Vatermord in Las Palmas


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Ein bekannter Anwalt und Poet wurde in seinem Haus getötet, seine Pflegebedürftige Ehefrau wurde ebenfalls tot aufgefunden

Gran Canaria – Am 15. Oktober wurden im Stadtteil Las Alcaravaneras der Inselhauptstadt Las Palmas der 76-jährige Anwalt und Poet José Rafael Hernández Santana und seine 79-jährige, an einer degenerativen Erkrankung leidende Ehefrau María Dolores Sánchez García in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Kurze Zeit später wurde der 43-jährige Sohn des Paares, der selbst die Polizei angerufen und die Tat gestanden hatte, verhaftet.

Zunächst schien es, dass die Mutter des Verdächtigen eines natürlichen Todes gestorben sei, der Vater jedoch wies schwere Verletzungen auf, die ihm mit einer Axt beigebracht worden waren. Die Tatwaffe wurde vor Ort gefunden.

Zunächst ging man davon aus, dass der Sohn Marcos H.S. seine Mutter tot aufgefunden und danach mit seinem Vater in Streit geraten war. Der Richter, der ihn zwei Tage später zum Tathergang befragte, sieht jedoch Hinweise darauf, dass Marcos H.S., der seine Mutter gepflegt haben soll, auch für deren Tod mitverantwortlich sein könnte. Er ordnete Untersuchungshaft wegen des Mordes an seinem Vater und der mutmaßlichen Vernachlässigung und fahrlässigen Tötung seiner Mutter an.

Die Ermittler waren vom ersten Moment an davon ausgegangen, dass die Tat mit den Differenzen zwischen Vater und Sohn über die aufwendige Pflege der Mutter in Zusammenhang stehen könnte. Wie der Kanarische Oberste Gerichtshof (TSJC) bekannt gab, sind die Ermittlungen in dem Fall auf der Basis der polizeilichen Ermittlungen vor Ort und der Aussagen, die Marcos H.S. vor dem Untersuchungsrichter machte, „praktisch abgeschlossen”. Es wird nun noch untersucht, ob die Axt, mit der die Tat begangen wurde, zum Haushalt gehörte oder erst kürzlich erworben wurde, was auf eine geplante Tat hinweisen könnte.

Der Täter verbrachte etwa 15 Stunden mit seinen toten Eltern in der Wohnung. Er soll das Zimmer seiner Mutter aufgeräumt, gesäubert und mindestens zwei Müllsäcke mit Windeln und anderem Abfall entsorgt sowie die Kleidung seiner toten Mutter gewechselt haben. Möglicherweise geschah dies, um einen unzureichenden Pflegezustand zu verschleiern. Dem Richter gegenüber sagte der 43-Jährige aus,  sein Vater habe vor einem halben Jahr den Pflegedienst abbestellt, und er sei mit der Situation überfordert gewesen.

In der Nachbarschaft sollMarcos H.S. im Ruf gestanden haben, ein „guter Mensch“ zu sein, der sich hingebungsvoll um seine Mutter, die seit zehn Jahren krank und in den letzten Jahren bettlägerig war, kümmerte. Das Verhältnis zu seinem Vater, der sich kaum um seine Frau gekümmert haben soll, war nach Berichten der Nachbarn sehr belastet.

José Rafael Hernández Santana war ein bekannter Anwalt und Poet, der erst vor Kurzem von der Anwaltskammer für seine 50-jährige berufliche Laufbahn ausgezeichnet und im Jahr 2016 für den Kanarischen Kommunikationspreis (Premio de Canarias de Comunicación) vorgeschlagen worden war. Neben seiner anwaltlichen Karriere hatte er sich auch einen Namen als Poet und Satiriker gemacht.





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