Korruption kostet die EU fast 5% des BIP


Der katalanische Politiker Ernest Urtasun sitzt für die Fraktion der Grünen / Freie Europäische Allianz im Europaparlament.

Der Schaden beträgt einem Bericht der EU-Grünen zufolge für Spanien 90 Milliarden und für die gesamte Union 904 Milliarden Euro jährlich

Brüssel/Madrid – Einem Gutachten der Fraktion Die Grünen im Europaparlament zufolge kosten Korruption und organisiertes Verbrechen die Europäische Union jedes Jahr 4,8% ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der europäischen Wirtschaft wird demnach jährlich ein Schaden in Höhe von 904 Milliarden Euro zugefügt. Spanien ist mit einem Anteil von fast zehn Prozent am Gesamtschaden besonders schwer betroffen. Hier schlagen die Auswirkungen von Bestechlichkeit und organisierter Kriminalität mit 90 Milliarden Euro zu Buche.

Der Anfang Dezember 2018 veröffentlichte Bericht mit dem Titel „Die Kosten der Korruption in der EU“ wurde auf der Grundlage früherer, auf europäischer Ebene erstellter Gutachten ausgearbeitet, kommt jedoch zu einem vielfach höheren Ergebnis als der Antikorruptionsbericht der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2014. Dieser bezifferte die Verluste der EU aufgrund illegaler Praktiken mit 120 Milliarden Euro. Der Unterschied ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Bericht der europäischen Grünen die Verluste wegen entgangener Steuern und Investitionen aus dem Ausland, welche durch Korruption verursacht werden, miteinbezieht.

Rumänien ist dem Bericht nach das Land mit den höchsten Korruptionskosten im Verhältnis zu seinem BIP. Sie machen mit 38,6 Milliarden Euro 15,6% der Wirtschaftsleistung des Landes aus. Die Aussichten auf Besserung scheinen vorerst gering, folgt man der Einschätzung der Europäischen Kommission, welche die letzte rumänische Justizreform scharf kritisierte, da diese nur die Unabhängigkeit der Justiz und den Kampf gegen die Korruption untergrabe.

Elf Mitgliedsstaaten über der 10%-Marke

Insgesamt befinden sich elf der 28 Mitgliedsstaaten oberhalb der 10%-Marke, darunter Ungarn, Italien und Griechenland. Spanien hält sich im Mittelfeld: Die 90 Milliarden Euro entsprechen acht Prozent des BIP, fast dem Doppelten des EU-Durchschnitts. Für die Niederlande wurde der geringste Korruptionsanteil errechnet: 4,4 Milliarden Euro, die 0,76% des BIP entsprechen. Geringe Korruptionsraten wurden auch für Luxemburg und Dänemark mit zwei Prozent, Großbritannien mit 2,3% und Finnland mit 2,5% des BIP festgestellt.

Wie der spanische Abgeordnete der Fraktion der Grünen im Europaparlament, der Katalane Ernest Urtasun, erklärte, zeigt der Bericht das systemische Ausmaß der Korruption in Spanien auf. Gleichzeitig werde deutlich, dass kein Land frei von diesem Übel sei und die Kosten für die gesamte Europäische Union fast eine Billion Euro ausmachen, fast so viel wie das komplette Bruttoinlandsprodukt Spaniens.

Der Bericht der Grünen bemüht zur Veranschaulichung des Schadens zum Teil ungewöhnliche Vergleiche: Für das Geld, welches die Korruption der spanischen Volkswirtschaft entzieht, beispielsweise, könnten 22,9 Milliarden „Big Macs“ gekauft werden – 493 pro Jahr für jeden spanischen Bürger.





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