Torres zu Krisenmanagement: „Die Kanaren sind auf einem guten Weg“

Kanarenpräsident Ángel Víctor Torres bei der Pressekonferenz am 5. April: „Wenn man die Kurzarbeit (ERTE) in Entlassungen ausdrückt, würden wir von 150.000 Jobs sprechen.“

Kanarenpräsident Ángel Víctor Torres bei der Pressekonferenz am 5. April: „Wenn man die Kurzarbeit (ERTE) in Entlassungen ausdrückt, würden wir von 150.000 Jobs sprechen.“

Der kanarische Präsident fordert außerordentliche Maßnahmen für die Kanarischen Inseln, die durch den Lockdown im Tourismus am schlimmsten von der Krise betroffen sind

Kanarische Inseln – Der kanarische Regierungschef Ángel Víctor Torres hat sich am 5. April in einer Pressekonferenz zuversichtlich geäußert. „Die Kanaren sind auf einem guten Weg, aber wir müssen wachsam bleiben“, erklärte er, am Vormittag nach der Teilnahme an der Videokonferenz mit den Präsidenten der autonomen Regionen, zu der Ministerpräsident Sánchez gebeten hatte.

Im Rahmen der Onlinebesprechung forderte Torres für die Kanarischen Inseln gesonderte Maßnahmen, um der Krise zu begegnen. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdown auf den Inseln abzufedern sei ein „Schock-Plan“ mit außerordentlichen Maßnahmen notwendig, um den Tourismus wieder aufzubauen. Der kanarische Präsident erklärte weiter, dass er damit rechne, dass das Jahresergebnis im Tourismus im Jahr 2020 weit hinter dem anderer Jahre zurückbleiben werde. Während im Jahr 2019 noch 15 Millionen Urlauber aus dem In- und Ausland die Inseln besuchten, werden es seiner Prognose zufolge 2020 wohl nur rund fünf Millionen sein. Wenn der Alarmzustand beendet sei, müssten die Kanaren die Solidarität des Landes spüren, da sie die wirtschaftlich wie sozial am schlimmsten betroffene Region seien, so Torres.

Zu der von der Regierung angestrebten Verlängerung des Alarmzustands bis zum 25. April um 24.00 Uhr erklärte Torres: „Wenn weitere Tage nötig sind, um diese Pandemie zu überstehen, unterstützen wir das, auch wenn unsere Lage heute besser ist als noch vor sieben Tagen.“

Torres berichtet weiter, dass Ministerpräsident Sánchez alle autonomen Regionen aufgefordert habe, eine Aufstellung privater und öffentlicher Einrichtungen anzufertigen, in denen positiv getestete und asymptomatische Personen untergebracht werden können, damit die Ausgangssperre für die übrige Bevölkerung langsam aufgelöst werden kann. „So könnten wir langsam aber sicher zu der ersehnten Normalität zurückkehren“, hofft auch Torres.

Präsident rechnet mit nur 5 Millionen Urlaubern in diesem Jahr

Bezüglich der wirtschaftlichen und sozialen Folgen wies Torres mit Nachdruck auf die spezielle Situation der Kanarischen Inseln hin. „Am 14. März wurde die wirtschaftliche Aktivität gestoppt und hier haben wir den Effekt sofort zu spüren bekommen“. Die Krise treffe die Kanaren mitten in der Hochsaison, wenn die meisten Einnahmen stattfinden sollten, „die uns jetzt fehlen werden“. 40% der Einnahmen auf den Inseln stammen aus dem Tourismus. In März, nach nur 15 Tagen der Schließung von Hotels und Gastronomiebetrieben habe die Sozialversicherung 50.000 Mitglieder verloren. „Wenn man die Kurzarbeit (ERTE) in Entlassungen ausdrückt, würden wir von 150.000 Jobs sprechen“, erklärte Torres und fügte hinzu, dass dieses Jahr zwischen 9 und 10 Milliarden Euro verloren gehen könnten. „Dieses Jahr werden wir vermutlich nicht mehr als fünf Millionen Touristen empfangen, während es sonst zwischen 15 und 16 Millionen waren. Dieser Einbruch bedeutet den absoluten wirtschaftlichen Bankrott. Deshalb brauchen wir Entscheidungen und den Rückhalt Spaniens und der EU“, mahnte Torres. Eine besondere Unterstützung für die Inseln sei durch die Abgelegenheit des Archipels, die Eigenschaft als „Gebiet in äußerster Randlage“ (GÄR) der EU, was an sich schon einen ökonomischen Nachteil darstelle, gerechtfertigt, meint er. „Wir sind kein Steuerparadies; wir stehen an der Spitze der Arbeitslosigkeit, an der Spitze der Armut… Schon deshalb haben wir das REF [Wirtschafts- und Steuersystem der Inseln], weil wir es brauchen. Das REF erinnert uns daran, dass wir hier mehr als 2.000 Kilometer vom Kontinent entfernt sind und die Dinge hier teuerer sind“, unterstrich der kanarische Präsident.

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