Recycling für Aitana


© Luis Miguel García

Aus einer Hilfsidee erwuchs eine solidarische Aktion mit überwältigendem Erfolg

Aitana ist ein elfjähriges Mädchen, das mit seinen Eltern und zwei Geschwistern in Tarazona, einem Ort in der Provinz Zaragoza, lebt. Sie liebt Pizza, Tanzen, Fahrradfahren und, wie ihr Vater berichtet, neuerdings auch das Fotografieren.

Doch Aitana konnte bislang kein normales, unbeschwertes Leben führen. Ein angeborenes Herzleiden – Pulmonalatresie mit Ventrikelseptumdefekt und aorto-pulmonalen Kollateralarterien – hat sie zum Sorgenkind der Familie gemacht. Die Behandlungsmöglichkeiten in Spanien waren eingeschränkt, und so wurde den Eltern von den Ärzten nahegelegt, ihre Tochter in das renommierte Bostoner Kinderkrankenhaus zu bringen, wo man ihr helfen kann.  Doch dies stellte sich als teure Lebensrettung heraus. Mindestens drei OPs würden notwendig sein, um Aitana zu einem normalen Leben zu verhelfen, jede davon mit Kosten von an die 200.000 Euro – für die bescheidenen finanziellen Verhältnisse von Luis Miguel und seiner Frau Isabel ein Ding der Unmöglichkeit.

Freunde und Bekannte engagierten sich für Aitana, und so entstand die Hilfsidee, durch das Sammeln von Plastikverschlüssen zu Recyclingzwecken Geld für die Operation in den USA zusammenzubekommen. Aus dieser Idee erwuchs eine solidarische Aktion mit überwältigendem Erfolg. Tausende Menschen in Spanien und Portugal, die von Aitanas Schicksal berührt sind, haben die vermutlich größte solidarische Bewegung in Spanien in Gang gesetzt: „Una Sonrisa para Aitana“ (Ein Lächeln für Aitana).

Ende April konnte Aitana mit ihren Eltern Isabel und Luis Miguel nach Boston fliegen, um sich im Children’s Hospital der zweiten Operation zu unterziehen. Wie Luis Miguel im Blog (www.unasonrisaparaaitana.blogspot.com.es/) berichtet, hat Aitana die siebeneinhalbstündige OP gut überstanden.

450 Tonnen „tapones“

Im Sommer 2011 begann durch das Angebot zur Mithilfe der Recyclingfirma Acteco in Alicante und der Stiftung SEUR eine Sammelkampagne für Kunststoffkappen und -verschlüsse in ganz Spanien. Die Sammelaktion entwickelte sich mit Schneeballeffekt und hatte einen durchschlagenden Erfolg. Sammelpunkte gibt es mittlerweile fast überall – unzählige Schulen, Kindergärten, Hotels, Kulturverbände, Kinos, Supermärkte, Restaurants etc. stellten Behälter auf, um Plastikschraubverschlüsse und -kappen (tapones) zu sammeln.

Aitanas Eltern bekommen von der Recyclingfirma pro Tonne abgelieferter Kappen 300 Euro. Wer eine Tüte Plastikdeckel in die Hand nimmt und das Gewicht abschätzt, mag es für utopisch halten, damit eine Tonne zusammenzubekommen, doch weit gefehlt. Im Laufe der Aktion wurden alle Erwartungen übertroffen. Schätzungsweise 13 Millionen Menschen in Spanien und Portugal haben Plastikverschlüsse jeglicher Art (von Wasserflaschen, Deo, Kugelschreibern, Waschmitteln etc.) gesammelt. 450 Tonnen Verschlüsse wurden bei dem Recyclingunternehmen abgeliefert.

Die Kosten für die Flugreise in die USA übernahm der Reiseveranstalter Halcón Viajes, der gemeinsam mit dem Kurierdienst SEUR und der Recyclingfirma Actecto Unterstützer der Hilfsaktion ist. Aitanas Eltern wurde von Acteco der Scheck über 135.000 Euro überreicht. Weitere 50.000 Euro wurden von einem anonymen Spender beigesteuert, sodass die Reise in die USA und die OP finanziert werden konnten.

Auch auf den Kanarischen Inseln ist die Anteilnahme am Schicksal von Aitana nach wie vor groß. Allein im März konn-ten von den Inseln aus 14 Tonnen Plastikverschlüsse auf das spanische Festland verschickt werden, was einem Betrag von 4.200 Euro entspricht.

Die Kanaren schlossen sich der Sammelaktion im Oktober letzten Jahres an. Zunächst wurden in Puerto de la Cruz rund 180 Kilo Kunststoffkappen und -verschlüsse gesammelt – im März 2012 waren es in einem ähnlichen Zeitraum schon über 1.000 Kilo. Wer sich an der Aktion beteiligen will, findet Sammelstellen an den verschiedensten Orten.

Die Hilfsaktion, die für ein kleines Mädchen gestartet wurde, dessen Eltern verzweifelt waren, ist zu einer landesweiten Bewegung geworden, die nun auch anderen Familien und Kindern mit ähnlichen Leiden helfen soll.




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