Stricken für syrische Asylbewerber


Gemeinsam stricken für heimatvertriebene Syrer in Griechenland. Foto: EFE

Bürger handarbeiten gemeinsam, um Flüchtlinge in Griechenland mit warmen Mützen zu versorgen

Teneriffa – Es ist gleichzeitig eine praktische und eine liebevolle zwischenmenschliche Geste: Eine Nachbarschaftsinitiative in Santa Cruz strickt warme Schals, Mützen und Handschuhe, damit die syrischen Flüchtlinge in den europäischen Auffanglagern bei den winterlichen Temperaturen weniger frieren müssen. Silvia

Barrera, die Präsidentin der Nachbarschaftsvereinigung Perenquén hat in den Sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, Wolle zu spenden und mitzustricken. „Damit kann man zwar die Welt nicht retten,“ räumt Barrera in einem Interview mit der Nachrichtenagentur EFE ein, „aber doch einem Kind eine Ohrenentzündung ersparen.“

Die Idee kam ihr durch die Initiative eines Kurierdienstes, der vor Kurzem dazu aufrief, warme Kleidung zu sammeln, um sie in die Flüchtlingscamps in Griechenland zu schicken, und diese Sendung auch schon realisiert hat. In dem Gedanken, dass die Asylsuchenden ja auch weiterhin warme Kleidung benötigen, begann sie, Mützen zu stricken – fünfzehn sind es mittlerweile -, und schließlich startete sie ihren Aufruf. Wenn viele mitmachen, so die Idee, dann kommen schnell viele Sachen zusammen, und man könnte beginnen, Pakete zu verschicken. Die Stricksachen will man den Flüchtlingen gern direkt zukommen lassen und ist noch auf der Suche nach Möglichkeiten für den Transport.

Silvia Barrera hat vor drei Jahren schon einmal eine Initiative begründet, die nicht der humanitären Hilfe diente, sondern eher als Kunstprojekt die Stadt verschönerte. Damals ging es darum, Bäume mit Häkelarbeiten zu dekorieren. Zu dieser Zeit konnte man in Santa Cruz viele kunstvoll umhäkelte Baumstämme bewundern.

Außerdem hat sie noch ein neues Projekt in Arbeit, sie will „Traperas“ machen, typisch kanarische Decken aus Flicken, und dafür alte saubere Hemden sammeln, um sie dann zu zerschneiden und neu zusammenzunähen. Auch damit könnten sich die teilweise in Zelten lebenden Flüchtlinge warmhalten oder sie „sogar als Läufer auf den Boden legen“. Gleichzeitig würde so die Tradition und die Kenntnis der Herstellung der Traperas gepflegt.

Doch auch die Hilfsbedürftigen in Santa Cruz sollen nicht vergessen werden. Zwanzig Menschen ohne festen Wohnsitz würden mitten in der Stadt im Barranco de Santos leben und ebenfalls warme Kleidung brauchen. Deshalb gab es auch schon einmal eine Initiative, „Solidarische Kleiderbügel“ an bestimmten Stellen in der Stadt aufzuhängen.

Dort konnte man Mäntel und Jacken, die man spenden wollte, aufhängen, und wer sie benötigte, konnte sie sich in der Nacht holen. Doch diese Art der Hilfe wurde untersagt, und so mussten die Bügel wieder aus dem Stadtbild verschwinden. Barrera überlegt schon, ob sie diese Idee nicht an den Zäunen des verfallenden Freimaurertempels wiederaufleben lassen könnte …




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