Skulpturenpark am Meeresgrund


© Jason deCaires

Vor Lanzarote entsteht das erste Unterwasser-Museum Europas

Auf dem Meeresgrund vor Las Coloradas im Gemeindegebiet Yaiza wird das erste Unterwasser-Museum Euro­pas entstehen. Bald werden ganze Gruppen von lebensgroßen menschlichen Skulpturen des britischen Bildhauers Jason deCaires Taylor den Atlantikgrund bevölkern und ein Teil der Unterwasserwelt werden.

Korallen sollen sich auf den Figuren ansiedeln, und in ihrem Gefolge kommen dann auch Fische, Seesterne, Krebstierchen und zahlreiche andere Arten hinzu und beleben das Kunstwerk.

Mit der Zeit wird der ungewöhnliche Skulpturenpark eine Wandlung, eine Evolution durchmachen. Der Bewuchs verändert die Oberflächen, bringt bunte Farben und Verformungen in das Erscheinungsbild hinein, und das Museum wird zum lebendigen Korallenriff.

Besuchen kann den Ort jedoch nur, wer einen Tauchschein hat. In zwischen 12 und 15 Metern Tiefe gelegen, lädt er Taucher zu einem Erlebnis ein, welches immer einzigartig sein muss, weil der Anblick durch das Wachstum der Korallen und die Ansiedelung immer neuer Bewohner des natürlich wachsenden Biotops nie lange derselbe bleibt.

DeCaires, dessen Mutter aus Guyana im Norden Südamerikas stammt, hat sein erstes Unterwassermuseum vor der Karibikinsel Grenada begründet, und auch vor Cancún in Mexiko befindet sich ein solch magischer Ort. Der Bildhauer erregt weltweites Aufsehen mit seiner Vision, am Meeresgrund Monumente positiven Eingreifens des Menschen in die Natur zu schaffen.

Aus einem Beton gefertigt, der im Seewasser über 300 Jahre überdauern kann, sind die Skulpturen dafür geschaffen, als Grundlage für die Besiedelung durch die Meeresfauna und -flora zu dienen. Alle Materialien, die der Künstler verwendet, sind umweltfreundlich und pH-neutral, sodass sich die Lebewesen, ohne Schaden zu nehmen, darauf niederlassen können. Bevor die Museumsstücke versenkt werden, erfolgt eine gründliche Reinigung, um sicherzustellen, dass keine schädlichen Substanzen ins Meer gebracht werden.

Der Park vor Yaiza hat eine Oberfläche von 2.500 Quadratmetern, von denen jedoch nur fünfzehn Prozent durch die Exponate eingenommen werden, und liegt in einer Zone, für die keine besonderen Schutzbestimmungen gelten. Die Stelle liegt geschützt vor starken Meeresströmungen in der Bucht vor Las Coloradas.

Seit Monaten schon arbeitet Jason deCaires Taylor auf Lanzarote an den Figuren. Er nimmt Abdrücke von verschiedenen Einwohnern Lanzarotes, die sich zur Verfügung gestellt haben, und gießt mit den so gewonnen Formen seine Skulpturen. Auf diese Weise werden einige unserer zeitgenössischen „Lanzaroteños“ auf lange Zeit am Meeresgrunde verewigt, wenn auch verziert durch die bunte Vielfalt der Meeresbewohner, die mit ihnen verschmelzen werden.

Zum ersten Mal kam Jason deCaires Taylor als Teilnehmer einer Ausstellung, der „Art Bienale“ des deutschen Kunsthändlers Helge Achenbach, nach Lanzarote. Später entschloss sich die Inselregierung, das Unterwasser-Museum mit dem klangvollen Namen „Museo Atlántico Lanzarote: Biosfera, Arte y Naturaleza“ für 700.000 Euro anlegen zu lassen. Abgesehen von dem positiven Effekt des künstlichen Korallenriffs auf die Umwelt erhofft man sich, so auch einen weiteren Anziehungspunkt für den Tauchtourismus zu schaffen. Das große Medienecho, welches die anderen Installationen von Jason deCaires Taylor in der Weltpresse ausgelöst haben, lässt den Schluss zu, dass dieses Vorhaben gelingen wird.




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