwähnt, in zwei Teilen gegangen. Die ersten zwei Tage auf Gran Canaria, auf einer Strecke von 49 Kilometern, von Galdar nach Tunte über Tejeda. In beiden Gemeinden befinden sich Kirchen, die dem Heiligen Jakobus geweiht sind.

Der zweite Teil des Weges der Werte ist ein Stück des Jakobweges auf dem spanischen Festland, und zwar von À Coruña nach Santiago de Compostela. 

Es handelt sich, so die Richterin, um ein offenes Projekt, an dem sowohl die Angehörigen der jugendlichen „Pilger“ als auch Außenstehende gegen Bezahlung teilnehmen können. Anmeldungen sind über die Website up2uproject.org möglich.

Teilnehmer aus anderen Städten

Zu den rund fünfzig Jungen und Mädchen von den Kanaren stoßen auch Jugendliche aus anderen Städten Spaniens wie Sevilla, Granada, Alicante, Murcia, Ciudad Real und Madrid.

Der Vizechef des Ressorts für Sozialpolitik der kanarischen Regierung, Francis Candil, sieht in diesem Projekt ein leuchtendes Beispiel dafür, wie sich auch die private Gesellschaft in eine solche Maßnahme einbringen kann. Die Initiative habe einen ganz besonderen Wert, weil sie aus einem Kollektiv – dem der Richter – hervorgegangen sei, das sich Tag für Tag mit der harten Lebenssituation dieser Jugendlichen beschäftige. „Diese jungen Menschen haben so schreckliche Dinge erlebt, dass es einem den Magen umdreht. Horrorgeschichte über Erwachsene, die unsere Jugendlichen als Köder benutzen“, erklärte Francis Candil wörtlich.

Richterin Reyes Martel bedankte sich dafür, dass ihr Projekt auch von der öffentlichen Verwaltung und von einer beachtlichen Anzahl privater Unternehmen unterstützt wird.

Auch unser Projekt „Aus Geben wächst Segen“ haben treue Freunde wieder mit ihrer Spende unterstützt. Sylvia Wollny, Nora und Norbert und Waltraud Weber sowie unsere Patin Christina Heidbrook haben Beträge auf unser Spendenkonto überwiesen. Dafür ein ganz dickes Dankeschön.

Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.

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