Menschenrechtsaktivist stellt Bürgermeister zur Rede


Der Umweltschutz- und Menschenrechtsaktivist Mario Agreda im Gespräch mit José Luis Martínez-Almeida (PP), dem Bürgermeister von Madrid. Foto: EFE

Madrids Stadtoberhaupt hatte die Wiederherstellung von Notre-Dame über die Wiederaufforstung des Regenwaldes gesetzt

Madrid – Anfang Dezember fing Mario Agreda, ein Umweltschutz- und Menschenrechtsaktivist, den Bürgermeister von Madrid, José Luis Martínez-Almeida, bei dessen Eintreffen auf der Weltklimakonferenz ab. Agreda stellte den Bürgermeister zur Rede, nachdem dieser im September geäußert hatte, er würde eher Geld in die Restaurierung der Kathedrale Notre-Dame als in die Wiederaufforstung des Amazonas-Regen- waldes investieren.
In einer Fernsehsendung von Telemadrid im September hatte ein Mädchen Almeida die Frage gestellt, in welches Vorhaben er eher Geld investieren würde, in die von einem schweren Brand im April stark beschädigte Kathedrale in Paris oder in die Wiederaufforstung des Regenwaldes. Martínez-Almeida (PP) entschied sich für Notre-Dame. „Ja, es ist die Lunge der Welt, aber die Kathedrale von Notre-Dame ist das Symbol Europas, und wir sind in Europa,“ lautete die Begründung des Bürgermeisters.
Mario Agreda, Vertreter der Bewegung der Ureinwohner Amerikas (Movimiento Indio de América), hielt dem PP-Politiker seine Worte nun entgegen. „Die Kinder und die Jugendlichen der Zukunft müssen atmen. Der Amazonas ist wichtiger als eine Kirche. Ich sage es dir von Herzen, das ist eine konstruktive Kritik,“ sagte er dem Bürgermeister von Angesicht zu Angesicht. Er warf dem Politiker vor, Steine zu retten, aber nicht den Ort, der allen Menschen auf der Welt, jetzt und in Zukunft, die Luft zum Atmen verbessern würde.
Der in den argentinischen Anden geborene und in Bolivien aufgewachsene 77-Jährige lebt seit fast vier Jahrzehnten in Madrid, wo er einen Flohmarkt-Stand betreibt. Er ist Präsident der Vereinigung der Flohmarkt-Händler und setzt sich dafür ein, dass der „Rastro de Madrid“ zum Kulturerbe erklärt wird. Obwohl er bereits viele Jahre in Madrid lebt, hat er nie aufgehört, die Rechte der Ureinwohner zu verteidigen. Er habe sich von den Worten des Bürgermeisters, eines Mannes, der für alle sprechen sollte, tief verletzt gefühlt.
Agreda nutzte die Präsenz der Medien, die auf den Vorfall aufmerksam geworden waren, um sich auch über das Verhalten von Pedro Sánchez zu äußern. Er erklärte, während der Reden von Sánchez würden Millionen Fische im Mar Menor sterben (das Wochenblatt berichtete), aber trotzdem würden weiter die Abwässer der Golfplätze in die Lagune geleitet und das Wasser verschmutzen.
Allgemein würden die Politiker den Klimawandel nicht ernst nehmen. Er rede auch zunehmend weniger vom Klima- und vielmehr vom Systemwandel. Das System würde immer stärker von den Konzernen bestimmt. Diese müssten für die Schäden an der Umwelt zur Verantwortung gezogen werden, forderte der Aktivist.
Gegenüber den anwesenden Medien gab Mario Agreda bekannt, mit der UN-Arbeitsgruppe über Indigene Bevölkerungen (heute: UN-Experten- mechanismus für die Rechte Indigener Völker) zusammengearbeitet und bei der Erarbeitung der UN-Erklärung der Rechte der Indigenen Völker beteiligt gewesen zu sein.

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