Seevogel-Wilderer verurteilt


Auf frischer Tat von Seprona ertappt: Anhänger der Sturmtaucherjagd 2015 beim Picknick auf Alegranza. Foto: Guardia Civil

10 Personen wurden für schuldig befunden, auf Alegranza Sturmtaucher getötet und verzehrt sowie deren Nester geplündert zu haben

Lanzarote – Das Strafgericht No. 1 von Arrecife hat zehn Personen wegen Wilderei zum höchsten im Strafgesetzbuch vorgesehenen Strafmaß verurteilt, zur Zahlung eines Bußgeldes von je 8.600 Euro. Unter ihnen befindet sich ein auf Lanzarote sehr bekannter Unternehmer und ein pensionierter Nationalpolizist, der zum Tatzeitpunkt noch im Dienst war. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Beklagten im September 2015 auf der zu Lanzarote gehörenden unbewohnten Felseninsel Alegranza etliche Exemplare des geschützten Gelbschnabel-Sturmtauchers, auf Spanisch Pardela Cenicienta, noch dazu während der Brutzeit gejagt, zubereitet und gegessen haben. Sie wurden von Beamten der Guardia Civil auf frischer Tat beim Verspeisen der erbeuteten Jungvögel am Strand des Inselchens ertappt.

Alegranza gehört zusammen mit den Eilanden La Graciosa, Montaña Clara, Roque del Este und Roque del Oeste zum sogenannten Chinijo-Archipel, der seit 1986 zum Naturreservat erklärt ist und nur mit einer Genehmigung der Inselregierung von Lanzarote betreten werden darf.

Einer der Wilderer gestand den Beamten der Guardia Civil-Naturschutzeinheit Seprona vor Ort spontan und, wie diese berichteten, beschämt, dass es sich bei dem Geflügel, das er gerade zubereitete, um die „Pardela Cenicienta“ handelte. Die anderen Beschuldigten sagten in der mündlichen Verhandlung aus, man sei zum Fischen auf die Insel gekommen und habe Ziegenfleisch und andere Lebensmittel gegessen, die man sich mitgebracht habe. Doch die Richterin erachtete diese Aussagen nicht für glaubwürdig.

Ein anderer brachte sogar ein medizinisches Attest bei, welches bescheinigte, dass er kein Fett essen dürfe. Damit sollte nachgewiesen werden, dass er nicht auf der Insel gewesen sei, um die Seevögel zu essen. Doch im Urteil geht das Gericht davon aus, dass alle Beteiligten sehr genau um den Schutzstatus der Sturmtaucher wussten und dennoch auf die Insel gefahren waren, um die Nester auszurauben und die Jungtiere zu braten.

Die Guardia Civil hat die Szene damals fotografisch dokumentiert. Die Gruppe hatte ihre Freizeitboote vor dem Strand vor Anker gelegt, ein blaues Zeltdach aufgestellt, um Schatten zu haben, Tische, Stühle und einen Grill aufgebaut. Auch eine große Anzahl leerer, geplünderter Nester wurden fotografiert sowie Essensreste für DNA-Proben sichergestellt, um nachzuweisen, dass es sich um die Jungtiere der geschützten Spezies handelte.

Die Jagd nach der „Pardela Cenicienta“ hat auf Lanzarote eine lange Tradition, und es war in den Jahrzehnten nach dem Verbot ein offenes Geheimnis, dass einige Personen dies noch immer praktizierten. Das Gericht hat die Höchststrafe, die das Gesetz für jene vorsieht, die geschützte Spezies jagen, fischen, erwerben, besitzen oder zerstören, verhängt und folgte damit dem Antrag der Nebenklage. Zudem dürfen die Verurteilten drei Jahre lang die Jagd und damit verbundene Berufe nicht ausüben.

Die Rolle der Oberwachtmeisterin Gloria Moreno

Gloria Moreno, Oberwachtmeisterin des Seprona, leitete die Operation, in deren Verlauf die Wilderer in flagranti erwischt wurden. Sie war erst ein Jahr zuvor vom Festland auf die Kanaren versetzt worden. Vor Gericht sagte sie aus, sie habe schon mehrere Monate vor dem Zugriff immer wieder von einer Gruppe Männer reden hören, die jedes Jahr ein Sturmtaucher-Grillfest organisierten. Unter ihnen ein Tourismus-Unternehmer, zwei mutmaßliche Dealer, ein Gemeindearchitekt, ein Arzt und ein Nationalpolizist. Moreno bereitete die Operation im Verborgenen mit der Küstenwache von Fuerteventura vor, die mit ihrer Einheit nichts zu tun hatte, und konnte sie auf diese Weise erfolgreich abschließen.

Gegen Gloria Moreno wurden seitdem sieben Disziplinarverfahren aufgrund von Anzeigen ihrer Kollegen auf Lanzarote oder durch Vorgesetzte eingeleitet. Fünf davon wurden annulliert oder durch die Vorgesetzten nicht bis zum Ende geführt. Morenos Anwältin ist sich sicher, dass sie nur sanktioniert wird, weil sie die Straflosigkeit der sozialen und wirtschaftlichen Elite Lanzarotes durchbrochen hat.




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