Schiffsverkehr für den Tod der meisten Pottwale verantwortlich


Ein toter Pottwal am Strand von Corralejo. Foto: (Archiv) Cabildo de Fuerteventura

Forscher weisen durch Fettembolien nach, dass die Wale zum Zeitpunkt der Kollisionen am Leben waren

Kanarische Inseln – Fast 60% der Pottwale, die tot an die kanarische Küste geschwemmt oder vor der Küste im Meer treibend gefunden werden, weisen Verletzungen auf, die auf Kollisionen mit Schiffen schließen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, an der Forscher der Fakultät für Veterinärmedizin der Universität Las Palmas beteiligt waren und die im Juli im Fachjournal „Frontiers in Marine Sciences“ veröffentlicht wurde. In der Einleitung des Artikels wird darauf hingewiesen, dass die Zusammenstöße von Meeressäugern mit Schiffen in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen haben. Besonders betroffen davon seien Pottwale (Physeter macrocephalus), die aktuell in der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN als „vulnerable“ (= gefährdet) eingestuft werden.

Diese Erkenntnis ist nicht neu, denn seit einigen Jahren wird immer wieder auf die Bedrohung der Meeressäuger durch den immer stärker werdenden Schiffsverkehr hingewiesen. Die Kanarischen Inseln sind ein Gebiet, in dem einerseits ein reger Schiffsverkehr herrscht, und andererseits eine große Artenvielfalt von Meeressäugern zu finden ist. Dies hat auch eine erhöhte Unfallquote zur Folge, wobei Jungtiere besonders häufige Opfer sind.

Im Jahr 2016 machte eine Studie der Universität La Laguna auf die beunruhigende Tatsache aufmerksam, dass in manchen Jahren mehr Pottwale durch den Schiffsverkehr getötet, als neue geboren werden, was langfristig die Zukunft dieser Walart in diesem Gebiet des Atlantiks infrage stellt. Eine Frage, die damals noch nicht geklärt werden konnte, lautete, ob all diese Wale an den Verletzungen durch die Schiffe starben, oder ob die Todesursache nicht damit zusammenhing und die Tiere erst, nachdem sie bereits leblos im Wasser trieben, von den Schiffen erfasst wurden. Da bei vielen Walen, die an der Küste gefunden wurden, der Zersetzungsprozess bereits fortgeschritten war, gestalteten sich die Untersuchungen schwierig.

Die zehn Autoren des in „Frontiers in Marine Sciences“ erschienenen Artikels haben nun eine neue Methode herausgefunden, um die Todesursache auch an Kadavern in fortgeschrittenem Verwesungszustand feststellen zu können. Wenn bei den Walen eine Fett­embolie nachgewiesen werden kann, deutet dies auf eine Kollision mit einem Schiff hin, denn die Embolie wird durch Knochenbrüche ausgelöst.

Die Untersuchung von 16 Pottwalkadavern, bei denen es Zweifel gab, ob sie von den Schiffen lebendig oder tot erfasst wurden, ergab, dass die meisten dieser Wale lebten, als sie von den Schiffen angefahren wurden. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass im Zeitraum 2000 bis 2017 mindestens 81% aller Pottwale, an deren Kadavern Spuren von Schiffskollisionen festgestellt wurden, zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes am Leben waren.




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