Sonneninseln trotzen dem Winter


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Deutsche Medien übertreiben „Kälteeinbruch“ auf dem Archipel

Während in Spanien klirrende Kälte herrschte, auf Madrids Flughafen wegen eines Schneechaos stundenlang der Betrieb stillstand, und in Deutschland immer neue Minusrekorde bei den Temperaturen verzeichnet wurden, rösteten sich Sonnenhungrige an den kanarischen Stränden.

Obwohl das Thermometer auch auf den Inseln fiel, waren die sonnigen Ecken des Archipels mit frühlingshaften Temperaturen von 22 Grad Celsius und sogar mehr gesegnet. Das Foto oben nahm EFE-Fotograf Giorgio Felice Rapetti am 10. Januar am Strand von Maspalomas im Süden Gran Canarias auf.

Am selben Tag meldete das Hamburger Abendblatt in seiner Online-Ausgabe: „Kälterekord auf den Kanaren“, und weiter: „Sogar auf den Kanarischen Inseln hat es geschneit. Auf den Bergen der Ferieninseln, wo es auch im Winter normalerweise um die 20 Grad warm ist, wurden Minusgrade gemessen.“ Da ist der Redaktion wohl entgangen, dass in Höhenlagen von über 2.000 m jeden Winter auf den Inseln Minusgrade herrschen. Und auch Schnee gibt es auf dem Teide auf Teneriffa und dem Roque de los Muchachos auf La Palma eigentlich jedes Jahr. Wahr ist, was Meteorologen auf den Kanarischen Inseln auch bestätigten: dieser Winter ist auf den Inseln ungewöhnlich frostig.

Ähnliche Nachrichten über einen „Winteralarm auf den Kanaren“ (Spiegel Online) und den „kältesten Winter seit 35 Jahren“ (Welt Online) dürften das kanarische Tourismusamt kaum erfreuen, denn sie können auf potentielle Urlauber abschreckend wirken. Doch wer sich auf den Inseln auskennt weiß, dass nächtliche Tiefstwerte um 10 Grad längst nicht bedeuten müssen, dass man tagsüber nicht wieder an den Strand gehen und sich, wenn die Sonne scheint, über angenehme 20 Grad und mehr freuen kann.

Das fünfte Tief dieses Winters brach am 15. Januar mit Regenschauern, Schnee und Eis in den Bergen und vor allem heftigem Wind von bis zu 85 Stundenkilometern über die Inseln herein. Besonders betroffen waren die östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura. Obwohl das Wetteramt Alarmbereitschaft ausgerufen hatte, hielt sich das angekündigte „Unwetter“ in Grenzen und sorgte abgesehen von den örtlich starken Schauern für ein sehenswertes Schauspiel an der Küste, wo die Brandung besonderst stark war. Auf Teneriffa musste das Cabildo zeitweise die Zufahrten zum Teide-Nationalpark wegen Eisglätte sperren, und auch auf dem Roque de Los Muchachos auf La Palma war die Landschaft weiß.

Das kälteste Jahr seit 1973?

Die Zeitung Canarias7 schrieb am 9. Januar ebenfalls über den vermeintlichen Kälterekord auf den Kanaren. „Das kälteste Jahr seit 1973“ verkündete der Artikel, was jedoch wieder einmal eine journalistische Übertreibung scheint. Dass während der letzten Wochen das Quecksilber auf den Urlaubsinseln gefallen ist, bestätigte der Leiter der Klima-Abteilung des staatlichen Meteorologieamtes auf den Kanaren, Ricardo Sanz. Er berichtete, dass am 30. November in den mittleren Höhenlagen des Archipels ein Tiefstwert von 7,3 Grad gemessen wurde. Die Canarias7 zitierte: „Der elfte Monat 2008 war recht kalt und regenreich. Wir müssten 35 Jahre zurückdrehen um eine noch kältere Zeit zu finden“. Dass aber aus dem kühlen November gleich ein „kältestes Jahr seit 1973“ wird, ist wohl doch der Interpretation und Gestaltungsfreiheit des Autors zu verdanken.

Zum Vergleich: Im Februar 2005 berichtete das Wochenblatt über den angeblich „Kältesten Winter seit 40 Jahren“ und stützte sich dabei auf die Nachrichten des Wetteramtes. Damals wurden in Santa Cruz de Tenerife Tiefstwerte von knappen 12 Grad gemessen, in Los Rodeos nur 8 Grad.

Das Meteorologische Institut sprach damals von einem der kältesten Januare der letzten vierzig Jahre.




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