Vorerst keine neuen Genehmigungen für Whale-Watching-Boote


Eine Studie soll klären, wie hoch die Zahl der Whale-Watching-Boote maximal sein kann, um die Meeressäuger nicht zu bedrängen oder Verhaltensstörungen zu verursachen. Foto:cabildo de tenerife

Spanisches Umweltministerium beschließt Aussetzung der Lizenzvergabe

Teneriffa – Das spanische Umweltministerium (Ministerio de Transición Ecológica) hat ein Moratorium für die Vergabe neuer Lizenzen an Anbieter von Walbeobachtungstouren beschlossen. Damit wird der Forderung der Inselverwaltung von Teneriffa entsprochen, die im April dieses Jahres über das Tourismusamt einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Der damalige Leiter des Tourismusressorts der Insel, Alberto Bernabé (CC), hatte den Lizenzstopp in einem Schreiben an die Generaldirektion der Abteilung Nachhaltigkeit an der Küste und im Meer gefordert. Die Leiterin dieser Abteilung, Ana María Oñoro, hat nun auf dieses Schreiben reagiert und bekannt gegeben, dass keine neuen Lizenzen erteilt werden, bevor nicht geklärt ist, wie hoch die Belastung der Meeressäuger durch die Ausflugsboote sein kann, bevor sie zu einer Bedrohung für die Wale wird.

Im Cabildo wurde die Nachricht mit Erleichterung zur Kenntnis genommen, denn die in den letzten Jahren enorm gestiegene Zahl der Whale-Watching-Unternehmen ist auf der Insel Grund zur Sorge.

Der neue Leiter des Tourismusressorts von Teneriffa, José Gregorio Martín, erklärte, dass das Wohlergehen der Meeressäuger an erster Stelle stehe und stets gewährleistet werden müsse, dass sämtliche Schutzmaßnahmen und Vorschriften eingehalten werden. Nur so könne den Tieren der Stress erspart werden, über den wissenschaftliche Studien berichten.

700.000 Touristen pro Jahr

Whale-Watching-Touren sind eine einträgliche Einnahmequelle des Tourismus auf Teneriffa. Schätzungen des Cabildos zufolge buchen jedes Jahr mehr als 700.000 Urlauber einen Ausflug zur Walbeobachtung, was Einnahmen in Höhe von mehr als 26 Millionen Euro bedeutet. Eine Erhebung des Tourismusressorts ergab, dass die Walbeobachtung den zweiten Platz im Ranking der meistgebuchten touristischen Aktivitäten der Urlauber belegt. Mit 12,7% noch vor der Seilbahnfahrt zum Gipfel des Teide (11,4%). An erster Stelle stehen übrigens die Freizeitparks Loro Parque und Siam Park mit 31,4%!

Die Zahl der Anbieter von Whale-Watching-Touren im Süden von Teneriffa hat sich innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt. Das Cabildo beurteilt die Tatsache, dass 2014 noch 30 Lizenzen und 2019 nun 70 Lizenzen existieren, allerdings auch teilweise positiv, denn dies bedeutet wohl auch, dass vormals illegal fahrende Ausflugsboote nun angemeldet sind und die Vorschriften befolgen.

Trotzdem bleibt die große Zahl der Boote beunruhigend. So sieht es auch Higinio Guerra, Präsident des Walschutzverbands ACEST, dem auch die meisten Tour-Anbieter angehören, die die Nachhaltigkeits-Charta (*) für Walbeobachtungen unterzeichnet haben. Ein Moratorium für neue Lizenzen  sei sehr positiv, erklärte Guerra. Die weitere Erteilung von Genehmigungen, ohne zuvor festzustellen, ob die große Zahl der Boote den Meeressäugern Schaden zufügt, wäre unverantwortlich, meint er. Andererseits seien aber aktuell nicht die Boote, die vorschriftsmäßig unterwegs sind, eine Bedrohung für die Wale. Die weiterhin vorhandenen illegalen Anbieter, die teils mit Ausflügen für 10 Euro werben, seien ein Problem, weil sie oft Schutzmaßnahmen missachten. Der Zeitung „El Día“ gegenüber erklärte Higinio Guerra, dass sich nach dem kanarischen Gesetz zur Walbeobachtung um eine Gruppe von Walen – insbesondere wenn Jungtiere darunter sind – nicht mehr als drei Boote befinden dürfen. „Wir haben aber zum Teil schon bis zu zwölf Boote um eine Walgruppe herum gezählt“, mahnt er. Die Nichteinhaltung dieser Vorschrift bedeute Stress für die Wale und führe zu Verhaltensänderungen. Daher begrüße es sein Verband, dass diesen Sommer mehr Kontrollen durchgeführt und Strafen verhängt werden.

Wo liegt die Belastungsgrenze?

Die Generaldirektion der Abteilung Nachhaltigkeit an der Küste und im Meer des Umweltministeriums will die eventuelle zukünftige Vergabe neuer Lizenzen für diese Aktivität vom Ergebnis einer Analyse abhängig machen, die die Belastbarkeitsgrenze ermitteln soll. Die Analyse soll im Rahmen des Projektes LIFE Intermares in den nächsten Monaten in Auftrag gegeben werden und das Ergebnis im Jahr 2022 vorliegen.

(*) Die Nachhaltigkeits-Charta für Walbeobachtung (Carta por la Sostenibilidad del Avistamiento de Cetáceos) ist eine Selbstverpflichtung der Walbeobachtungsanbieter, die sich für ein sanftes bzw. respektvolles Vorgehen bei diesen Ausflügen einsetzen. Die Annäherung an die Tiere erfolgt behutsam, Motoren werden ausgeschaltet. Außerdem wird sich an Bord der Boote geschultes Personal sowie ein ausgewiesener Meeresexperte befinden. Kunden werden über den Inhalt der Charta aufgeklärt. Weiter verwenden die Unterzeichner der Charta auf ihren Booten kein Einwegplastik, betreiben Mülltrennung und beteiligen sich an Umwelt- und Forschungsprojekten.

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