Rückführungen haben begonnen

Die „Paisaje Lunar“ soll nicht betreten werden. Foto: wb

Die „Paisaje Lunar“ soll nicht betreten werden. Foto: wb

Senegalesische Polizisten helfen auf den Kanaren bei der Identifizierung ihrer Landsleute

Mit Hindernissen haben die ersten Rückführungen senegalesischer Immigranten begonnen. Nachdem die erste Maschine, die von Fuerteventura aus am 14. September starten sollte, „wegen technischer Probleme“ keine Landeerlaubnis in Dakar erhielt, wurde eine Meinungsänderung der senegalesischen Behörden befürchtet, die sich mit der spanischen Regierung auf eine Zusammenarbeit geeinigt hatten.

Am darauffolgenden Tag durfte dann die erste Air Europa-Maschine mit 60 Senegalesen an Bord auf dem Flughafen von Saint-Louis landen. Die dortigen Behörden hatten umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen für den Widerstandsfall getroffen, denn ihre Landsleute waren äußerst verärgert über ihre Rückführung. Dies war auch der Grund für die Umdisponierung bei der Flugroute. Auf diese Weise erfolgten die Rückführungen „diskret“ über Saint-Louis und nicht über die Hauptstadt Dakar. Die senegalesische Bevölkerung ist mit dem Abkommen, das ihre Regierung mit Spanien getroffen hat, um die illegalen Emigranten rückzuführen, keineswegs einverstanden. Zu viele Familien haben zu viel riskiert, um einem Angehörigen die Reise nach Europa zu ermöglichen. So können die Senegalesen nicht verstehen, wie illegale Immigranten anderer afrikanischer Staaten in Spanien „bleiben dürfen“, während sie von ihrer eigenen Regierung dazu gezwungen werden, zurückzukehren. „Da waren Leute verschiedenster Nationalitäten und sie alle dürfen bleiben. Nur wir Senegalesen werden deportiert, weil unsere Regierung es zulässt“, schimpfte ein Immigrant.

Senegals Präsident Abdoulaye Wade, der sich im Februar nächsten Jahres zur Wiederwahl stellen wird, scheint hin und her gerissen zwischen seinen politischen Zielen und der Notwendigkeit mit Spanien zusammenzuarbeiten.

Nach längeren Verhandlungen trafen Anfang September mehrere senegalesische Polizisten und Diplomaten auf den Kanaren ein, um in den Immigrantenauffanglagern ihre Landsleute zu identifizieren und für die beschlossenen Rückführungen zu bestimmen.

Für Spanien ist das erzielte  Rückführungsabkommen mit dem Senegal äußerst wichtig, zumal ein Großteil der illegalen Einwanderer aus diesem afrikanischen Staat stammt.

Es wird davon ausgegangen, dass von den über 8.000 auf den Kanaren untergebrachten Flüchtlingen mindestens die Hälfte Senegalesen sind. Die afrikanischen Polizeibeamten erkannten in den Auffanglagern tatsächlich bekannte Gesichter und bestätigten, dass manche dieser Männer bereits mehrmals einen Fluchtversuch unternommen hatten. Obwohl die senegalesischen Beamten ihre Landsleute schon nach wenigen Worten am Akzent erkennen können, wurden sie einzeln einer Befragung unterzogen. Im Internierungszentrum in El Matorral auf Fuerteventura kam es zu einem kleinen Aufstand der Immigranten, die sich weigerten, auf die Fragen der Beamten zu antworten, um ihre Abschiebung bzw. Rückführung zu verhindern.

Auf den Flügen von Fuerteventura nach Saint-Louis verhielten sich alle Immigranten ruhig, bestätigten Polizeisprecher. Die Männer seien zwar enttäuscht, leisteten jedoch keinen Widerstand, hieß es. Es wurde außerdem angedeutet, dass den Immigranten das Flugziel verschwiegen wird, um Widerstand vorzubeugen.

Großes Polizeiaufgebot

Entmutigt und ernüchtert trafen am 15. und 16. September schließlich die ersten hundert senegalesischen Flüchtlinge in ihrer Heimat ein. Auf dem Flughafen von Saint-Louis wurden sie von bis zu 50 bewaffneten Polizisten erwartet, die sie zum Flughafenterminal eskortierten, wo sie nach einer peniblen Kontrolle der Namensliste einer ärztlichen Untersuchung unterzogen wurden. Einige der Männer weinten um ihren geplatzten Traum von einer besseren Zukunft in Europa. Andere riefen „Viva España!“ und „Hasta la vista!“, denn viele von ihnen wollen die Überfahrt erneut riskieren. Um das zu verhindern will die senegalesische Regierung ihre Flüchtlinge für eine begrenzte Zeit inhaftieren.

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