Wandern und entdecken

Er hat gute Chancen, älter zu sein als der berühmte „Drago Millenario“ aus Icod de los Vinos. Anders als dieser wächst er aber ziemlich verborgen, obwohl er sich nur wenige Gehminuten vom Parkplatz „Minas de San José“ im Cañadas-Nationalpark erhebt. Hier oben auf gut 2300 m Höhe Jahrhunderte lebend zu überdauern, extremen Temperaturwechseln ausgesetzt zu sein, Stürmen zu trotzen, trockene Luft, Wassermangel und hohe UV-Strahlung zu ertragen, verlangt jedem Organismus mehr ab, als die meisten verkraften können. Man sieht dem uralten Zedernwacholder (Juniperus cedrus) auf den ersten Blick den täglichen Überlebenskampf nahe der natürlichen Baumgrenze an. Mit der Mächtigkeit des „Drago Millenario“ und dessen Stammumfang kann er bei Weitem nicht mithalten. Klein und gedrungen steht er da und ist dennoch geradezu ein Ausdruck lebendiger Kraft. Wie er auf seinem verdrehten und gewundenen Stamm, der kaum 3 m Höhe erreicht, zwei schwere, buschige Äste trägt, erinnert er an einen sich erhebenden Riesen mit emporgereckten Armen. Wie beim „Drago Millenario“, dessen unbestimmbares Alter Botaniker auf etwa 500 Jahre schätzen, kennt auch niemand das Alter dieses Methusalems, den man manchmal ehrerbietig „Patriarca del Teide“ nennt. Einige Hundert Jahre steht er gewiss schon dort.

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Wandern und entdecken

Auf über 25 km Länge stehen sie im Halbkreis aufgereiht und schauen auf das hinunter, was ihnen 200 – 500 m tiefer zu Füßen liegt. Man müsste hoch fliegen, um sie alle gleichzeitig auf ein Foto zu bekommen. Zwischen 30 und 40 Gipfel und Spitzen umfassen hufeisenförmig die Cañadas del Teide. Ihren Namen nach sind sie männlich und heißen El Cabezón, El Sombrero, El Roque del Cedro oder El Topo de la Grieta – fast alle. Denn zwei der imposantesten – La Fortaleza und La Guajara – sind eindeutig weiblich, allen Übersetzungsfehlern, die von „dem Fortaleza“ und „dem Guajara“ sprechen, zum Trotz. Man spricht in den Alpen ja auch nicht von „dem Jungfrau“ oder „dem Rote Flüh“. Die Frauenquote unter den Bergen ist allerdings auch auf Teneriffa klein. Gemeinsam ist ihnen, dass sie vor etwa 170.000 Jahren in kürzester Zeit entstanden sind. Ein Tag nur möglicherweise, wahrscheinlich etwas mehr. In geologischen Zeiträumen spielt diese kleine Ungenauigkeit keine Rolle. Sie sind die Überreste und letzten Zeugen eines Berges, den es einmal gab, der sie um mindestens 1000 m überragte, von dem wir uns aber nur ein sehr ungenaues Bild machen können. Seine Trümmer liegen im Atlantik vor Icod de los Vinos; denn dorthin ist er damals hinuntergestürzt, der Vorgänger des Pico del Teide, den die Forscher Prä-Caldera-Vulkan nennen, weil er sich vor Entstehung der heutigen Caldera dort erhob. Auf unserem Weg können wir uns mit Einigem beschäftigen, was von diesem vergangenen Riesen zurückblieb.

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