Aus drei mach eins


Man mag über Hobby-Sammler lächeln. Da interessiert sich jemand für etwas, was die meisten gar nicht bemerken oder als uninteressant ansehen. Diese Sonderlinge jedoch suchen, sammeln, erforschen und katalogisieren Pflanzen, Insekten, Steine, Tonscherben, Knochen und manches mehr. Die besten von ihnen bringen es zu wissenschaftlicher Anerkennung, obwohl sie ihr Hobbyfach nie studiert haben und in ganz anderen Berufen erfolgreich sind. Nach ihrem Tod sind Schränke, Dachkammern und Abstellräume vollgestopft mit den Früchten ihrer Leidenschaft, sehr zum Leidwesen der Hinterbliebenen, die gern auf den einstigen Stolz der Verbliebenen verzichtet hätten, sich aber scheuen, den vermeintlichen Plunder auf den Müll zu befördern.

Manchmal übernimmt die öffentliche Hand die Sammlung. Sie könnte von wissenschaftlichem Wert sein. Gelegentlich führt das zur Gründung eines Museums. Auf Teneriffa hat dies mehrmals ähnlich stattgefunden. Denn die Erforschung und Dokumentation der vielfältigen und ungewöhnlichen Inselnatur blieb zunächst den Privatgelehrten und Hobby-Sammlern ebenso vorbehalten wie die Erkundung archäologischer Relikte und die völkerkundliche Einordnung ihrer Urbevölkerung. Private Sammlungen und Forschungsberichte aus mehreren Jahrhunderten wurden hier seit den 1950er-Jahren die Keimzellen eines der wichtigsten, lebendigsten und angesehensten Museen der Kanaren, des natur- und humanwissenschaftlichen Museums, spanisch Mu seo de la Naturaleza y del Hombre oder kurz MNH.

1951 öffnete das Naturkundemuseum der Insel seine Pforten beim Parque de la Granja in Sta. Cruz. Nach und nach kamen weitere bedeutende Insektensammlungen aus privaten Beständen dazu. Das archäologische Museum von Teneriffa begann 1958 in Räumlichkeiten des Cabildos und fasste einige kleine städtische und private Sammlungen zusammen. Das 1993 gegründete Kanarische Institut für Bioanthropologie, das sich der Erforschung der Ureinwohner, ihrer natürlichen Umwelt, ihrer Krankheiten, ihrer Kultur und ihrer Herkunft widmete, bekam seinen Sitz im ehemaligen Zivilkrankenhaus der Stadt. Dieses knapp 250 Jahre alte, inzwischen umgebaute Gebäude bot Gelegenheit, die drei Museen, deren Aufgabengebiete sich teilweise überschnitten, miteinander an einem Ort zu verbinden, und zugleich reichlich Platz für die wissenschaftlichen Einrichtungen, die ein leis­tungsstarkes Museum von mehr oder weniger guten Sammlungen seltener Gegenstände unterscheiden: Forschungslabore, Werkstätten, Lehrsäle, Magazine und mehr. Denn wissenschaftliche Museen sammeln, erforschen, konservieren und lehren. Hinter der denkmalgeschützten Fassade des alten Hospitals wurden die Räumlichkeiten umgebaut, und 2002 weihte die spanische Königin das Haus als das ein, was es heute ist: Das Museo de la Naturaleza y del Hombre. Hier kann der Besucher selbst – geführt oder auf eigene Faust – die Beziehungen des antiken wie des heutigen Menschen zu seiner natürlichen Inselumgebung erkunden und entdecken, wie beide voneinander abhängen. Auf drei Geschossen und in fünf Hauptabteilungen findet er hier Antworten auf alte und neue Fragen.

(Fortsetzung folgt. Nächstes Thema: Ein Haus mit Geschichte)

Das Museo de la Naturaleza y del Hombre befindet sich in Santa Cruz in der Calle Fuente Morales gegenüber der Kirche Nuestra Señora de la Concepción und unterhalb des TEA.

Öffnungszeiten: Di.-Sa. 9.00 – 20.00 Uhr; So., Mo. und Feiertage 10.00 – 17.00 Uhr.
Eintrittspreise: 5 € (Residenten 3 €); Senioren ab 65 Jahre 3,50 € (Residenten 2,50 €); Kinder unter 8 Jahren frei.
Freier Eintritt jeden Fr. u. Sa. 16.00 – 20.00 Uhr (falls Feiertag 13.00 – 17.00 Uhr)
Audioguides in deutscher Sprache gibt es an der Kasse.
museosdetenerife.org




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