Schwarzes Loch entdeckt


© IAC

Von Wissenschaftlern des IAC

Wissenschaftler des Astrophysikalischen Instituts der Kanaren (IAC) haben ein schwarzes Loch mit mehr als 5,4 mal die Masse der Sonne im Röntgendoppelsternsystem XTE J185 9+226 entdeckt.

Riesiger „Staubsauger“

Bei einem Röntgendoppelsternsystem handelt es sich um ein Sternsystem, d.h. eine gravitativ gebundene Ansammlung von Materie, das aus einem Stern und in diesem Fall einem schwarzen Loch besteht. Das kompaktere schwarze Loch mit seiner stärkeren Gravitation zieht Materie des anderen Sterns an und nimmt diese zuerst in seine umgebende Scheibe und dann in sich selbst auf (Akkretion). Die dabei entstehende Energie wird auf der Scheibe in Röntgenstrahlen umgewandelt. In der Milchstraße [Galaxie, in der sich unser Sonnensystem befindet] sind nur ca. 20 der geschätzten 5.000 Doppelsternsysteme mit schwarzem Loch bekannt.

Stirbt ein Stern einer bestimmten Masse, entsteht ein Neutronenstern. Nimmt die Masse weiterhin zu, entsteht ein schwarzes Loch. Die meisten bekannten Neutronensterne haben eine Masse von 1,4 mal die Masse der Sonne. Die Astronomen glauben, ab der dreimaligen Sonnenmasse werden Neutronensterne instabil, kollabieren und verwandeln sich in schwarze Löcher. Jesús Corral-Santana, Astrophysiker des IAC, erklärte, folglich sei die Messung der Masse eines unbekannten Objektes grundlegend für dessen Bestimmung.

Die Herausforderung

Seit seiner Entdeckung durch den Satelliten RXTE im Jahr 1999 verfolgte das Team des IAC das Röntgendoppelsternsystem XTE J1859 +226. Nun ergaben die mit dem Großen Teleskop der Kanaren (GTC) und dem sowohl als Kamera als auch als Spektrograf einsetzbaren OSIRIS durchgeführten Messungen über Spektrum und Geschwindigkeiten, dass das untersuchte Objekt in dem Röntgendoppelsternsystem XTE J185 9+226 mehr als 5,4 mal die Masse der Sonne hat und ein schwarzes Loch ist.

Jesús Corral-Santana fügte hinzu, das Instituto de Astrofísica de Canarias habe mit dieser Entdeckung einen Teil zur Erforschung der Massenverteilung von schwarzen Löchern beigetragen. Diese Massenverteilung spiele eine große Rolle bei dem Sterben massiver Sterne, der Entstehung schwarzer Löcher und der Entwicklung von Röntgendoppelsternsystemen.

Das Große Teleskop der Kanaren (GTC) befindet sich im Obsevatorio del Roque de los Muchachos auf La Palma. Mit einem Spiegeldurchmesser von 10,4 m handelt es sich um das größte optisch-infrarote Teleskop der Welt.




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