Vom illegalen Einwanderer zum Topmodel


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Der Ghanaer Sadik Abubakari kam 2004 in einem Flüchtlings-Boot nach Fuerteventura

Es sind viele, die jedes Jahr Afrika hinter sich lassen und auf der Suche nach einem besseren Leben in einem brüchigen Boot die Reise ins Ungewisse antreten. Viele überleben die Flucht vor Armut, Hunger, Krieg und Elend nicht, und diejenigen, die die risikoreiche Reise überstehen, finden selten eine Arbeit und werden in ihre Heimatländer abgeschoben.

Madrid – Doch ein junger Mann aus Ghana hat erreicht, wovon Millionen Afrikaner träumen.

Sadik Abubakari war 15, als er beschloss, seine Heimat zu verlassen. Er überquerte illegal die Grenzen mehrerer Länder, um nach einem Jahr an der Westsahara-Küste ein Flüchtlingsboot mit Ziel Kanarische Inseln zu besteigen. Nach anderthalb Tagen auf See fiel der Motor aus und das Boot mit über 40 Mann an Bord trieb ziellos auf dem offenen Meer. Glücklicherweise entdeckte ein Patrouillenschiff der spanischen Polizei die Havarierten und brachte sie nach Fuerteventura. Dort wurde Sadik erst von einem Kinderheim in Puerto del Rosario aufgenommen und später in einem Ausländerheim in El Matorral interniert.

Da es den Behörden nicht möglich war, ihn zu identifizieren, wurde der junge Mann nach Ablauf der gesetzlich vorgegebenen Frist nicht nach Ghana abgeschoben, sondern mit anderen Flüchtlingen nach Madrid geflogen. Zwar sollte er bei Ankunft unter die Obhut des Roten Kreuzes gestellt werden, doch die Polizisten sagten ihm, er müsse selbst klar kommen, und überließen ihn seinem Schicksal.

Monatelang lebte und schlief Sadik in Madrid auf der Straße, bis ihn ein Mann auflas und zum Jugendzentrum in Hortaleza brachte. Aber aufgrund der Sprachbarriere und der fehlenden Ausbildung bekam der junge Mann keine Arbeitsstelle und damit auch nicht die ersehnte Aufenthaltsgenehmigung. Zu dem Zeitpunkt rechnete Sadik nur noch damit, dass die Polizei ihn in jedem Moment festnehmen und zurück nach Ghana schicken würde.

Doch dann fanden ihn Mitglieder der gemeinnützigen Hilfsorganisation Mensajeros de la Paz (Verein der Friedensboten) und gliederten ihn in das Projekt „Columbia“ ein. Die hauptsächlich von der Barclays-Stiftung finanzierte Initiative kümmert sich um die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher. Sadik wurde in einer betreuten Wohnung in Alcobendas untergebracht, ihm wurden Zeitarbeitsstellen z.B. als Elektriker vermittelt. Eines Tages ermutigte ihn eine Freundin, sich auf die Annonce einer Modelagentur zu bewerben, die „einen farbigen Jungen, Rapper, cool“ suchte. Seine Ungezwungenheit und sein allgegenwärtiges Lächeln überzeugten die Talentsucher der Prestigemarke Carolina Herrera. Und so wurde Sadik für den Dreh des Werbespots

für das neue Parfum der Designerin engagiert. In dem weltweit ausgestrahlten TV-Spot stellt Sadik einen Boxer dar, der zu einer Feier in den berühmten New Yorker Club 212 Avenue eingeladen worden ist.

Sadik weiß nicht, ob ihn wieder jemand als Model engagieren wird. Doch der junge Mann blickt optimistisch in die Zukunft. Momentan lernt er für seinen Schulabschluss und für den Führerschein. Sein Ziel, „eine Arbeit zu bekommen, um mehr Geld nach Hause schicken zu können“, hält er immer fest im Blick. Nebenbei hat er mit dem Rappen angefangen. Er sei Gott dankbar dafür, angekommen und nicht am Ufer gestorben zu sein, sagt er.




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