Wärmebildkamera soll Kollision mit Walen verhindern


Die erste Wärmebildkamera wurde auf der Schnellfähre Benchijigua Express installiert, die zwischen Teneriffa und La Gomera im Einsatz ist. Wissenschaftler bedienen das Gerät an Bord und beobachten parallel auch das Meer. Fotos: Fred.Olsen

Die Reederei Fred.Olsen startet in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität La Laguna ein Pilotprojekt zum Schutz der Meeressäuger

Teneriffa – Im August dieses Jahres gaben die Universität La Laguna und die Reederei Fred. Olsen den Abschluss eines Abkommens zur Vorbeugung von Kollisionen zwischen Schiffen und großen Meeressäugern bekannt. Das „Proyecto de Protección de Cetáceos y Fauna Marina“ zielt darauf ab, Methoden zu entwickeln, um Wale in dem viel befahrenen Seegebiet zwischen den Inseln zu schützen und die für die Tiere meist tödlichen Zusammenstöße mit den Schnellfähren zu verhindern. Das Abkommen beinhaltet keinerlei finanziellen Austausch, sondern stellt einen Zusammenschluss aus gutem Willen für ein gemeinsames Ziel dar, bei dem das Forschungsteam für Marine Biodiversität der Universität sein Wissen einbringt und die Reederei die Logistik stellt und den festen Willen hat, Nachhaltigkeit im Seetransport zu fördern.

Dieser Tage hat nun die Testphase der ersten Wärmebildkamera an Bord einer der Schnellfähren von Fred.Olsen begonnen. Das Katamaranschiff „Benchijigua Express“, das mit 38 Knoten (etwa 70 km/h) Höchstgeschwindigkeit zwischen Teneriffa und La Gomera hin und her fährt und dabei zwangsläufig das Gebiet kreuzt, in dem besonders viele Meeressäuger zu Hause sind, wurde dafür ausgewählt.

Die an Bord installierte Wärmebildkamera neuester Generation bietet detaillierte Wärmebild-Videoaufzeichnungen mit einem 30x-Zoom-Objektiv sogar bei Dunkelheit. Personal der Universität ist mit an Bord der „Benchijigua Express“, um die Bilder sofort auszuwerten und mit menschlichen Beobachtern zu vergleichen. Fred. Olsen legt Wert darauf, zu betonen, dass dies die ersten Tests mit Wärmebildkameras an Bord von Schnellfähren weltweit sind.

Während der Testphase soll der Einsatz der Wärmebildkamera optimiert werden, um festzustellen, ob und wenn ja, bei welcher Geschwindigkeit, bei Sichtung bzw. Erkennung von Meeressäugern ein rechtzeitiges Ausweichmanöver stattfinden kann.

Die nächste Projektphase sieht vor, automatische Detektoren zu installieren, die Alarm schlagen, wenn Wale die Route kreuzen.

Fred.Olsen hat im Laufe dieses Jahres bereits die Routen zwischen Teneriffa, La Gomera und La Palma so verändert, dass möglichst wenige Meilen in Gebieten der sogenannten „Zona de Especial Conservación (ZEC)“ zurückgelegt werden. Die Reederei nennt diese Strecken „ökologische Routen“, da sie dem Schutz der Meeressäuger und der übrigen Meeresfauna dienen.

Größte Artenvielfalt in Europa

Das Seegebiet zwischen den Kanarischen Inseln, insbesondere zwischen Teneriffa, La Gomera und La Palma, ist Heimat zahlreicher großer Meeressäuger. Nirgendwo sonst in Europa sind so viele Wale ganz unterschiedlicher Arten unterwegs.  Der Verband „Canarias Conservación” hat gemeinsam mit der Gesellschaft zur Erforschung der Meeressäuger auf den Kanaren anhand von Sichtungen mindestens 30 verschiedene Arten dokumentiert.

Die Gewässer um die Inseln stehen europaweit an der Spitze, was die Artenvielfalt von Meeressäugern angeht. Die Wassertemperatur und die Nahrungsvielfalt scheinen dabei eine entscheidende Rolle zu spielen. Das Zusammenwirken verschiedener Meeresströmungen macht es möglich, dass hier Meeressäuger aus tropischen, kalten, gemäßigten und warmen Meeren aufeinandertreffen. Für manche Spezies bilden die Kanaren die nördliche Grenze ihres Verbreitungsgebietes (so z.B. Rauzahndelfin und Borneo-Delfin), während sie bei anderen Arten die südliche Grenze darstellen (z.B. Atlantischer Nordkaper und Seiwal).

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