Zerstörerische Naturgewalt


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Am 10. Oktober, frühmorgens um 1.30 Uhr, begann es: riesige Wellen trafen auf die Kanarischen Inseln und zerstörten mit Gewalt, was sich ihnen in den Weg stellte. Das Wasser und seine Fracht verwüsteten Uferpromenaden und beschädigten Häuser; Hafen-, Strand- und Schwimmbadmolen brachen teils zusammen; Strände und Naturschwimmbäder mussten aufgrund der erheblichen Schäden gesperrt werden.

La Gomera: Überflutungen und Schäden

Die hohen Brecher starteten ihren Angriff auf die kleine Insel mitten in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Das Örtchen Playa de Santiago in der Gemeinde Alajeró traf es besonders hart. Dort wurden an der Avenida Marítima gelegene Häuser unter Wasser gesetzt sowie Fenster und Türen beschädigt. Auch das an der Küstenlinie befindliche städtische Mobiliar ging größtenteils zu Bruch. Die gewaltigen Wellen ließen auf der Avenida Marítima und im Club Laurel des Hotels Jardín Tecina massenweise Erde, Steine und Schutt zurück; Betonblöcke des Hafendammes wurden wie Legosteine zum Spielzeug der Wellen. Zwischen der Plaza del Carmen und der Mündung des Barrancos von Santiago überfluteten Keller und mehrere Pkws wurden demoliert. Am Morgen erwartete die zu Aufräumarbeiten angetretenen Kräfte des Rathauses und der Inselregierung, die Feuerwehrleute und Anwohner ein Bild der Verwüstung.

Der Morgen brachte die unheimliche Zerstörungswut der Wellen auch am Strand von La Cueva in San Sebastián ans Tageslicht. Dort wurden dem Steindamm und dem Fußgängerzugang große Teile entrissen und die Badezone in Mitleidenschaft gezogen. Die Wellen waren so stark, dass sie Brocken und Sand erbarmungslos mit sich rissen und am Strand fast nur Steine zurückließen. In Folge sperrten die Behörden den Strand bis zum Abschluss der Aufräumarbeiten ab. Ángel Luis Castilla, Bürgermeister von San Sebastián, erklärte, das Rathaus habe sich bereits mit dem Küstenamt in Verbindung gesetzt. Dort habe man zugesichert, die nötigen Arbeiten für die Wiederherstellung des Strandes sofort in Gang zu setzen. In der Inselhauptstadt wurde das Stadtviertel Colón unter Wasser gesetzt. Wie in Playa de Santiago begann man auch in San Sebastián sofort mit den Aufräumarbeiten.

Garachico: Hafenmole und Innenstadt betroffen

Seit den ersten Morgenstunden traf die Wellengewalt auf Garachico, überflutete die Küstenlinie und drang in die Häuser ein. Städtisches Mobiliar, Lokale, Restaurants und Wohnungen an der Avenida Tomé Cano und der Avenida Adolfo Suárez wurden durch die Wassermassen und den mitgeführten Schutt überflutet und beschädigt, der Stadtkern während der schlimmsten Stunden abgesperrt. Wie ein Restaurantbesitzer berichtete rissen die Naturgewalten die Umfriedung des Schwimmbades auseinander und ihre Einzelteile schossen wie Projektile auf die Wohnhäuser und Geschäfte zu. Besonders hart traf es den Betreiber der kurz vor der Eröffnung stehenden Eisdiele Frágola, dem innerhalb von Minuten monatelange Geldinvestitionen und Arbeit zunichte gemacht wurden.

Die gewaltige Kraft der Wellen schob einen Teil der erst kürzlich deponierten Betonblöcke der in Bau befindlichen Hafenmole mit sich und warf damit die Arbeiten um fast einen Monat zurück. Der bereits fertig gestellte erste Teil des Dammes hielt den Wellen stand, doch beim hinteren Teil waren die Betonklötze noch nicht positioniert worden und konnten so von den Wellen fortbewegt werden. Am Morgen wurden sofort die Kräfte des Rathauses, des Zivilschutzes, der Guardia Civil, der Lokalpolizei und des Roten Kreuzes mobilisiert. Die kommerzielle Messe Saldo Chico wurde erst auf Dienstag, dann aufgrund des starken Regens weiter auf Sonntag, den 14. November, verlegt.

Puerto de la Cruz: kleinere Schäden

Puerto de la Cruz kam noch einigermaßen glimpflich davon. Die Wellen zerstörten ein Boot an der Hafenmole und verursachten geringe Schäden im Meeresschwimmbad Lago Martiánez. Dieses wurde bis zur Wiederherstellung gesperrt.

Bajamar, Punta del Hidalgo: Schwimmbäder gesperrt

In Bajamar, Punta del Hidalgo und Jóver sorgten die Wellen für größere Schäden an den Naturschwimmbädern, die daraufhin für einige Tage gesperrt wurden. Bajamar hatte am meisten unter der Meeresgewalt zu leiden. Die harte Kraft der Wellen traf die Schutzmauer der Promenade von Marianne mit voller Wucht und verursachte deren Zusammenbruch. Die mitgerissenen Steine wiederum zerstörten Platten und Geländer der Treppe und schossen bis in das Schwimmbecken. Der Kinderspielplatz wurde lädiert und das Wasser drang in Gebäude der Ortsverwaltung und des Roten Kreuzes ein; im Haus Nautilus brachen Scheiben und das hereinschießende Nass überflutete Garagen und Geschäftsräume. Auch in Jóver und Punta del Hidalgo wurden die Schwimmbäder beschädigt; in Jóver drang das Wasser in einige Gebäude ein, in Punta del Hidalgo wurde der Weg zwischen Camping-Platz und San Juanito unbegehbar.




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