Zukunft ungewiss


Das Centro Oceanográfico de Canarias befindet sich in Santa Cruz im Industriegebiet „Dársena Pesquera“. Foto: WB

Das Ozeanographische Institut kämpft gegen Kürzungen und Bürokratie

Teneriffa – Als im September 2011 das 15 Millionen Euro teure neue Gebäude des Ozeanographischen Instituts der Kanaren eröffnet wurde, reiste eigens die damalige Wissenschaftsministerin Cristina Garmendia an. Bei ihrer Einweihungsrede erklärte die Politikerin, das Institut werde dazu beitragen, Spaniens Status als wissenschaftliche Größe in den Bereichen Meer und Fischerei international weiter auszubauen und zu festigen.

Sechseinhalb Jahre sind seitdem vergangen und Institutsleiter Luis José López-Abellán erklärte nun in einem Interview mit der Nachrichtenagentur EFE, die Zukunft der Einrichtung sowie der anderen acht, dem Spanischen Institut für Ozeanographie angehörenden Institute für Meereskunde, für ungewiss. Die Zentralregierung hatte in den vergangenen Jahren den Etat für Forschung und Wissenschaft erheblich gekürzt.

Das Ozeanographische Institut der Kanaren konzentriert sich auf drei Forschungsgebiete: Die wissenschaftliche Erforschung der Ozeane, die Nachhaltigkeit der Fischerei und der Lebensraum Meer sowie dessen Schutz und Erhaltung.

Die wissenschaftliche Einrichtung auf Teneriffa gehört, wie acht weitere dieser Art, zum Spanischen Institut für Ozeanographie. Dessen Aufgabe ist die Erforschung der Meere und der Folgen von Überfischung und Verschmutzung sowie die Entwicklung der hierfür erforderlichen Technologien. Außerdem berät das Institut den spanischen Staat bei allen Fragen zum Meer, dessen vernünftige und nachhaltige Nutzung und zur Fischerei.

Doch das Institut könne seine Aufgaben aufgrund der stark gekürzten Mittel, veralteter Strukturen und bürokratischer Hindernisse kaum mehr erfüllen, bedauerte López-Abellán gegenüer EFE.

Luis José López-Abellá. Foto:: EFE

Demnach verfügen das Institut sowie seine neun Außenstellen über einen Jahresetat von 60 Millionen Euro. Die Belegschaft beläuft sich auf 560 Mitarbeiter. Aus dem Posten müssen sowohl der Betrieb der Zentren als auch die laufenden Projekte finanziert werden. Doch wenn aus irgendeinem Grund die Mittel eines Jahres nicht voll ausgegeben werden, wird der Etat im kommenden Jahr direkt gekürzt, so der Direktor des Instituts auf Teneriffa, der für dieses Jahr einen erheblich geschmälerten Etat befürchtet.

Erschwerend komme hinzu, dass der staatliche Buchprüfer  die Funktionsweise der Institute, die „agil, effizient und wettbewerbsfähig“ sein müssten, um im internationalen Wettbewerb um Projekte mithalten zu können, nicht verstehen würde. Die Mittel würden erst viel zu spät genehmigt und die Institute an Wettbewerbsfähigkeit und Prestige einbüßen. Projektleiter müssten zu lange um die Finanzierung kämpfen, Partner zu lange auf ihr Geld warten. Auch könne es nicht angehen, dass jede Reparatur eines wissenschaftlichen Gerätes gerechtfertigt werden müsse. Infolge der schleppenden Bürokratie dieses Prozesses stünden wichtige Gerätschaften monatelang still.

Laut López-Abellán müssten die Wissenschaft mit mehr Mitteln und die Institute mit einer größeren Autonomie und Flexibilität ausgestattet werden.




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