Tod einer 101-jährigen Deutschen entlarvt Betrüger


Von außen sieht man der „Villa Germania“ nicht an, dass hinter den Mauern Misshandlung, Ausbeutung und vielleicht sogar Mord stattfand. Foto: EFE

Die Frau aus La Orotava wurde nach Cádiz gelockt und ihres Vermögens beraubt. Die Polizei befreite mehrere weitere Senioren

Teneriffa – Der Tod einer deutschen Seniorin von 101 Jahren hat dazu geführt, dass ein deutsch-kubanisches Betrügerpaar überführt und mehrere weitere Opfer identifiziert werden konnten, die unter menschenunwürdigen Bedingungen in der „Villa Germania“ ausgebeutet wurden. Die älteren Herrschaften wurden dort vernachlässigt, unter Drogen gesetzt, der Einfachheit halber mittels Sonden ernährt, gefesselt, eingesperrt und um ihr Vermögen gebracht. Einige verstarben, kurz nachdem sie um ihr Hab und Gut erleichtert worden waren, plötzlich und unter verdächtigen Umständen.

Die 101-jährige Maria Babes verbrachte ihren Lebensabend in La Orotava auf Teneriffa, wo sie ein eigenes Haus besaß. Ein deutsch-kubanisches Ehepaar, das sich als Altenpfleger ausgab, erschlich sich ihr Vertrauen und überredete sie, in die „Villa Germania“ nach Chiclana de la Frontera bei Cádiz in Südspanien umzuziehen, um sich dort von ihnen betreuen zu lassen. So gelangte sie in das „Horrorhaus“, wie es von der Polizei später im Zuge der Ermittlungen getauft wurde. Nach einiger Zeit entkam sie ihren zwielichtigen Betreuern, weil eine schwere Erkrankung den Aufenthalt in mehreren Krankenhäusern notwendig machte. Das Krankenhauspersonal vermutete Pflegefehler und sorgte dafür, dass sie in einer anderen Seniorenresidenz untergebracht wurde. Dort spürte sie die Guardia Civil auf, die im Zuge eines Amtshilfeersuchens aus Frankfurt nach ihr suchte. Frühere Nachbarn aus Deutschland hatten sie als vermisst gemeldet, nachdem der Kontakt zu ihr abgebrochen war.

Maria Babes berichtete der Polizei von den Zuständen in der „Villa Germania“. Die Beamten nahmen Ermittlungen auf und rieten der Dame, in dem neuen Altenheim zu bleiben. Doch das Betrügerpaar besuchte sie und überredete sie, mit ihm zu kommen. Fünf Stunden später starb Maria Babes in dessen Auto – ohne Zeugen –, angeblich eines natürlichen Todes. Das vermeintliche Altenpflegerpaar machte großen Druck, damit die Einäscherung noch am selben Tag durchgeführt wurde. Ein höchst verdächtiger Todesfall, dessen Ursache nun nicht mehr durch eine Autopsie aufgeklärt werden kann. Fest steht jedoch, laut den Ermittlungen der Polizei, dass Maria Babes noch am Morgen ihres Todestages in dem Altenheim aktiv und fröhlich das Tamburin schlagend an einem „Weihnachtsfrühstück“ teilgenommen hatte. Die Polizei schließt ein Tötungsdelikt nicht aus.

Im Verlauf der Ermittlungen der Operación Teydea (Teideoperation) stellte sich heraus, dass die Betrüger mittels einer Generalvollmacht das Haus ihres Opfers in La Orotava verkauft, sich das Geld angeeignet und auch das Konto der alten Dame mit über 162.000 Euro Guthaben leer geräumt hatten. Die notarielle Vollmacht und ein Testament, das die Betrüger zu den Erben von Maria Babes erklärte, wurden vor einem Notar unterzeichnet, als die angebliche Unterzeichnerin nachweislich schwer erkrankt im Hospital lag. Eine andere ältere Dame, die ebenfalls von den beiden festgehalten wurde, war als Frau Babes ausgegeben worden.

Insgesamt stahlen die Betrüger unter Mithilfe verschiedener Komplizen in kurzer Zeit von fünf ihrer Opfer insgesamt 1,8 Millionen Euro. Vier weitere Personen wurden in diesem Zusammenhang verhaftet und gegen neun andere laufen Ermittlungen. Für die 101-jährige Maria Babes kam die Hilfe nicht mehr rechtzeitig, doch die Suche nach ihr ermöglichte es, die kriminellen Aktivitäten aufzudecken und eine holländische Seniorin und einen Deutschen lebend aus einem weiteren „Horrorhaus“ zu befreien. Die Polizei hatte die Hinweise auf ein weiteres angemietetes Haus bei der Durchsuchung der „Villa Germania“ entdeckt. Die Guardia Civil stellte auch fest, dass vier andere Opfer des Paares überraschend verstorben waren, nachdem man ihnen ihr gesamtes Vermögen abgenommen hatte.

Das erbeutete Geld „wuschen“ die Betrüger über verschiedene Projekte, unter anderem durch den Bau einer Ferienanlage am Strand El Palmar. Auch hier wurde mit gefälschten Papieren gearbeitet, denn der Bauplatz ist nicht als Baugrund ausgewiesen.




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