Alternativer Nobelpreis für Aminatou Haidar


Aminatou Haidar 2009 auf Lanzarote. Foto: efe

Der Preis für die Menschenrechtsaktivistin ist der erste „Right Livelihood Award“ für einen Angehörigen des sahrauischen Volkes

Stockholm – Die „The Right Livelihood Foundation“ hat am 25. September die Preisträger bzw. Preisträgerinnen des Right Livelihood Award 2019, auch bekannt als Alternativer Nobelpreis, bekannt gegeben. In diesem Jahr werden Aminatou Haidar (Westsahara), Guo Jianmei (China), Greta Thunberg (Schweden) und Davi Kopenawa / Hutukara Associação Yanomami (Brasilien) mit dem mit 94.000 Euro dotierten Preis geehrt. Die Entscheidung wurde von einer internationalen Jury getroffen, die die Preisträger unter 142 Nominierungen aus 59 Ländern auswählte.

„Gandhi der Westsahara“

Auf den Kanarischen Inseln steht der Name Aminatou Haidar schon seit vielen Jahren für den gewaltfreien Kampf gegen die Unterdrückung eines Volkes, das den Canarios sehr nahe ist.

Die herausragende Menschenrechtsaktivistin aus der Westsahara erhält den Right Livelihood Award „für ihren unerschütterlichen gewaltlosen Widerstand, trotz Gefangenschaft und Folter, im Streben nach Gerechtigkeit und Selbstbestimmung für das Volk der Westsahara.“

Die ehemalige Kolonialmacht Spanien verließ die Westsahara 1975, unmittelbar danach wurde das Gebiet von Marokko annektiert. Seit über drei Jahrzehnten setzt sich Haidar mit friedlichen Mitteln für die Unabhängigkeit ihres Heimatlandes ein. Dies hat ihr den Beinamen „Gandhi der Westsahara“ eingebracht. Haidars Integrität und Beharrlichkeit haben sie zu einer der angesehensten Vertreterinnen der Sahrauis gemacht. Dem indigenen Volk der Westsahara wurde von den Vereinten Nationen, Spanien und Marokko wiederholt das Recht auf Selbstbestimmung in Aussicht gestellt, dennoch wurde in über 40 Jahren noch kein Referendum abgehalten. Noch immer duldet die internationale Gemeinschaft die Besetzung oder unterstützt sie sogar aktiv.

Aminatou Haidar wurde schon als Jugendliche zur Aktivistin und ist eine der Begründerinnen der sahrauischen Menschenrechtsbewegung. Sie hat Demonstrationen organisiert, Folter dokumentiert und ist mehrfach in den Hungerstreik getreten, um auf die Menschenrechtsverletzungen gegen ihr Volk aufmerksam zu machen. Sie hat einen entscheidenden Anteil daran, internationale Aufmerksamkeit auf die ungelöste Westsahara-Frage zu lenken – ein Thema, das von den Vereinten Nationen, der EU und den Medien bis heute vernachlässigt wird.

Seit Beginn der Besetzung gehen marokkanische Behörden hart gegen Sahrauis vor, die das Recht auf Selbstbestimmung und die Achtung grundlegender Menschenrechte einfordern. Wie viele andere sahrauische Aktivistinnen wurde Aminatou Haidar ohne Anklage oder Gerichtsverfahren inhaftiert, geschlagen und gefoltert. Sie verbrachte vier Jahre in einem geheimen Gefängnis, isoliert von der Außenwelt.

Trotz Morddrohungen, Angriffen und Schikanen, die sich gegen sie und ihre Kinder richten, setzt sich Aminatou Haidar unermüdlich für eine politische Lösung eines der längsten ungeklärten Konflikte der Welt ein. Zugleich vermittelt Haidar der jungen Generation von Sahrauis den Wert gewaltfreien Widerstandes.

„Das Volk der Sahrauis leidet seit über vier Jahrzehnten unter der marokkanischen Besatzung, und jede Opposition wird brutal bestraft. Mit dem Preis an Aminatou Haidar wollen wir zeigen, dass gewaltloser Widerstand funktioniert und allen Mut machen, die für eine gerechte Lösung des Konflikts eintreten”, kommentierte Ole von Uexküll, Direktor der Right Livelihood Foundation.

„Ich fühle mich sehr geehrt (…) Dies ist eine Anerkennung meines gewaltfreien Kampfes und des berechtigten Anliegens des sahrauischen Volkes. Trotz militärischer Besetzung und der Verletzung grundlegender Menschenrechte führen sie ihren friedlichen Kampf unermüdlich fort. Die Sahrauis verdienen es, von allen unterstützt zu werden, damit sie eines Tages Unabhängigkeit und Freiheit erlangen“, erklärte Aminatou Haidar.

Hungerstreik auf Lanzarote

Ende des Jahres 2009 sorgte Aminatou Haidar für internationale Schlagzeilen, als sie am Flughafen von Lanzarote in einen Hungerstreik trat.

Sie war an Bord einer aus New York kommenden Maschine auf dem Flughafen von El Aaiun gelandet, wo ihr die Einreise verweigert und der Pass abgenommen wurde. Die marokkanischen Behörden hatten es als Provokation aufgefasst, dass Aminatou in ihrem Einreiseformular „Westsahara“ als Heimatland angegeben hatte, und schoben Haidar mit der nächsten Maschine nach Lanzarote ab. Dort trat sie in einen Hungerstreik, der 32 Tage dauern und sie in ernste Lebensgefahr bringen sollte. Doch ihr gewaltfreier Kampf für ihre Rechte brachte ihr schließlich den Sieg, und sie konnte in ihre Heimat zurückkehren.

Weitere Preisträger

Die 16-jährige Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg erhält den Preis, „weil sie der politischen Forderung nach dringenden Klimaschutzmaßnahmen weltweit Gehör verschafft.“

Die chinesische Frauenrechts-Anwältin Guo Jianmei hat im Laufe ihres Berufslebens Tausenden von benachteiligten Frauen Zugang zur Justiz verschafft und setzt sich beharrlich mit der Ungleichbehandlung von Frauen im Justizsystem auseinander, um das Gleichberechtigungsbewusstsein in China, einem Land mit rund 650 Millionen Frauen, zu stärken.

Davi Kopenawa vom Volk der Yanomami ist einer der angesehensten Sprecher der indigenen Völker Brasiliens. Er hat sein Leben dem Schutz der Rechte der Yanomami, ihrer Kultur und ihres Landes im Amazonasgebiet gewidmet. Dieses Territorium zählt zu den wichtigsten Reservoirs genetischer Vielfalt der Welt.

„Mit den 40. Right Livelihood Awards ehren wir vier praktische Visionäre, deren Einsatz es Millionen von Menschen ermöglicht, ihre grundlegenden Rechte zu verteidigen und für eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten zu kämpfen. Neben dem Preisgeld bieten wir den Preisträgern eine dauerhafte Begleitung sowie Hilfe, wenn deren Leben und Freiheit in Gefahr sind“, sagte Ole von Uexküll am 25. September in Stockholm.

Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.

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