Deutsche Unternehmer zwischen allen Stühlen


Deutschsprachige Geschäftsleute in Katalonien fürchten negative Konsequenzen der deutschen Urteile im Fall Puigdemont

Barcelona – Schon vor vier Jahren, zu dem Zeitpunkt, als die Vorbereitungen für die Bürgerbefragung über die Zukunft Kataloniens am 9. November 2014 begannen, traf in Barcelona eine Gruppe in Katalonien ansässiger deutscher Unternehmer zusammen. Gemeinsam gaben sie ein Kommuniqué heraus, um vor den Folgen einer Abspaltung der autonomen Region von Spanien zu warnen. Unter dem Namen „Declaración de Barcelona“ (Erklärung von Barcelona) wurde es der erste unternehmerische Protest, der bei der Regierung von Artur Maas einging. Heute beobachtet diese Gruppe deutschsprachiger Unternehmer mit Sorge, dass der Prozess der Abspaltung Teil der Agenda ihres Landes geworden ist.

Der Anwalt Carlos Wienberg, einer der Unterzeichner der Erklärung, ist mit der Entscheidung des schleswig-holsteinischen Gerichts, den Ex-Präsidenten Carles Puigdemont nicht wegen „Rebellion“ auszuliefern, nicht einverstanden. Er ist der Meinung, dass der Umsturzversuch keineswegs gewaltfrei verlaufen sei, da die 6.000 Mann starken Antiterroreinheiten die richterlichen Anordnungen zum Referendum nicht durchsetzen konnten.

Der Anwalt befürchtet, dass die Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland sich verschlechtern könnten. Sie seien jetzt schon angespannt. Äußerungen wie die des spanischen Radiojournalisten Federico Losantos, der in einer morgendlichen Radioshow die Entscheidung, Puigdemont nicht auszuliefern, scharf angriff, würden schließlich von Millionen Lesern der Bildzeitung in Deutschland wahrgenommen. Losantos hatte kämpferisch erklärt, Spanien habe schließlich auf den Balearen 200.000 deutsche Geiseln, und in Bayern könnten Brauereien explodieren.

Eine Wutrede, die Karl Jacobi, Gründer des Kommunikationsunternehmens Comvort, an den jetzigen katalanischen Parlaments-Präsidenten Roger Torrent gerichtet, vor einem Monat im exklusiven Barceloneser Club Circulo Ecuestre gegen den Separatismus hielt, bracht ihm starke Reaktionen aus der Bevölkerung ein. Die 12.000 E-Mails, die ihn daraufhin erreichten, seien, nach seinen eigenen Angaben, vorwiegend zustimmend gewesen. Jacobi ist weder über die deutsche Justiz noch über die Sympathie, die einige deutsche Zeitungen mit den Unabhängig­keitsbestrebungen gezeigt haben, erfreut, und schreibt sie der erfolgreichen katalanischen Propaganda zu.

Albert Peters, der Präsident des Kreises deutschsprachiger Unternehmer und Gastgeber des Events, vertritt moderatere Ansichten und will weder die deutsche noch die spanische Justiz kritisieren. Er hofft, dass die Entscheidung der deutschen Richter die guten Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland nicht beeinträchtigen werde. Auch die Deutsche Handelskammer in Spanien will sich zu dem Thema äußern, die Rechtsprechung müsse ihren Weg gehen, hieß es von dort.




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