Unterwassersondierung in El Burrero


Einige Fundstücke aus dem Wrack, darunter ein Stück Keramik, eine Seemannspfeife. Fotos: Cabildo de Gran Canaria

Ein Wrack aus dem 18. Jahrhundert wurde zum fünften Mal seit seiner Entdeckung 1962 archäologisch untersucht

Gran Canaria – Die Inselregierung von Gran Canaria hat kürzlich die Ergebnisse der jüngsten archäologischen Untersuchung eines historischen Wracks, das nur 30 Meter vor der Playa El Burrero in der Bucht von Gando auf Gran Canaria in drei bis vier Metern Tiefe am Meeresboden liegt, vorgestellt. Vermutlich handelt es sich um ein Schiff aus dem 18. Jahrhundert. Die Überreste wurden im Jahr 1962 durch den Taucher Tomás Cruz entdeckt. Seitdem hat es vier archäologische Untersuchungen des Wracks gegeben, in den Jahren 1962, 1968, 1994 und 2008.

Einige Fundstücke aus dem Wrack, darunter ein Schöpflöffel. Fotos: Cabildo de Gran Canaria

Nun hat die Inselregierung eine neue unterseeische Sondierung durchführen lassen mit dem Ziel, sich, soweit möglich, Klarheit zu verschaffen über die Bauart, Funktion und das Ziel des Schiffes sowie das Datum des Untergangs und unter welcher Flagge das Schiff fuhr. Im Januar und Februar hat ein Team von drei Tauchern unter der Leitung des sevillanischen Archäologen Josué Mata Mora in rund 120 Tauchstunden das Wrack und seine Umgebung vermessen und den Erhaltungszustand der Überreste des Schiffsrumpfes im Vergleich zu den Dokumentationen aus dem Jahr 2008 analysiert.

Das archäologische Taucherteam hielt die Ausdehnung des Wracks und die Lage der Fundstücke fotografisch fest und verglich den Zustand der Überreste des Schiffes mit dem, was die Archäologen im Jahr 2008 vorgefunden und dokumentiert hatten. Fotos: Cabildo de Gran Canaria

Die geringe Tiefe und Entfernung zum Strand haben einen negativen Einfluss auf die Erhaltung des versunkenen Schiffes, das ständig verstärkter Erosion und der Plünderung durch Taucher ausgesetzt ist. Nach den bisherigen Ergebnissen geht das Archäologenteam davon aus, dass es sich um ein recht großes Schiff in Spantenbauweise handelt, welches wahrscheinlich Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut wurde. Die Bauart deutet darauf hin, dass es sich um ein englisches Schiff handeln könnte.

Es wurden große Mengen von Feuersteinen gefunden. Wie sich zeigte, dienten sie wohl als Ballast und nicht, wie nach den früheren Untersuchungen angenommen wurde, zum Zünden von Kanonen. Diese Steine gibt es in großen Vorkommen an den englischen und europäischen Küsten, wo in der damaligen Zeit auch ein Handel mit Schiffsballast aus diesem Material dokumentiert ist.

Die wenigen Keramikfragmente, die gefunden wurden, sind nach einem Verfahren hergestellt, das im 16. Jahrhundert zuerst im Rheinland angewendet wurde und später, im 17. und 18. Jahrhundert, auch in Devon in England übernommen wurde. Verschiedene Keramikpfeifen, wie sie damals von Seeleuten verwendet wurden, helfen ebenfalls bei der Datierung. Die gefundenen Stücke könnten im 17. und 18. Jahrhundert in England oder Holland hergestellt worden sein. Ein Schöpflöffel aus Bleizinn mit barocken Verzierungen war wohl Teil des Bestecks der Offiziere.

Es ist überliefert, dass im Jahr 1741 zwei englische Korsarenschiffe, aus Funchal auf Madeira kommend, in die Bucht von Gando eindrangen, um das spanische Schiff „El Canario“ zu kapern, das dort ankerte und Reparaturarbeiten durchführte. Nachdem der Angriff erfolgreich abgewehrt worden war, flohen die Korsaren Richtung Süden. Die Forscher haben die Hypothese aufgestellt, dass eine der Korvetten, schwer beschädigt und mit nur wenigen Überlebenden an Bord, manövrierunfähig wurde, auf einen küstennahen Felsen auflief und vor dem Strand El Burrero sank.

Nachdem die Forscher ihre Arbeit am Wrack abgeschlossen hatten, wurden die Überreste mit Steinen und Sand bedeckt, um sie vor schädlichen Einflüssen zu schützen.





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