Sonnenfinsternis in Sibirien


© CajaCanarias

Ruta de las Estrellas – 16 kanarische Schüler gingen auf einzigartige Abenteuerreise

Bereits zum fünften Mal in Folge durften auch in diesem Jahr wieder sechzehn kanarische Schüler zu einer Reise antreten, die sie so schnell nicht vergessen dürften. Seit 2004 fördert die gemeinnützige Einrichtung für Soziales und Kulturelles der kanarischen Sparkasse CajaCanarias alljährlich den sogenannten „Ruta de las Estrellas“-Wettbewerb, an dem sich Schüler aller Inseln des Archipels beteiligen dürfen.

Nowosibirsk – Die Gewinner erhalten die Gelegenheit, im Rahmen der wissenschaftlichen Expeditionen „Shelios“ Abenteuerreisen an die entlegendsten Orte der Welt zu unternehmen. Höhepunkt der Reise ist dabei immer die Beobachtung eines Himmelphänomens wie einer Mond- oder Sonnenfinsternis. Von daher rührt auch der Name „Ruta de las Estrellas“, was übersetzt in etwa „Bahn der Sterne“ bedeutet.

In diesem Jahr führte die Reise die Gewinner nach Sibirien, wo sie am 1. August die zweite totale Sonnenfinsternis beobachten durften, die sich in diesem Jahrhundert ereignete. Doch bis zu dem Tag stand den 16 Schülern und Schülerinnen noch einiges Abenteuerliches bevor. Den Beginn machte ein mehrtägiger Einführungskurs in die Geheimnisse der Astronomie in der Sternwarte in Las Cañadas del Teide auf Teneriffa.

Am 27. Juli begann die eigentliche Reise mit dem Flug nach Moskau, von wo aus es fast umgehend mit der legendären Transibirischen Eisenbahn weiterging bis nach Nowosibirsk. Drei Tage dauerte die 3.300 km Fahrt der 40 Mann umfassenden kanarischen Reisegruppe, die sich den Dritte-Klasse-Waggon mit zahlreichen russischen Mitfahrern teilte. Bei der Ankunft in der nur 118 Jahre alten, aber bereits 1,5 Millionen Einwohner umfassenden Stadt Nowosibirsk, wies das Thermometer überraschende 28° Celsius auf, kanarische Temperaturen im tiefsten Sibirien. Genau ein Tag verblieb der Reisegruppe, um die Stadt am gewaltigen Strom des Ob zu besichtigen. Vor allem aber mussten alle Vorbereitungen getroffen werden, um die Beobachtung der bevorstehenden Sonnenfinsternis möglich zu machen.

Ausgestattet mit besonderen Schutzbrillen wartete die Gruppe am 1. August an einer im Vorfeld ausgesuchten Stelle am Ob auf das bevorstehende Ereignis. Als sich der Mond vor die Sonne schob, verschwand innerhalb von einer Sekunde das Sonnenlicht und tauchte die Umgebung in violett anmutende Dunkelheit. Die Schüler selbst beschrieben das Phänomen später als ein „Loch, das plötzlich am Himmel auftrat“. Man habe sich gefühlt, als werde man vom All aus beobachtet, heißt es in der Website, auf der die Expedition Tag für Tag beschrieben wird (www.expedicionesweb.com). Es folgten Jubelschreie, Lachen, Tränen, Umarmungen. Nach 2 Minuten und 18 Sekunden war alles vorbei. Dank der zahlreichen technischen Mittel der mitgereisten Wissenschaftler erreichte der bildliche Beweis dieses Erlebnisses nicht nur „fast“ in Realzeit all diejenigen, die sich per Internet dazugeschaltet hatten, sondern nun auch – wenn auch in abgeschwächter Form – die Leser des Wochenblatts.

Die übrigen Tage der Expedition konnten diesem Erlebnis natürlich längst nicht mehr das Wasser reichen und dennoch erlebten und genossen die 16 Schüler und ihre zahlreichen Begleiter sie in vollen Zügen. Mit der Transsibirischen Eisenbahn ging es am 2. August wieder Richtung Moskau. Wieder herrschten Enge, fehlende Intimität, mangelnde Waschmöglichkeiten und beschränkte Lebensmittelvielfalt vor, doch die Gruppe war nach dem Erlebten so zusammengeschweißt, dass die Rückfahrt erheblich leichter erlebt wurde. So wurde die Rückfahrt auch genutzt, um das Erlebnis nicht nur auf Gefühlsebene zu verarbeiten, sondern auch – und das war ja auch einer der Gründe für die Expedition – unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Schließlich waren die Schüler während der Sonnenfinsternis auch in kleine Gruppe eingeteilt gewesen, jede mit einer bestimmten wissenschaftlichen Aufgabe betraut.

In dem Zug hatte sich schnell herumgesprochen, dass eine spanische Reisegruppe erstklassige Bilder von der Sonnenfinsternis gemacht hatte. So kam es, dass ihr Waggon im Laufe der Fahrt von zahlreichen mitreisenden Fahrgäs­ten besucht wurde, die per Handzeichen darum baten, die Bilder sehen zu dürfen.

Zurück in Moskau stand bis zur Abreise am 6. August nur noch Sightseeing auf dem Programm – ein großer Kontrast zu all den Erlebnissen der vorangegangenen Tage. Die 16 Schüler sind sich einig, diese Reise, das „Wunder“ der Sonnenfinsternis, das enge Zusammensein mit Menschen, die sie vorher nicht kannten und die nun zu engsten Vertrauten geworden sind, werden sie nie vergessen und als große Bereicherung ihres Lebens für immer in Erinnerung behalten.




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