Zum Umzug gezwungen


36.000 Canarios müssen aus Arbeitsgründen in andere Provinzen abwandern

Aufgrund der Wirtschaftskrise und der damit einhergehenden Arbeitslosigkeit sahen sich viele Canarios in den letzten Jahren zur Abwanderung gezwungen, in der Hoffnung, in einer anderen Provinz oder sogar im Ausland endlich eine Anstellung und Zukunft zu finden.

Laut der Statistik handelt es sich meist um Personen im Alter zwischen 25 und 44 Jahren, mit Berufsschulabschluss, die größtenteils im Hotelgewerbe, auf dem Bau oder im Verkauf tätig sind.

Laut einer Studie der Zeitarbeitsfirma Randstad wurden im vergangenen Jahr in Spanien 2,1 Millionen Arbeitsverträge abgeschlossen, die für die Arbeiternehmer das Umsiedeln in eine andere Provinz bedeuteten. Das ist die höchste Zahl seit 2007 und entspricht einer arbeitsbedingten Abwanderungsquote von 12,6%. 

Auf den Kanarischen Inseln zogen im vergangenen Jahr 36.000 Personen auf eine andere Insel um, nachdem sie dort eine Anstellung gefunden hatten. Das entspricht 5,4% der arbeitenden Bevölkerung, weit unter dem spanischen Durchschnitt von 12,2%.

Die Kanarische Beobachtungsstelle für Arbeit (Obecan) begründet dies damit, dass die hiesigen Einwohner sich lieber mit dem Arbeitslosengeld begnügen als eine neue, oft zeitlich begrenzte Arbeit anzunehmen. Auch die Tatsache, dass viele Menschen die Arbeiten ablehnen, für die sie überqualifiziert sind, trägt dazu bei, dass die Mobilität der kanarischen arbeitenden Bevölkerung nur sehr gering ist.

Emigrantenvolk

Bei den Canarios handelt es sich seit jeher um ein Auswanderervolk.

Um das Jahr 1670 verließen ganze Familien ihre Dörfer wie Vilaflor, El Sauzal oder Buenavista, um den Atlantik zu überqueren und in Übersee eine neue Zukunft zu finden.

Die Menschen emigrierten nach Südamerika, wo sie sich beispielsweise im Valle de Caracas (Venezuela) niederließen. Dort widmeten sie sich mit viel Erfolg dem Kaffee- und Kakaoanbau. Fast jeder Canario hat noch heute Familienangehörige auf der anderen Seite des Atlantiks.

Ab 1970 wurde der Tourismus zum Motor der kanarischen Wirtschaft, allerdings machten die Infrastrukturen es den Menschen nicht leicht, täglich zu ihren Arbeitsplätzen in den Süden der Insel zu fahren.

In diesem Rahmen wurde 1974 die Autobahn von Puerto de la Cruz bis Santa Cruz ausgebaut und im Jahre 1987 bis zum Südflughafen erweitert. 2003 machten die täglich 100.000 Autos es notwendig, die Schnellstraße bis Adeje zu verlängern.




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