Der Plastikwahn und kein Ende

Die „Paisaje Lunar“ soll nicht betreten werden. Foto: wb

Die „Paisaje Lunar“ soll nicht betreten werden. Foto: wb

Aus Anlass des „Welttags der Ozeane“ hat das Wochenblatt dem Thema „Meeresverschmutzung durch Plastik“ einen Beitrag gewidmet und darauf hingewiesen, wie gefährlich der im Meer treibende Plastikmüll für Meeresschildkröten und andere Tiere ist. Wir begrüßen es sehr, dass sich unsere kanarische Zeitung dieses Problems angenommen hat, eines Problems, dem man inzwischen überall auf den Weltmeeren begegnet. „Müll, so weit das Auge reicht“ lautete eine Schlageile dieser Tage in der Presse. „Einsames Inselparadies im Pazifik versinkt im Meer aus Plastik!“ Auch das Fernsehen zeigte die schockierenden Bilder.

Es ist also allgemein bekannt, was wir mit unserem Plastikwahn angerichtet haben. Was aber sind die Reaktionen? Einige wenige Länder haben immerhin die höchst überflüssigen Kunststofftüten verboten, nicht allerdings Deutschland, das sich doch so gern als „Musterland im Umweltschutz“ preisen lässt. Während man in Brüssel angeblich weiterhin an Regelungen für ein europaweites Verbot der Plastiktüten bastelt, verblüfft das deutsche Umweltbundesamt mit einer beispiellosen Ignoranz.

Wir haben das Umweltbundesamt angeschrieben und nachgefragt, ob Deutschland nicht dem Beispiel jener Länder folgen sollte, die auf Plastiktüten künftig ganz verzichten, und bekamen diese Antwort: „Ein deutsches Verbot für Kunststofftüten fordern wir nicht. Zur Begründung verweisen wir auf den relativ geringen Tütenverbrauch in Deutschland.“ Laut Deutscher Umwelthilfe beläuft sich dieser „relativ geringe Verbrauch“ auf rund 6 Milliarden Plastiktüten jährlich. Aneinandergelegt reiche das aus, um den Erdumfang gut 40 Mal zu umwickeln… Unser Briefwechsel mit dem Umweltbundesamt datiert aus dem Jahr 2011. Seither also weitere sechs Jahre Vergeudung von Rohstoffen und Energie für noch mehr Müll. Der Plastikwahn und kein Ende.

Attac-Gruppe Emsland
Atze Schmidt




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