Ryanair hält an der Schließung der Basen fest


Foto: EFE

Die Gruppe könnte die Kanaren-Routen mit einer ihrer übrigen, bei den Personalkosten günstigeren Airlines weiterführen

Kanarische Inseln – Nachdem Ryanair die Schließung ihrer Basen Teneriffa Süd, Gran Canaria, Lanzarote und Girona (Katalonien) und entsprechende Massenentlassungsverfahren für die betroffenen 512 Mitarbeiter bekannt gegeben hatte, kündigten die Gewerkschaften des Kabinenpersonals und der Piloten an elf Tagen im September Streiks an (das Wochenblatt berichtete). Diese führten jedoch aufgrund der hohen staatlichen Vorgaben kaum zu Einschränkungen. Die betroffenen Mitarbeiter fühlen sich im Stich gelassen, weil die Routen anderweitig aufrecht erhalten bleiben sollen.

So wurde bekannt, dass Ryanair SUN, eine der Airlines der Ryanair Gruppe (zu denen auch Ryanair DAC, Laudamotion und Malta Air gehören) und die in Kürze unter der polnischen Marke Buzz fliegen wird, Stellenangebote für Piloten herausgegeben hat, die ab Herbst unter anderem auf Kanarenrouten eingesetzt werden sollen. Aus einem dem Tourismusportal Tourinews vorliegendem Dokument geht hervor, die zukünftige Buzz werde im Winter Flugzeuge auf den Kanaren stationieren. Die neuen Piloten würden drei bis viermal jeweils zwei Wochen auf den Kanaren untergebracht. Sämtliche Kosten für Unterbringung, Verpflegung etc. würden von der Airline bezahlt. Aufgrund dessen gehen die Experten davon aus, dass Ryanair seine Flugzeuge weiterhin auf den Kanaren stationieren wird, nur unter anderem Namen und mit Besatzung aus Polen. Gegenüber Tourinews erklärten Piloten, auf diese Weise würde Ryanair über „günstiges Personal ohne spanische Arbeitsbedingungen und Arbeitsverträge“ verfügen.

Derweil bemühen sich die Cabildos und die Regionalregierung um eine Übernahme der bis 8. Januar 2020 von Ryanair betriebenen Routen durch andere Airlines. Jet2 hat bereits bekannt gegeben, die Verbindung von Teneriffa mit Belfast (Irland) auszuweiten, Wizz Air wird die Insel mit Warschau (Polen) verbinden.

Während der ersten Streiktage, an denen laut Gustavo Silva, Generalsekretär der Gewerkschaft USO bei Ryanair, die Arbeitsniederlegung des Kabinenpersonals staatlich auf den Service und den Bordverkauf beschränkt war, wurden die Ryanair-Flüge planmäßig durchgeführt. Silva bezeichnete die Einschränkungen als „missbräuchlich“ und erklärte, die Angestellten fühlten sich von den Politikern im Stich gelassen. Diese seien hauptsächlich an der Aufrechterhaltung der Flugverbindungen interessiert.

Damit bezog sich Silva unter anderem auf die Aufforderung des Staates gegenüber Ryanair, einen Plan vorzulegen, wie die Routen zukünftig abgedeckt werden sollen. Seitens der Regionalregierung wurde bekannt, dass Ryanair 2015 mehr als 400.000 Euro zur Einrichtung von drei neuen Verbindungen erhalten hatte.

Zu den Argumenten Ryanairs für die Schließung der Basen gehört, dass die Kanaren im Winter defizitär seien. Auf der anderen Seite haben die neuesten Daten des Flughafenbetreibers Aena ergeben, dass Ryan­air unbestrittener Marktführer in der Region ist und in den ersten acht Monaten des Jahres 4,3 Millionen und somit 1,6% mehr Passagiere auf Kanarenverbindungen befördert hat.

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