Strategie gegen Plastik


Mikroplastik entsteht unter anderem durch den Zerfall größerer Plastikteile. Foto: pixabay

Ein Gesetz zur Reduzierung des Plastikkonsums ist in Vorbereitung

Kanarische Inseln – Die Kanarenregierung arbeitet an einem Plan zur Reduzierung des Plastikkonsums, der unter anderem vorsieht, Unternehmen, welche ihre Plastikprodukte durch solche ersetzen, die wiederverwendbar oder kompostierbar sind, durch wirtschaftliche und steuerliche Vorteile zu belohnen.

Wie die Regionalministerin für Territorialpolitik, Nachhaltigkeit und Sicherheit, Nieves Lady Barreto, erläuterte, wird mit dieser Initiative eine intelligente, nachhaltige und innovative Industrie gefördert und eine „transversale“ Zusammenarbeit von Gesellschaft, Unternehmen und Behörden erreicht werden. Das Ziel ist es, Plastikverpackungen und andere Einwegprodukte aus Kunststoff mittels einer gesetzlichen Regelung, die 2021 in Kraft treten soll, einzudämmen.

Diesen zeitlichen Rahmen hat die EU gesetzt, um Plastikprodukte, die nur zur einmaligen Nutzung bestimmt sind, aus dem Alltagsleben zu verbannen. Barreto führte weiter aus, dass die Hälfte allen Plastiks, das im Müll landet, aus Einwegprodukten bestehe, die im Durchschnitt nur 12 Minuten lang genutzt würden, um danach die Abfalldeponien zu füllen. Das neue Gesetz soll auch Kontrollmechanismen und gegebenenfalls Sanktionen etablieren, die der „Strategie gegen Plastik“ Nachdruck verleihen.

Bis zu 81 Schadstoffe

Jedes Jahr gelangen schätzungsweise 12,7 Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Dort werden sie nicht abgebaut, sondern zerfallen in immer kleinere Partikel. Als nur noch millimetergroße Fragmente werden sie auch an kanarischen Stränden angeschwemmt. Diese können bis zu 81 verschiedene Schadstoffe enthalten, die sie zum Teil aus dem Meerwasser aufgenommen haben und in tausendfach höherer Konzentration vorliegen können als in der Umgebung. Nicht nur die Stoffe, aus denen die Plastikteilchen bestehen, verschmutzen so die Umwelt, son

dern auch Stoffe, von Treibstoffen bis hin zu Pestiziden, die sie aus dem Wasser absorbieren und die auch in die Nahrungskette übergehen können. Wissenschaftler der Universität von Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) haben vier kanarische Strände untersucht: Famara (Lanzarote), Las Canteras (Gran Canaria), Lambra (La Graciosa) und Los Cuervitos (Gran Canaria). Unter den Schadstoffen, welche die Plastikfragmente in sich tragen, fanden sie unter anderem Chlorpyrifos, ein Insektizid, dessen Verbot alle großen Umweltorganisationen fordern, oder das seit 1972 verbotene DDT.

16 Millionen Plastikartikel pro Jahr

Der Plastikflut ist nicht zuletzt deshalb so schwer Herr zu werden, weil der Kunststoff in praktisch allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Anwendung findet.

Ein wenig beachteter Verbraucher von Einweginstrumenten und Ver­packungen sind die Krankenhäuser, die schon aus Gründern der Sterilität große Mengen an Plastik verbrauchen. Alle kanarischen Krankenhäuser zusammengenommen werfen jährlich 16 Millionen Plastikartikel weg. Das meiste davon landet zudem noch immer im Restmüll.




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