Wörterbuch der kanarischen Sprache


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Mehr als 5.000 typische Ausdrücke gesammelt

Ein „Wörterbuch der kanarischen Sprache“ – was bedeutet das? Wird hier nicht Spanisch gesprochen? Das mag sich so mancher fragen; die Antwort ist: ja und nein.

Denn in Spanien spricht man nicht nur vier richtige Sprachen (Spanisch, Katalanisch, Galicisch und Baskisch), sondern das Spanische hat auch viele Dialekte. Daher unterscheidet sich der kanarische Dialekt durchaus vom Hochspanisch („castellano“). Da sich die Wissenschaftler mit solchen Varianten auseinandersetzen, wurde nun zum ersten Mal ein Wörterbuch erarbeitet, das nicht nur 5.000 Ausdrücke sammelt und erklärt, die es nur auf den Kanaren gibt, sondern auch die grammatische Struktur dazu analysiert. Zwar gab es schon einige Veröffentlichungen in dieser Richtung, auch ein Grundlagenwerk aus dem Jahre 1995 oder das Wörterbuch „Godo-Guanche“, aber ein Werk, das den hohen Ansprüchen der Philologen genügt, liegt nun erst mit dem neuen „Diccionario Básico del Canarismos“ vor. In siebenjähriger Arbeit haben mehr als 40 Akademiker an diesem Standardwerk gearbeitet, wie der Präsident der Kanarischen Sprachakademie, der Philologieprofessor Antonio Lorenz Ramos, der Presse mitteilte.

Die kanarische Variante des Spanischen hat im Wesentlichen drei Wurzeln: die Sprache der Ureinwohner, das Portugiesische und das Spanisch der Eroberer. Die Ureinwohnersprache, auf Teneriffa das Guanchische, wurde fast vollständig vernichtet und findet sich heute nur noch in Toponymen (Ortsnamen) wieder, etwa dem häufigen „Tagoro, Tagoror oder Taoro“, womit die Guanchen ihre Versammlungsplätze bezeichneten. Oder „Bailador“, was nicht vom spanischen „bailar“ (tanzen) kommt, sondern ein Ort war, wo die Guanchen ihre Ziegen zusammenpferchten. Einzelne Ausdrücke haben sich in der Landwirtschaft noch erhalten. So sagen die Bauern auf Teneriffa zu einem Zicklein nicht spanisch „cabrito“ sondern guanchisch „baifo“.

Die ersten Siedler auf den Kanaren waren großteils Portugiesen, die von den Spaniern, die später kamen, assimiliert wurden. Daher hat das Kanarische einige portugiesische Ausdrücke bewahrt, etwa „gavete“ oder „gaveta“ für „Schublade“ (spanisch wäre „cajón“). Speziell im Nordwesten Teneriffas, wo viele Portugiesen siedelten, findet man noch zahlreiche portugiesische Familiennamen, wie z.B. „Dorta“.

Ein weiterer Einfluss stammt aus Lateinamerika. Viele Canarios wanderten dorthin aus, besonders nach Kuba und Venezuela, und einige, die zurückkamen, brachten neben dem ausgelassenen Karneval auch sprachliche Besonderheiten mit zurück. Die bekannteste darunter ist die, dass die Canarios, wie alle Südamerikaner, die 2. Person Plural „vosotros“ nie gebrauchen und durch die 3. Person „ustedes“ ersetzen. Wenn also jemand „vosotros“ benutzt, dann stammt er eindeutig vom Festland.

Zusätzlich zum Gesamtkanarischen untersucht das Wörterbuch auch lokale Unterschiede, denn auf jeder Insel gibt es wiederum spezifische Ausdrücke, und die hier Geborenen hören sogar heraus, aus welcher Gegend der Insel jemand kommt. Solche Feinheiten mögen den Spezialisten vorbehalten bleiben, aber wer lange auf den Kanaren gelebt hat und die hiesige Sprache spricht, der wird zumindest in Spanien sofort erkannt – an seinem kanarischen Dialekt.




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