Tiefgekühltes Mordopfer im Nachlass


Nach dem Infarkttod eines deutschen Residenten fand dessen Lebensgefährte eine Leiche in der Abstellkammer

Gran Canaria – Einen Monat nach dem Tod des 48-jährigen Deutschen Marc Kaufmann fand dessen Lebensgefährte in einer verschlossenen Kühltruhe des Verstorbenen im Abstellraum des gemeinsamen Hauses in Playa del Inglés die tiefgefrorene Leiche eines Mannes.

Marc Kaufmann war eine schillernde Figur. Bevor er sich auf Gran Canaria niederließ, war er in Mallorca auffällig geworden, weil er, ohne Arzt zu sein, Rezepte ausgestellt hatte und die Identität eines Arztes angenommen hatte. 2012 wurde er deswegen auf der Baleareninsel verhaftet.

Danach ging er nach Gran Canaria. Auch dort wurde er einmal aufgrund eines europäischen Haftbefehls wegen Betruges festgenommen.

In Playa del Inglés lebte er mit einem Mann namens Mike zusammen, der vor gut zwei Jahren plötzlich verschwand. Nach Aussagen, die Kaufmann seinen Bekannten gegenüber machte, sollte er die Insel für immer verlassen haben. Die Polizei geht dagegen davon aus, dass es sich bei der Leiche in der Kühltruhe um eben diesen Mann handelt.

Zusammen mit seinem neuen Lebensgefährten Vincent führte Marc Kaufmann eine Bar im benachbarten Einkaufszentrum Yumbo. Nach dem natürlichen Tod Kaufmanns durch Herzinfarkt entschloss sich Vincent, aus dem bis dato gemeinsamen Haus auszuziehen. Deshalb packte er mit einem Helfer den Hausrat zusammen und sichtete im Verlauf des Umzugs auch den Nachlass von Marc Kaufmann.

Dazu gehörte eine Kühltruhe in einer Abstellkammer. Diese sollte an Nachbarn weitergegeben werden. Sie war immer verschlossen gewesen und daran ein Zettel angebracht, sie enthalte Algenkulturen, beim Öffnen bestehe die Gefahr, dass gefährliche Bakterien austreten. Als der Hinterbliebene die Truhe dennoch öffnete, fand er stattdessen die in Embryonalhaltung zusammengekrümmte Leiche eines Mannes vor, halb verdeckt von Müllbeuteln und in einen Eisblock eingefroren.

Die Polizei wurde verständigt und der Tote in die Gerichtsmedizin gebracht. Die Autopsie verzögerte sich um mehrere Tage, die das Auftauen in Anspruch nahm. Die Polizeibeamten konnten jedoch auch so erkennen, dass der Mann eines gewaltsamen Todes gestorben war. Schwere Verletzungen am Kopf waren erkennbar. Außerdem war das Opfer an Händen und Füßen mit Isolierband gefesselt.

Die Ermittler gehen davon aus, das Marc Kaufmann der Täter ist, da er seinen Freunden gegenüber das Verschwinden seines Gefährten verschleiert hat. Die Identität des Toten soll nun anhand von DNA-Untersuchungen eindeutig festgestellt werden. Bisher ist noch unklar, ob es weitere Tatbeteiligte gibt.

Marc Kaufmann hatte per handschriftlicher Verfügung genau festgelegt, was im Falle einer Verhaftung oder seines unerwarteten Ablebens mit seinen Habseligkeiten zu geschehen hat. Sie scheint vor allem darauf abzuzielen, dafür zu sorgen, dass die Gefriertruhe, falls er unerwartet ins Gefängnis müsste, möglichst lange nicht bewegt oder gar geöffnet wird. Das Schriftstück bezieht sich außerdem auf seine beiden Hunde, für die er verfügte, sie sollten niemals getrennt werden.

Der Facebook-Auftritt Kaufmanns zeigt ein lebenslustiges Paar mit einem großen Freundeskreis. Drei Monate vor seinem plötzlichen Tod gibt es einen Eintrag, in dem er davon berichtet, dass er mit Lungenversagen in die Notaufnahme eingeliefert werden musste. Er habe eine Überweisung in eine Spezialklinik jedoch abgelehnt und wolle sich zu Hause pflegen lassen.

Man könnte sich fragen, ob nicht auch die Sorge vor Entdeckung der Leiche dazu beigetragen hat, sich nicht nicht einweisen zu lassen. So könnte die mutmaßliche Mordtat mit zu seinem vorzeitigen Ableben durch Infarkt beigetragen haben.




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