Schulabbrecherquote wieder gestiegen


Spanien sollte bis spätestens 2020 die Quote auf 15% gesenkt haben

Kanarische Inseln – Seit vielen Jahren ist die Zahl der Schulabbrecher in Spanien besorgniserregend hoch.

Auf den Kanarischen Inseln ist dies ein besonders großes Problem. Doch in den letzten zehn Jahren konnte dieses erfolgreich bekämpft werden. Während im Jahr 2007 noch erschreckende 37% der Schüler ihre Ausbildung vorzeitig abbrachen, ging diese Zahl bis 2015 immerhin auf 21,9% Prozent zurück.

Nach einem Jahrzehnt kontinuierlichen Rückgangs ist dieser Wert im ersten Quartal 2016 jedoch erstmals wieder leicht angestiegen, und für die kanarische Regierung wird es nun höchste Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Ziel ist es, die für 2020 von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgegebene Auflage von 15% zu erreichen.

Laut der Arbeitskräfteerhebung „Encuesta de Población Activa“ (EPA) des nationalen Statistikamtes hatten 22,1% der jungen Insulaner zwischen 18 und 24 Jahren keine weiterführende Ausbildung.

Der Weg zur Senkung der Schulabbrecherquote ist nach Ansicht der Experten ein umfassendes Ausbildungsmodell, das Schüler und deren Familien in die Entwicklung der Lerninhalte berücksichtigt. Auch die Methodologie und die Ausbildung von Lehrern und Erziehern sollte an die soziale Realität angepasst werden.

Von den knapp 22 Prozent der jungen Menschen, die die Schule vorzeitig verlassen, haben 70% nicht einmal die mittlere Reife.

In direkter Verbindung mit dem Schulabbruch stehen die Wiederholer. In der Gruppe der 15-Jährigen befinden sich nur 60% in der ihnen entsprechenden Altersgruppe, die restlichen 40% haben mindestens einmal eine Klasse wiederholt. Das Unvermögen der Erzieher und der nicht selten realitätsfremde Lehrplan tragen wenig zur Überwindung der Frustration dieser Schüler bei.

Hinzu kommt auch die prekäre finanzielle Situation vieler Familien, die die Jugendlichen dazu bringt, ihren Platz in der Schule gegen einen Arbeitsplatz zu tauschen.

In diesem Zusammenhang sieht die Bertelsmann-Stiftung eine direkte Verbindung zum spanischen Erziehungssystem. Für die Stiftung, die den Fortschritt der Gesellschaft und des Bürgerbewusstseins zum Ziel hat, bietet das spanische Erziehungssystem für viele Schüler keine reellen Alternativen. Der Weg von Ausbildung zum Arbeitsplatz ist nicht einfach, denn fern von der dualen Berufsausbildung, in der die Schüler die Hälfte ihrer Ausbildung direkt in Firmen absolvieren, ist der Lernprozess rein theoretisch.

Die mittlere Reife oder das Abitur, das die Jugendlichen, die ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen, nicht erreichen, sind für die europäischen Erziehungsbehörden allerdings die notwendige Grundlage zur Integration in den Arbeitsmarkt.




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