Ultimatum für die Kioskbetreiber


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Die Stadt Santa Cruz droht den Kioskbetreibern in Las Teresitas mit Schließung

Teneriffa – Die Stadt Santa Cruz will die Kioske vom Teresitas-Strand verschwinden lassen und geht mit einer zweigleisigen Strategie gegen die Betreiber vor. Seit Anfang August müssen die neun Familienbetriebe erneut um ihre Zukunft fürchten. Die Stadt hält die Imbissbuden für illegal.

Einer der beliebten Strandimbisse am Teresitas-Strand. Foto: WB
Einer der beliebten Strandimbisse am Teresitas-Strand. Foto: WB

Sie gehören zum Strand dazu und sind stets gut besucht. Die Rede ist von den „Kioskos“ am Teresitas-Strand in Santa Cruz, an denen belegte Brötchen, Sandwiches, einfache vorgekochte Gerichte und natürlich Getränke und Eis verkauft werden. Seit Jahrzehnten gehören sie zum Strandbild wie die Sonne, das Meer und der Sand. Doch alle paar Jahre entflammt ein Streit mit der Stadtverwaltung um die Legalität der Lokale, die sich im Laufe der Jahre vom einfachen Imbiss zum Restaurant entwickelt haben. Einige davon, wie der Kiosko Sara, der sich auf seinem Schild längst „Restaurante“ nennt, waren schon da, bevor der künstliche Sandstrand in den 70er-Jahren angelegt wurde. Inhaber Antonio López berichtete einer lokalen Tageszeitung im Zuge der Debatte um die Legalität dieser Lokale, dass seine Mutter den Kiosko Sara schon zu Zeiten von Diktator Franco führte; damals natürlich als einfachen Holzverschlag, in dem sie gebratene Sardinen verkaufte. In dieser Zeit hätten sich mehrere Imbisse am Strand etabliert, die Genehmigung dafür seien damals ganz einfach wörtlich durch den Gouverneur erfolgt. Ab Mitte der 70er Jahre wurden von der Stadt Steuern eingenommen, es wurde Wasser- und Müllgebühr gezahlt. „Wenn wir illegal wären, hätten sie uns dann Wasserleitungen gelegt?“ fragt sich Antonio angesichts der im August erfolgten Aufforderung der Stadtverwaltung an die Kioske, ihre Gaststättenkonzessionen vorzulegen. Zehn Tage wurden den Betreibern eingeräumt, um die Unterlagen vorzulegen. „Wir haben die Unterlagen schon letztes Jahr vorgelegt. Es erscheint uns nicht logisch, dass sie uns jetzt erneut danach fragen. Wir glauben, dass eine böse Absicht dahintersteckt, denn im Ferienmonat August haben wir nicht einmal einen Anwalt greifbar. Außerdem, wie sollen wir in zehn Tagen ein Problem lösen, das seit 50 Jahren ungelöst ist?“ fragte sich Antonio López.

Besuch vom Gesundheitsamt

Während die Lizenzfrage im August ungeklärt blieb und das Damoklesschwert der Schließung weiter über den Kioskos hing, bekamen die Strandimbisse Besuch vom Gesundheitsamt. Inspektoren nahmen die Küchen unter die Lupe und stellten erwartungsgemäß zahlreiche Mängel fest. Damit wurde der Stadtverwaltung ein neuer Grund geliefert, den Betreibern mit Schließung zu drohen.

Prompt flatterte den Kiosken eine Benachrichtigung ins Haus, in der ihnen eine zehntägige Frist eingeräumt wurde, um die Mängel zu beseitigen. Zu den Auflagen, die künftig lückenlos zu erfüllen sind, zählt die Ausstattung der Tiefkühl- und Kühleinrichtungen mit einem Thermometer. Dies sei nötig, um zu gewährleisten, dass die Kühl- bzw. Tiefkühlkette nicht unterbrochen wird. Da die Kioske nicht an das Stromnetz angeschlossen sind, sei nicht feststellbar, ob die Stromaggregate zu bestimmten Uhrzeiten abgestellt werden und dadurch die Kühlkette unterbrochen wird, stellt die Stadt fest. Außerdem müssen alle Kioske in ihren Küchen Geschirrspüler einrichten und warmes Wasser garantieren. Ein weiterer Punkt in der Hygieneverordnung betrifft die Handwaschbecken, die eine hygienisch einwandfreie Wasserentnahme ermöglichen müssen (z.B. durch Annäherungsautomatik). Jeder Kiosk muss die korrekte Schmutzwasserentsorgung gewährleisten, wobei daran erinnert wird, dass das Schmutzwasser der Küchen nicht in die Regenwasser-Kanalisation geleitet werden darf.

Allen Bemühungen der Kioskbesitzer zum Trotz, die sich umgehend an die Erfüllung dieser Auflagen machten und in die Verbesserung ihrer Küchen investierten, erhielten sie nur wenige Tage später die nächste Benachrichtigung aus dem Rathaus. Darin hieß es, dass die umgehende Schließung ihrer Lokale angeordnet werde, weil sie nicht über die erforderliche Lizenz verfügten. Sollten sie die Anordnung missachten, würde die Polizei dafür sorgen, dass ihre Lokale geschlossen werden, stand in dem Schreiben.

Es fragt sich, ob die Stadt sich mit dieser einfachen Schließungsanordnung durchsetzen kann, denn der Verband der Kioskbesitzer hat die Angelegenheit seinem Anwalt übergeben und setzt sich mit allen Mitteln zur Wehr.

Vorerst sieht das Panorama in Las Teresitas unverändert aus: Die Kioske haben zur Freude der Strandbesucher weiter geöffnet.

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