Wintertraum für die Einen – Katastrophe für die Anderen


© Moisés Pérez

Unwetter richtete Millionenschäden an

Ganz in weiß ließ der Teide am letzten Januarwochenende den Wintertraum der Canarios doch noch wahr werden. Ein schlimmes Unwetter mit heftigsten Regenfällen, das über die östlichen Inseln hereinbrach und vor allem auf El Hierro eine Spur der Verwüstung hinterließ brachte den Schnee.

Am 26. Januar gab das meteorologische Institut eine Unwetterwarnung für alle Inseln heraus. Es wurde vor starken Niederschlägen gewarnt und der Bevölkerung nahegelegt, Mündungen von Barrancos zu meiden. Wie sich später herausstellte nicht ohne Grund. Während es in weiten Teilen des Archipels nur mäßig stark regnete, wurde El Hierro von einer der schlimmsten Katastrophen seiner Geschichte heimgesucht, und auch auf Gran Canaria waren die sintflutartigen Regenfälle nicht ohne Folgen.

Am schlimmsten jedoch war zweifelsohne El Hierro betroffen. In der Ortschaft El Pinar fielen in 36 Stunden 500 Liter pro Quadratmeter. Cabildo-Präsident Tomás Padrón sprach von einer „Sintflut“ und von der schlimmsten Naturkatastrophe in der Geschichte der Insel. Tatsächlich traf es die kleinste Kanareninsel mit voller Wucht. Besonders schlimm war die Lage in El Pinar, El Golf und Las Playas. Steinlawinen begruben Straßen und Häuser. Im Fernsehinterview sagte ein Einwohner mit leerem Blick: „Ich habe nichts mehr“. Sein Haus wurde wie viele andere unter Geröll begraben. Auch die Zuchtstation für Rieseneidechsen im Tal von El Golfo kam nicht unbeschadet davon. Das Gebäude wurde so schwer beschädigt, dass zahlreiche Eidechsen vermisst werden. Die entkommenen Exemplare, alle zwischen zwei und fünf Jahren alt, waren für das Projekt zur Auswilderung der bedrohten Spezies bestimmt.

Steinbrocken und Schlamm richteten auch im Freilichtmuseum Guinea, in dem der Besucher den Alltag der früheren Landbevölkerung El Hierros nachvollziehen kann, schwere Schäden an.

Im Gebiet von Las Playas konnten zwei Beamte der Guardia Civil eine Deutsche in letzter Minute davor bewahren, von den Schlamm- und Wassermassen mitgerissen zu werden. Liselotte Drescher, die seit 1982 auf der Insel lebt, wurde im Schlaf vom Unwetter überrascht. Ihr kleines Häuschen stand ungünstig in der Mündung eines – seit Jahrzehnten – trockenen Barrancos, der sich in dieser Nacht in einen reißenden Fluss verwandelte. Ihr Haus wurde von den Geröllmassen verschüttet; sie selbst überlebte wohl nur durch das schnelle Handeln der Polizeibeamten.

23 Millionen Euro

Drei Tage nach dem verheerenden Unwetter verkündete Cabildo-Präsident Tomás Padrón konkrete Zahlen: Die angerichtete Zerstörung werde auf eine Summe von 23 Millionen Euro geschätzt. Einen entsprechenden Bericht händigte Padrón persönlich der spanischen Umweltministerin Cristina Narbona aus, die angesichts des Ausmaßes der Naturkatastrophe auf die Insel gereist war. Die Ministerin verpflichtete sich zu einer sorgfältigen Prüfung der verursachten Schäden und einer besonderen Unterstützung für das Zuchtprojekt der Rieseneidechsen.




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