Die große Stunde von „Risco Caído“


Besucher beobachten, wie der Sonnenstrahl durch die rechteckige Öffnung in der Kuppel der Höhle Nr. 6 einfällt und als Lichtpunkt an der Wand entlangwandert. Foto: EFE

Die „heiligen Berge von Gran Canaria“ auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe

Gran Canaria – Die archäologische Fundstätte Risco Caído an einem Abhang in den Bergen Gran Canarias beherbergt die Überreste einer Höhlensiedlung der Ureinwohner der Insel Gran Canaria. Auf 1.200 Metern Höhe hinterließen sie in mehreren Höhlen ihre Spuren. Am bekanntesten sind die dreieckigen Gravuren im Gewölbe und an den Wänden der Höhle Nr. 6 der Fundstätte, die nur an bestimmten Tagen im Jahr von der Sonne angestrahlt werden. Archäologische Forschungen deuten darauf hin, dass dieser Ort den Ureinwohnern Gran Canarias als eine Art astronomischer Kalender diente.

Zwischen den beiden Tagundnachtgleichen im Frühling und Herbst passiert in einer der Höhlen der archäo-astronomischen Fundstätte Risco Caído täglich ein verblüffendes optisches Schauspiel. Durch eine Öffnung in der Höhlendecke dringt die Sonne ein und beleuchtet im Tagesverlauf an der Wand entlang die Gravuren der Ureinwohner. Das Schauspiel beginnt jedes Jahr um den 20.-21. März, erreicht seinen Höhepunkt um den 20.-22. Juni und endet mit dem Herbstanfang um den 22.-23. September.

Die Höhle, die 1995 vom Archäologen Julio Cuenca entdeckt wurde, ist beeindruckende vier Meter hoch und durch ihre kuppelförmige Decke einzigartig.

Nun steht „Risco Caído und die Heiligen Berge von Gran Canarias Kulturlandschaft“ – wie die offizielle Bezeichnung lautet – auf der Liste der Kandidaturen für den Titel „UNESCO Welterbe“. Das gesamte Gebiet, das UNESCO Welterbe werden könnte, umfasst 18.000 Hektar, denn das Cabildo der Insel, das den Antrag vorangetrieben hat, sieht in der Höhle Nr. 6 von Artenara nur die Speerspitze der wertvollen archäologischen Spuren der Kultur der Berbervölker, die vor rund 2.000 Jahren auf die Kanarischen Inseln kamen und hier jahrhundertelang isoliert lebten. Die Verantwortlichen für den UNESCO-Antrag erhoffen sich eine ähnliche Entwicklung wie im nordspanischen Kantabrien, wo auf die Erklärung der Höhle von Altamira zum Welterbe die Aufnahme weiterer Höhlen mit steinzeitlichen Wandmalereien in die Liste der Welterbestätten folgte.

Risco Caído ist die einzige Kandidatur Spaniens in diesem Jahr. Sollte der Antrag von der UNESCO angenommen werden, wäre es die 48. Welterbestätte im Land.

Mitglieder des Nationalen Rats für historisches Erbe während eines Besuchs in Risco Caído, nachdem sie einstimmig beschlossen, diese Stätte für die Aufnahme in die Liste des UNESCO-Welterbes vorzuschlagen. Archivbild: EFE

Über die Anträge wird das Welterbekomitee in diesen Tagen in Baku, Aserbaidschan, entscheiden. Bis 10. Juli tagt das Gremium und wird die 36 eingereichten Nominierungen prüfen, die aus aller Welt eingegangen sind, darunter auch die von Gran Canaria. Die ersten Einträge sollen am 5. Juli erfolgen.

Auf der Insel herrscht Zuversicht, dass Risco Caído es schafft, UNESCO-Weltkulturerbe zu werden. Immerhin hat auch das International Council on Monuments and Sites (ICOMOS), der internationale Rat für Denkmalpflege, dessen Aufnahme in die Welterbeliste empfohlen. In dem Bericht von ICOMOS heißt es unter anderem, dass das Gebiet um Risco Caído in der Caldera de Tejeda außerordentliche Zeugnisse der antiken Amazigh-Kultur aus Nordafrika beherbergt.

Die UNESCO-Liste umfasst heute 1.092 Stätten in 167 Ländern der Welt. Die Entscheidung über die Aufnahme der neuen Kandidaten 2019 wird 6.000 Kilometer von den Kanaren entfernt, am Ufer des Kas­pischen Meers, fallen.

Weitere Infos über diese besondere archäologische Fundstätte gibt es auf http://riscocaido.grancanaria.com

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