Soria geht als Dozent in die USA


Im April trat er von seinem Ministerposten zurück. Foto: EFE

Nach dem Rücktritt und peinlichen Gezerre um einen Weltbankposten

Madrid – Nachdem sein Ansinnen, sich zum Exekutivdirektor der Weltbank für Spanien ernennen zu lassen, gescheitert ist, will der im April wegen der Panama-Papiere zurückgetretene ehemalige Industrieminister José Manuel Soria sein Glück in den Vereinigten Staaten versuchen.

2016 war für Soria ein Jahr voller Demütigungen. Im Frühjahr geriet der damalige Minister für Industrie, Energie und Tourismus in Erklärungsnot, weil sein Name in den skandalträchtigen Panama-Papieren aufgetaucht war. Da er zunächst fälschlich bestritten hatte, verantwortlich in Unternehmen seiner Familie, die in Steuerparadiesen angesiedelt sind, engagiert zu sein, musste er im April zurücktreten. Schon damals begann er sich hinter den Kulissen darum zu bemühen, für die gut dotierte Position eines von Spanien nominierten Exekutivdirektors der Weltbank auf zwei Jahre ausgewählt zu werden (steuerfreie 226.000 Euro Jahressalär). Doch heftiger Protest sogar aus der eigenen Partei führte dazu, dass er zum zweiten Mal in einem Jahr auf Wunsch seiner Partei auf eine Position verzichten musste. Präsident Rajoy und Wirtschaftsminister de Guindos hatten sich zunächst zu nachweislich falschen Rechtfertigungen für die Designation Sorias verstiegen. Unter anderem hieß es, er sei in einer Ausschreibung als bester Anwärter ausgewählt worden. Tatsächlich gab es keinen öffentlichen Wettbewerb, der Posten, um den Soria seine Parteifreunde schon Monate zuvor gebeten hatte, wurde von einem Gremium des Wirtschaftsministeriums an ihn vergeben (das Wochenblatt berichtete).

Wenn es nun auch nicht zur Weltbank nach Washington geht, so plant José Manuel Soria dennoch, Spanien vorläufig den Rücken zu kehren und sein Glück in den Vereinigten Staaten zu suchen. Wie schon vor dem peinlichen Gezerre um seine Weltbankambitionen angedacht, will er sich an US-amerikanischen Universitäten als Dozent oder Gastredner betätigen.

José Manuel Soria war bis April 2016 auch Präsident der kanarischen Partido Popular (PP). Seine politische Karriere umfasst unter anderem die Stationen des Bürgermeisters von Las Palmas (1995-2003), des Inselpräsidenten von Gran Canaria (2003-2007) sowie des kanarischen Wirtschaftsministers und Vizepräsidenten (2007-2010).

 




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