Der Moskauer Pianist Jacob Katsnelson – ein mit Spannung erwarteter Gast im Timanfaya


Nach seinem Konzert zur Wiedereröffnung des Sala Timanfaya im vergangenen Jahr kamen die Freunde der Klavier­musik am 25. November wieder in den Genuss, den international bekannten und gefragten Moskauer Pianisten hier mit Werken von Bach, Beethoven und Schumann zu hören.

Bachs Suite für Laute in c-moll hatte wohl noch keiner der Anwesenden in dieser Fassung gehört, denn Katsnelson trug eine der vielen Klavierbearbeitungen seines berühmten Kollegen Johelles vor, der sich neben der Förderung der echten russischen Schule vor allem den Klavierbearbeitungen der vielen Bach-Werke widmete, die ursprünglich für andere Instrumente komponiert waren. Sie zeichnen sich auch in den romantischen Anklängen späterer Epochen besonders durch Werktreue und perfekte Integration der Möglichkeiten des modernen Instrumentes aus, die der Interpret feinfühlig und sensibel vermittelte.

In seiner Auswahl der Beethoven-Werke entfaltete er bravourös die mitreißende Kraft und Genialität des Komponisten, der gern in der Gesellschaft selbst das Andante Favori, F-Dur, das ursprünglich als zweiter Satz der Waldstein-Sonate gedacht war, vortrug. Es ist- wie „Die Wut über den verlorenen Groschen“ in Rondo-Form konzipiert, die bei jeder Repetition variiert, und in ihrem Ideenreichtum jeden Zuhörer in ihren Bann zieht. Die Fantasie g-moll wechselt nach einigen wie improvisiert wirkenden Passagen und Arpeggien in ihre Haupttonart, das parallele H-Dur, worin sie auch in ihrem liedhaften Grundmotiv, das in mannigfachen Variationen erklingt, bleibt.

Die Davidsbündlertänze, dem Enkel Goethes gewidmet, schrieb Schumann mit 27 Jahren, kurz nach seiner Verlobung mit Clara Wieck und bezeichnet sie einmal als Hochzeitsgedanken und dann wieder als Toten-

tänze. Seine ganze Stimmungslage umfasst in ihrer Fächerung „Lust und Leid- Schmerz und Freud“ und strömte von Jacob Katsnelson subtil und unmittelbar auf das Publikum, das ihm begeistert und mit langem Applaus dankte. Als Zugabe verabschiedete er sich mit einem Nocturne von Tschaikowsky.

Bei aller Freude und dem Genuss dieser Matinee hätte man sich doch gewünscht, diesen Pianisten, der es versteht, jedes Publikum mit seiner Kunst, seiner Sicherheit der Interpretation und seiner Ausstrahlung, die sofort den Funken überspringen lässt, in einem angemessenen Saal und an einem ihm adäquaten Instrument erleben zu können.

Marianne Jakob





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