Kreuzfahrer bringen immer weniger Geld


Kreuzfahrttouristen im Hafen von Santa Cruz de Tenerife. Foto: efe

Wie man die Probleme, die der Massentourismus mit sich bringt, in den Griff bekommen soll, ist ja ein vieldiskutiertes Thema. Und die zunehmende Zahl der die Kanarischen Inseln heimsuchenden Kreuzfahrer macht dieses Problem nur noch größer. Nun wird auf der Meyer-Werft im emsländischen Papenburg das bisher größte jemals in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff gebaut, das, wie die Ems-Zeitung soeben berichtet, vom Winter 2018/2019 an um die Kanaren herum unterwegs sein soll.

Die „AIDAnova“, so der Name des künftigen Kreuzfahrt-Riesen, wird über 20 Decks und 2500 Passagierkabinen verfügen. Die Ausstattung des Ozean-Giganten sprengt alles bisher Bekannte. So werden mit einem „Beach-Club“ unter einem speziellen Foliendach, unter dem konstant frühlingshafte Temperaturen herrschen, und mit Wasserrutschen und Klettergärten Neuerungen installiert, die bei den auf der japanischen Mitsubishi-Werft gebauten Schwesterschiffen „AIDAprima“ und „AIDAperla“ eingeführt wurden. Den Passagieren werden nicht weniger als 16 Restaurants, 17 Bars und eine „Street-Food-Meile“ zur Verfügung stehen. Die Designer haben unter anderem ein Fischrestaurant entworfen, „das in den Blautönen des Meeres leuchtet“, wie es heißt. „Mit Multimedia-Projektionen von vorbeiziehenden Fischschwärmen sollen sich die Gäste wie im Meer fühlen und dabei Fisch und Meeresfrüchte genießen.“ Ferner wird es eine Eisbar mit selbst erzeugtem AIDA-Eis und ein „Cafe Mare“ geben, das erste Starbucks-Cafe auf hoher See.

Kreuzfahrtschiffe der Superlative wie die „AIDAnova“ werfen Fragen auf, die den Diskussionen über den Umgang mit dem Massentourismus neue Munition liefern dürften. Denn mit Sicherheit werden weitere Schiffe dieser Größenordnung und Ausstattung gebaut – Kreuzfahrten sind nun einmal voll im Trend, individuelles Reisen mit einer Neugierde auf andere Länder und Kulturen scheint immer weniger Menschen zu interessieren. Was aber bedeutet das für die besuchten Zielorte? „16 Restaurants und 17 Bars an Bord könnten dafür sorgen, dass die Restaurants und Straßencafes im jeweiligen Kreuzfahrthafen nebensächlich werden“, schreibt die Ems-Zeitung in Papenburg, dem Standort jener Werft, die seit Jahren ein Kreuzfahrtschiff nach dem anderen baut.

Dass die Kreuzfahrer immer weniger Geld bringen, haben schon mehrere Zielorte der Ozean-Riesen beklagt. „Das Beste wäre, ihnen das Anlanden einfach zu verbieten“, wurde kürzlich ein Kommunalpolitiker auf Madeira zitiert. Wenn es denn so einfach wäre…

Atze Schmidt

Rütenbrock/Emsland




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