Preisverleihung von Ölbohrungen überschattet


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Die Verleihung der „Premios Canarias“ anlässlich des Regionalfeiertags wurde von der Nachricht der Genehmigung der Ölsuche vor Lanzarote geprägt

Geprägt von der Polemik um die Ölsuche in den kanarennahen Gewässern fand am Abend des 30. Mai im Teatro Guimerá in Santa Cruz de Tenerife die offizielle Feier zum Regionalfeiertag und die Verleihung der „Premios Canarias“ statt.

Die Veranstaltung wurde vom Thema Ölbohrungen deshalb dominiert, weil am Vortag vom spanischen Umweltministerium grünes Licht für die Probebohrungen des Konzerns Repsol 60 km von Lanzarote entfernt gegeben wurde.

Aus diesem Anlass widmete Kanarenpräsident Paulino Rivero die nachdrücklichsten Sätze seiner Rede zum Tag der Kanaren ausnahmsweise nicht der Krise, ein Thema, das er mit den Worten „die schweren Zeiten sind nicht zu Ende, aber das Schlimmste ist überstanden“ abhandelte. Leidenschaftlich griff Rivero dafür das Thema der Ölbohrungen auf, für das er sich mit Sätzen wie „es ist ein historischer Fehler“ oder „eine Verspottung der Ablehung der Canarios“ ereiferte. Gerade am Regionalfeiertag sei die Nachricht aus dem Umweltministerium ein harter Schlag für die Kanarischen Inseln, sagte er. Die Genehmigung für Repsol komme „einer Verachtung der Gefühle der Canarios“ und „einer Respektlosigkeit gegenüber unserem Volk“ gleich, fügte Rivero hinzu. Obwohl er es vermied, Namen zu nennen, war doch klar, dass seine Kritik in erster Linie Industrieminister José Manuel Soria galt, der als Verfechter der Ölbohrungen bekannt ist.

Doch nicht nur in der feurigen Rede Riveros, sondern auch vor den Türen des Teatro Guimerá wurde die Enttäuschung der Canarios über die Entscheidung des Umweltministeriums deutlich. Rund 400 Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie „Sondierungen Nein“ und protestierten lauthals.

Während die anschließende Preisverleihung planmäßig stattfand, musste der als Abschluss geplante Auftritt eines Kinderchors aus Sicherheitsgründen abgesagt werden.

Unter den mit einem „Premio Canarias“ geehrten Persönlichkeiten ist der deutschstämmige Musikwissenschaftler, Ethnologe und Prähistoriker Lothar Siemens, der den Preis in der Kategorie Kulturerbe überreicht bekam. Außerdem erhielten die Canarios Sergio Cabrera, Leiter des Instituto de Biología Funcional y Genómica in Salamanca, und Künstler Fernando Álamo einen der begehrten Preise.

Mit Medaillen wurden unter anderem der bekannte Timplespieler Domingo Rodríguez (El Colorao), CICAR – die größte Autovermietung der Kanarischen Inseln – und Garik Israelian, Astrophysiker und Initiator des Starmus-Festivals geehrt.

Der „Día de Canarias“ wurde in Erinnerung an die erste Sitzung des neuen regionalen Parlaments am 30. Mai 1983 auf dem ganzen Archipel zum Feiertag erklärt. Der Autonomiestatus wurde den Kanaren offiziell im August 1982 zuerkannt. Der „Día de Canarias“ wird seitdem auf allen Inseln groß gefeiert, und rund um diesen Tag finden zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt. Höhepunkt ist alljährlich die Verleihung der „Premios Canarias“, die abwechselnd in einer der beiden Provinzhauptstädte stattfindet, und Persönlichkeiten der Inselpolitik und -gesellschaft versammelt.




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