40 Jahre Wochenblatt

In eigener Sache: 40 Jahre Wochenblatt

In eigener Sache: 40 Jahre Wochenblatt

Vier Jahrzehnte aktuelle regionale und nationale Nachrichten in deutscher Sprache

Wochenblatt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in diesen Tagen ist es vierzig Jahre her, dass die deutschsprachige Zeitung der Kanarischen Inseln zum ersten Mal erschienen ist. Damals mit dem Titel „Wochenspiegel Teneriffa – Das deutsche Nachrichtenmagazin“ lag die erste Ausgabe am 2. April 1981 an den Kiosken und Verkaufsstellen, die von deutschen Residenten frequentiert wurden. Den damaligen Verhältnissen entsprechend war sie komplett in „Handarbeit“ hergestellt und umfasste 16 Seiten.

Meine langjährige Partnerin Teresa von Levetzow und ich hatten damit einen Plan umgesetzt, der uns schon länger vorschwebte: Eine Zeitung in deutscher Sprache herauszugeben, mit aktuellen Nachrichten von den Kanaren und aus Spanien, resümiert und für deutsche Leser aufbereitet. Auch für den Titel Wochenspiegel hatten wir uns schon entschieden und den „Kopf“ entwerfen lassen. Eine Reihe von hier ansässigen deutschen Firmen fanden die Idee einer deutschsprachigen Zeitung gut und wollten sie mit entsprechenden Werbeanzeigen unterstützen. Eine größere Schwierigkeit bestand damals jedoch darin, die Vorschriften des sogenannten „Ley Fraga“ zu erfüllen, einem Pressegesetz, das in dieser Nach-Franco-Epoche teilweise noch gültig war. Es schrieb unter anderem vor, dass Ausländer, die eine Zeitung herausgeben wollten, einen spanischen Direktor benötigten, der zugelassener Journalist ist. Die hiesigen Tageszeitungen, bei denen wir vorsprachen, winkten ab. Sie waren abgeneigt oder hatten kein Interesse. Schließlich ließ sich der Direktor des Diario de Avisos überreden, es mit unserem Zeitungsprojekt zu versuchen. „Wir machen einen Versuch, wenn es nicht klappt, wird wieder eingestellt“, lautete sein Kommentar. Die Bedingungen waren knallhart: Wir hatten auf der Grundlage der spanischen Ausgabe Artikel zu schreiben, die für Deutsche interessant waren, Anzeigen zu beschaffen, die auf unsere Kosten von einem hier ansässigen holländischen Werbegrafiker gestaltet wurden. Wir mussten das Layout anfertigen, die Zeitungen, die im Verlag gedruckt wurden, bei den Verkaufsstellen verteilen und die Rechnungen kassieren. Wir durften in der Setzerei des Verlags in Santa Cruz unsere Texte setzen, bis die Angestellten ihre Arbeit aufnahmen. In den Räumen der Redaktion in Puerto de la Cruz konnten wir einen Schreibtisch benutzen und zwei Stunden täglich Kunden empfangen und Anzeigen entgegennehmen. Diario de Avisos seinerseits stellte das Fotomaterial zur Verfügung und druckte unsere Zeitung. Dafür mussten wir den Gewinn mit dem Verlag teilen. Da wir nicht die Mittel besaßen, um Räume zu mieten und Geräte anzuschaffen, hielten wir diese Bedingungen für fair.

Tatsächlich warf die erste, 16 Seiten starke Ausgabe des Wochenspiegels vom 2. April 1981 bereits einen kleinen Gewinn ab. Wir waren damals praktisch rund um die Uhr im Einsatz, denn wir mussten ja auch Anzeigenkunden werben und bei Hotels und Geschäften vorsprechen, damit sie unsere Zeitung in den Verkauf nahmen.

Schon nach kurzer Zeit erwies sich der Wochenspiegel als Senkrechtstarter. Als guter Werbeträger und damals die einzige Informationsquelle für deutsche Residenten und Touristen, denn zu dieser Zeit gab es noch kein deutsches Radio, sondern lediglich kurze Sendebereiche in deutscher Sprache bei den spanischen Sendern, und natürlich auch kein deutsches Fernsehen. Zeitungen aus Deutschland kamen per Flugzeug hierher und waren erst einen Tag später an den Kiosken.
Im zweiten Jahr stellten wir eine Mitarbeiterin ein, welche die Bürostunden wahrnahm und Anzeigen annahm, während wir im Verlag die Texte setzten.

Mit der Zeit wurde es den Redakteuren des Diario de Avisos zu viel, dass sie ständig von den Besuchern gestört wurden, die ihre Anzeigen im Wochenspiegel aufgeben wollten. Ihre Zahl hatte derart zugenommen, dass sie oftmals vor dem kleinen Büro Schlange standen. Ganz in der Nähe, in dem historischen Gebäude an der Plaza del Charco, konnten wir einen Raum mieten, den wir mit geschenkten Möbeln als Büro einrichteten. Dort befinden sich noch heute unsere Verwaltungs- und Redaktionsräume.
Der Boom der Achtzigerjahre beflügelte nicht nur den Tourismus und die Baubranche auf den Inseln, sondern auch den Erfolg unserer Zeitung. Das Anzeigenaufkommen nahm zu und folglich auch die Zahl der Seiten und der Artikel. Da reichte die eingeräumte Arbeitszeit in der Setzerei längst nicht mehr aus, und ein eigener Computer musste her. Eine Macintosh-Anlage zum damals unglaublichen Preis von 2,1 Millionen Peseten wurde aus Deutschland geliefert. Gleichzeitig stellten wir eine Mitarbeiterin ein, die für Anzeigengestaltung und Layout zu­ständig war. Sie wurde später durch einen Werbegrafiker ersetzt, der als freier Mitarbeiter zu unserem Team stieß. Er übernahm neben der Gestaltung der Anzeigen auch die Verbesserung des Erscheinungsbildes unserer Zeitung. Nicht nur unser Team hat sich nach und nach vergrößert. Durch die Anschaffung eigener technischer Anlagen und die Erweiterung der Arbeitsräume hatten wir uns von unserem spanischen Partner weitgehend unabhängig gemacht und beschlossen 2005, uns auf eigene Füße zu stellen. Zu unserer Überraschung mussten wir feststellen, dass sich der Diario de Avisos den Erfolgstitel Wochenspiegel beim Patentamt hatte registrieren lassen und nicht einmal gegen Bezahlung bereit war, ihn zur Verfügung zu stellen. Seither nennen wir uns „Wochenblatt“, doch viele treue Leser von damals erinnern sich noch an unseren früheren Namen.
Wie oben abgebildet, wurde unser Erscheinungsbild im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert und modernisiert.

Die beiden Firmengründerinnen Teresa von Levetzow (l.) und Hannelore Lindner 1992 bei der Einweihung des Museums der Wissenschaft und des Kosmos in La Laguna durch den damaligen Thronfolger Prinz Felipe
Die beiden Firmengründerinnen Teresa von Levetzow (l.) und Hannelore Lindner 1992 bei der Einweihung des Museums der Wissenschaft und des Kosmos in La Laguna durch den damaligen Thronfolger Prinz Felipe

Rückblick auf 40 Jahre zu halten bedeutet auch, den Lesern zu danken, die uns die Treue gehalten und unsere Zeitung mit konstruktiver Kritik begleitet haben und noch weiterhin begleiten. Dank auch den Inserenten, einige sind noch immer Kunden „der ersten Stunde“, denn ohne die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft kann eine Zeitung nicht existieren.

Eigentlich ist es mit unserer Zeitung immer aufwärts gegangen, selbst die schwere Wirtschaftskrise, die Ende der Zweitausender Jahre ihren Höhepunkt erreichte und weltweit die Wirtschaft erschütterte, konnten wir mit einigen Blessuren überstehen. Doch nun hat uns Corona komplett ausgebremst. Es fehlen uns die Urlauber, die unsere Zeitung kaufen und die vielen Unternehmen, die geschlossen sind und daher keine Werbung machen. Trotzdem haben wir uns im vergangenen Jahr entschlossen, weiterhin zu erscheinen, um die deutschen Residenten, die hier leben, aber auch die vielen Leser, die gewöhnlich ihren Winter hier verbringen und nun ein Abonnement bestellt haben, zu informieren. Selten hat es so viele Neuigkeiten und aktuelle Informationen gegeben, insbesondere im Zusammenhang mit der Pandemie, wie augenblicklich. Wir glauben fest daran, dass das Virus bald besiegt ist und wir dann wieder durchstarten können. Bitte bleiben Sie uns auch weiterhin treu.

Dank gebührt auch den Mitarbeitern – scherzhaft Wochenblättler genannt. Einige sind schon zwei Jahrzehnte mit dabei und haben auch in schwierigen Situationen zu ihrer Zeitung gestanden.

Meine langjährige Partnerin und Mitgründerin Teresa von Levetzow ist vor zehn Jahren verstorben und kann leider das Vierzigjährige nicht miterleben und wie eine Idee, die wir vor vier Jahrzehnten hatten, ein Lebenswerk wurde. Vielen herzlichen Dank an alle, die uns auf diesem Weg begleitet und zu unserem Erfolg beigetragen haben.

Ich selbst konnte vor einigen Tagen meinen 84. Geburtstag feiern. Vierzig Lebensjahre habe ich an der Spitze der Zeitung gestanden und für ihr Fortbestehen gekämpft. Ich denke, dass es nun an der Zeit ist, in das 2. Glied zurückzutreten und den Platz für die nächste Generation zu räumen, für die ich Sie ganz herzlich um Ihr Vertrauen bitte.

Ihre

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Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.
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