Weniger Artenschutz auf den Kanaren?


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Umweltschützer besorgt über neue Regierungsvorschläge

Die von der kanarischen Regierung geplante Reform des Artenschutzkataloges alarmiert die Umweltschützer. Geplant ist, den Schutz gefährdeter Pflanzen und Tiere in großem Umfang zu reduzieren, wie Wissenschaftler der Universität La Laguna beklagten. Nach den neuen Normen würden von 450 bisher geschützten Arten 226 ihren Schutz verlieren, 131 würden herabgestuft und 94 Arten nur mehr unzureichend geschützt.

So würde z.B. die Kragentrappe (Avu­tarda hubara), ein endemischer Vogel, von dem es nur noch 200-300 Exemplare auf Fuerteventura und 15-20 auf Lanzarote gibt, seine Qualifikation „vom Aussterben bedroht“ verlieren und nur noch als „verletzlich“ geführt werden. Gerade diese Trappe hat durch die wachsende Urbanisierung der Inseln ihren Lebensraum mehr und mehr verloren.

Auch soll der Schutz vieler Arten nur noch innerhalb von Nationalparks und Naturschutzgebieten gelten. Außerhalb dieser Reviergrenzen wären die Pflanzen und Tiere dann ungeschützt.

Im Sinne der geplanten Bauvorhaben

Zoologen und andere Wissenschaftler erklärten ohne Umschweife, dass die Reform des Gesetzes dazu diene, um Hindernisse für geplante Bauvorhaben aus dem Weg zu räumen. Als Beispiel nannten sie die Heuschrecke „Acrostira euphorbiae“, die nur noch in wenigen Zonen auf La Palma vorkommt, und die dort die Planung eines neuen Golfplatzes behindert. Sie würde von „bedroht“ auf „gestört“ he­­rabgestuft. Ähnliches gilt für die geschützten Unterwasser-Seegraswiesen, derentwegen der Bau des Hafens von Granadilla gerichtlich gestoppt wurde. Dasselbe Problem exis­tiert auch bei der Planung des Hafens von Fonsalía bei Playa San Juan und von Agando auf Fuerteventura. Selbst der berühmte Drachenbaum würde einen schwächeren Schutz erhalten, was die Arbeiten am neuen „Inselring“, der Ringautobahn Teneriffas, vereinfachen könnte.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Der berühmte Biologe Wolfredo Wildpret, emeritierter Professor der Universität La Laguna, beklagte die geheimnistuerische Form „hinter dem Rücken der Wissenschaft und demokratischer Teilnahme“, unter der die neue Normative entwickelt wurde. Auch die sozialistische Opposition im kanarischen Parlament fordert inzwischen die Aufnahme einer Debatte über das Thema. Die Biologin Cristina González von der Umweltschutzgruppe SEO/BirdLife meinte, dass die Normative nicht nur von der Wissenschaftsgemeinde ohne Unterstützung bliebe, sondern auch die staatlichen Gesetze zum Naturschutz verletze. Experten zweifeln daran, dass eine Regionalregierung nationale Normen ändern könne, ohne dass dies von der für den Naturschutz zuständigen Kommission in Madrid bestätigt wird.

 Verschiedene Umweltschutzverbände wie Green­peace, Ben Magec u.a. hatten am 28. November mit einer Menschenkette in Santa Cruz gegen die geplante Änderung des Kataloges geschützter Arten auf den Kanaren protes­tiert.




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