Tragödie auf See

Ein Sanitäter bringt, in eine Decke gewickelt, eines der Kinder an Land. Foto EFE

Während der Überfahrt einer Patera wurde ein Kind geboren, das die Strapazen nicht überlebte, ein weiteres starb später im Krankenhaus durch eine Fehlgeburt

Kanarische Inseln –Die verstärkte Migrationsbewegung über den Atlantik hat in diesem noch jungen Jahr schon das zweite Menschenleben gefordert. In einem Boot, das vermutlich am 5. Januar von der Küste Marokkos nahe Tan-Tan mit zwei Schwangeren an Bord in See gestochen war, setzten bei einer der beiden die Wehen ein. Das Kind kam lebend zur Welt, die Mutter wurde durch Blutverlust sehr geschwächt. Als die Patera am 8. Januar Lanzarote erreichte, war es für das Neugeborene schon zu spät. Die Mutter musste notfallmäßig in das Krankenhaus José Molina Orosa gebracht werden. Noch im Hafen Naos in Arrecife bemühten sich ein Notarzt und die Sanitäter in einem Krankenwagen eine Stunde lang erfolglos darum, ihr Baby wiederzubeleben.
Der Patera mit insgesamt 42 Personen an Bord war unterwegs der Treibstoff ausgegangen. Insassen des Bootes gelang es, die Organisation „Caminando Fronteras“ anzurufen und um Hilfe zu bitten. So konnten sie, 27 Kilometer vor Lanzarote treibend, von einem Flugzeug der Spanischen Seerettung gefunden und durch einen Rettungskreuzer geborgen werden. Außer der Schwangeren und der Frau, die unterwegs entbunden hatte, befanden sich neun weitere Frauen sowie sechs Kinder und 26 Männer in dem Boot. Als Herkunftsländer werden Mauretanien und Gambia vermutet.

Eine zweite Schwangere, die ebenfalls auf dem Unglücksboot mitfuhr, wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Fotos: EFE
Eine zweite Schwangere, die ebenfalls auf dem Unglücksboot mitfuhr, wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Fotos: EFE

Fehlgeburt im Hospital

Zwei der Kinder und drei Frauen, darunter die zweite werdende Mutter, wurden ebenfalls in ein Hospital gebracht. Doch die Tragödie war an diesem Punkt noch nicht beendet, denn auch diese junge Frau, deren Schwangerschaft schon sehr weit fortgeschritten war, verlor im Krankenhaus ihr Kind durch eine Fehlgeburt. Beide Mütter überlebten.
Gegen den Bootsführer und die Besatzung der Patera wurde durch ein Gericht in Arrecife ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Die Aufgabe der Polizei, diese zu identifizieren, gestaltet sich jedoch schwierig, weil die Insassen des Bootes die Aussage verweigern. Man vermutet, dass sie durch Drohungen und Voodoo-Rituale eingeschüchtert wurden.

Zehn Boote in zwei Wochen

Der Trend zur verstärkten Nutzung der Kanaren-Route durch irreguläre Einwanderer aus Marokko und den Staaten südlich der Sahara setzt sich auch im neuen Jahr 2020 fort. In den ersten zwei Wochen sind bereits über 300 Migranten in zehn Booten angekommen. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es nur vierzig.
Unter den Booten, die bisher im Januar gezählt wurden, befindet sich auch ein Schlauchboot mit Außenbordmotor von nur fünf Metern Länge und zwei Metern Breite, in welchem sich sage und schreibe 56 Personen drängten, 41 Männer, neun Frauen und sechs Kinder zwischen einem und zehn Jahren. Es erreichte, obwohl hoffnungslos überladen, am 9. Januar aus eigener Kraft die Küste Fuerteventuras bei Las Playitas. Allen Insassen ging es den Umständen entsprechend gut.
Am 15. Januar wurden nach fünf Tagen ohne Neuankömmlinge 25 Kilometer südlich von Gran Canaria 33 Migranten aus Seenot gerettet. Es handelt sich um 16 Männer, 17 Frauen, darunter drei Schwangere, und fünf Kinder, eines davon ist ein nur wenige Monate altes Baby.

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