Purpurschnecken

Die Ursache des Sturzes einer Palme auf ein parkendes Auto in der Avenida Bélgica wurde untersucht. Foto: Policia Local de Santa Cruz

Die Ursache des Sturzes einer Palme auf ein parkendes Auto in der Avenida Bélgica wurde untersucht. Foto: Policia Local de Santa Cruz

Zu Artikel „Antike Verbindung nach Cádiz“ in Ausgabe 284 vom 09.08.2017

Auf der letzten Seite dieser Ausgabe berichtet das Wochenblatt über die archäologischen Funde auf Lobos, einer kleinen Insel vor Fuerteventura, wo im ersten Jahrhundert eine römische Purpurwerkstatt betrieben wurde. Hinsichtlich des Ursprungs des begehrten Farbstoffs ist im Bericht etwas durcheinander gegangen. Purpur wird aus Purpurschnecken gewonnen, die im Meer leben, nicht aus der Cochenilla-Laus. Letztere lebt auf dem Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica) und wurde mit diesem zusammen aus Mittelamerika zu Beginn des 19. Jahrhunderts, also rund 2000 Jahre nach der Purpurgewinnung auf Lobos, auf den Kanarischen Inseln eingeführt.

Um Purpur zu gewinnen, mussten große Mengen lebender Purpurschnecken gesammelt und verarbeitet werden; denn nur das Sekret ihrer Hypobranchialdrüse – bei einem Tier von nur wenigen Zentimetern Länge also sehr wenig –  liefert über mehrere Zwischenstufen eine sehr geringe Menge Farbstoff, chemisch Dibromindigo. Dieser wiederum färbt sehr intensiv und ziemlich beständig. Der weitaus größte Teil der Purpurschnecken konnte, sofern er nicht gegessen wurde, nicht verwendet werden. Bei den Purpurfabriken dürfte es wegen der Abfälle wahrscheinlich nicht sehr angenehm gerochen haben. Die Arbeiten waren daher in der Regel Aufgabe von Sklaven. Das drückte die Herstellungskosten, sodass nach heutigem Wert in der Antike das Gramm Purpur für etwa acht Sesterzen zu haben war, was Angaben im Internet zufolge etwa 25 Euro entsprach. Dennoch war der Preis so hoch, dass sich nur wenige mit Purpur gefärbte Kleidung leisten konnten.  Als im Mittelmeer-Raum die Vorkommen der Purpurschnecken weitgehend ausgebeutet waren, verlagerte sich die Produktion auf die Kanarischen Inseln. Hier kann man an einigen Küstenabschnitten mit etwas Glück Schalen von Purpurschnecken finden.

Nach wie vor ist echter Purpur sehr teuer. Sein aktueller Marktpreis soll mehr als 2000 Euro betragen. Der Cochenille-Farbstoff, chemisch Karminsäure,  ist mit etwa 7 Euro pro Gramm vergleichsweise preiswert. Die Cochinille-Laus ist keine Schnecke, sondern ein Insekt, das wir häufig auf Opuntien finden können. Man erkennt es an der weißlichen Schutzhülle, mit der es sich umgibt. Zerdrückt man das Tier, tritt ein intensiv färbender dunkelroter Saft aus, der in der Kosmetik und als Lebensmittelfarbstoff begehrt ist.

Michael von Levetzow

www.tenerifeontop.eu




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