Tragischer Tod in Puerto de la Cruz


Ein 23-jähriger Mann stürzte an der Küste ins Meer. Nach tagelanger Suche konnte seine Leiche geborgen werden. Foto: moisés pérez

Das Unglück wirft Fragen über Mittel und Effektivität des Rettungsdienstes auf

Teneriffa – Anfang Oktober wurde an der Küste von Puerto de la Cruz drei Tage lang nach einem jungen Mann gesucht, der am Vormittag des 5. Oktober ins Meer gestürzt war und seither vermisst wurde. Die kanarische Seenotrettung suchte mit Schiffen und Hubschraubern fast ohne Pause das Küstengebiet von Martiánez ab. Am 8. Oktober fanden schließlich Taucher einer Spezialeinheit der Guardia Civil die Leiche des 23-jährigen Alejandro Torres González in einer Höhle unter der Wasseroberfläche.
Nun wirft der tragische Unfall Fragen über die Effektivität und Handlungsfähigkeit der Rettungseinheit „Grupo de Emergencias y Salvamento“, kurz GES, der kanarischen Sicherheitsbehörde auf.
Die Mutter des tödlich verunglückten jungen Soldaten aus Santa Úrsula, der bei der Infanterie in Las Palmas stationiert war, veröffentlichte eine Woche nach dem Unfall ein Video auf Insta­gram, in dem sie Klarheit über die Umstände des Unfalls schafft und sich fragt, welche technischen Mittel und Möglichkeiten den Rettungskräften in einem solchen Notfall zur Verfügung stehen und tatsächlich zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, ein Menschenleben zu retten.
Natalia González gibt in dem Video mit fester Stimme die Schilderung der Freundin ihres Sohnes wieder, die Zeugin des Unfalls und des Rettungseinsatzes war. Die junge Frau berichtete, wie sie ihr Freund am 5. Oktober gegen 11.00 Uhr an der Küste von Martiánez zu einem Ort führte, den er wohl häufig mit Freunden besuchte, den sie aber nicht kannte. Obwohl der Weg immer gefährlicher wurde, hätten sie ihn fortgesetzt, räumte sie ein. Plötzlich sei Alejandro, der kein festes Schuhwerk und nur Badeschlappen trug, ausgerutscht, mehrmals auf die Felsen aufgeprallt und ohnmächtig ins Meer gestürzt. Seine Freundin sprang ins Wasser und schwamm zu ihm, und er kam wieder zu Bewusstsein, schaffte es aber nicht aus eigener Kraft, auf die Felsen zu klettern. Die junge Frau schaffte es aber aus dem Wasser und wählte den Notruf. Währenddessen hatte Alejandro den Kampf gegen die Brandung aufgegeben und ließ sich auf dem Meer treiben, während ihm seine Freundin zurief, dass Hilfe unterwegs sei. Wie lange es dauerte, bis der Rettungshubschrauber am Unglücksort eintraf, ist nicht bekannt. Die Freundin des Verunglückten berichtete jedoch, dass der Hubschrauber zunächst zweimal an ihr vorbeiflog ohne sie zu sehen, und als er endlich näher kam und sie auf die Stelle deutete, wo ihr Freund im Wasser trieb, dieser plötzlich Blut spuckte und im Meer versank. Obwohl sie auf die Stelle zeigte, wo er gerade im Meer verschwunden war, hätten die Rettungskräfte an Bord nichts unternommen. Einer von ihnen sei bis auf zehn Meter an sie herangekommen und habe sie aufgefordert, näher zu kommen, damit sie an Bord genommen und an einen sicheren Ort gebracht werden könne. Als sie ihn anflehte, ihren Freund zu retten, habe er mehrfach geantwortet, dazu sei keine Zeit, und die Weste, die er trage, erlaube ihm nicht, unterzutauchen. Dann sei sie an Bord des Hubschraubers geholt und von der Unglücksstelle weggeflogen worden.
Alejandros Mutter fragt sich, warum die Rettungskräfte nichts unternahmen, um ihren Sohn zu retten. Sie hat Anzeige erstattet und möchte eine Antwort darauf, warum die Rettungskräfte nicht unter Wasser nach ihrem Sohn suchten. Sie fordert außerdem eine Antwort auf die Frage, wie lange es gedauert hat, bis die Rettungseinheit am Unglücksort eintraf.
Die kanarische Regierung hat mitgeteilt, dass nach dem Unfall eine Untersuchung des Vorgehens der Rettungskräfte angeordnet worden ist, die Klarheit schaffen soll.

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