PP: Wahlmanipulation auf Twitter?


Der Partido Popular werden 359 Fake-Konten auf Facebook, Instagram und Twitter zugeschrieben

Madrid – Die spanische Volkspartei Partido Popular (PP) soll Veröffentlichungen des sozialen Netzwerks Twitter zufolge in den Monaten Februar bis April 259 falsche Nutzerkonten eröffnet haben, um die Diskussionen in den sozialen Netzwerken zu manipulieren und politische Botschaften zu verbreiten. Twitter informierte die Kollegen bei Facebook über diese Erkenntnisse, woraufhin weitere 65 Fake-Accounts bei Facebook und nochmals 35 bei Instagram entdeckt wurden.

Schon zum fünften Mal legt Twitter in seinem Netzwerk Daten über falsche Konten, die mit Regierungen oder öffentlichen Institutionen in Verbindung stehen, offen. Bisher betraf dies Länder wie Iran, Venezuela, Russland und China. Spanien ist das erste westliche Land, das von diesen Enthüllungen betroffen ist, und das schon zum zweiten Mal: Im vergangenen Juni prangerte Twitter Fake-Accounts der katalanischen ERC-Partei an.

Laut Twitter posteten ab dem 26. Februar Dutzende falscher Nutzerkonten, „die von der Partido Popular betrieben wurden“, im Hinblick auf die Wahlen vom 28. April 2019 politische Botschaften. Die Erstellung neuer Konten verlief erratisch. An manchen Tagen wurden bis zu 60 neue Nutzerkonten nichtexistierender Privatpersonen erzeugt, an den Wochenenden ging die Produktion von Fake-Accounts gegen Null. Das Ziel war offensichtlich, Spam-Nachrichten auszusenden oder zu teilen, um die Verbreitung zu erhöhen.

Facebook hat nur wenige konkrete Informationen über die Fake-Konten herausgegeben: Eines der fraglichen Konten auf Instagram habe 5.000 „Folger“ gehabt, und es seien 1.275 Dollar investiert worden, um die Verbreitung dieser Seiten zu fördern. Der größte Teil der Aktivitäten dieser Seiten habe dazu gedient, die Inhalte anderer Konten zu verbreiten. Einige hätten Nachrichten über die Wahlen, die Partido Popular und die Kritik an politischen Gegnern gepostet. Facebook stellte auch klar, dass es bei der hausinternen Untersuchung gelungen sei, Verbindungen zu Personen herzustellen, die mit der PP verbandelt sind, obwohl die Akteure, die hinter den Fake-Konten stecken, sich bemühten, ihre Identität zu verschleiern.

Die PP-Führung streitet ab, solche Praktiken angewendet zu haben. „Unter Tausenden von Sympathisanten der PP in ganz Spanien wird es Leute geben, die so etwas tun und dadurch, dass sie mit Konten der PP interagieren, wird uns das zugeschrieben. Doch unsere Partei wollte noch nie eine Strategie der falschen Konten anwenden,“ erklärte ein Sprecher der Partido Popular zu den Vorwürfen.

Wie schon im Fall der katalanischen ERC beharrt Twitter darauf, dass man solche unrechtmäßigen Aktivitäten nur öffentlich mache, wenn man sich über deren Ursprung vollständig sicher sei.

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