„Pop-up“ aus den USA in Cofete gestrandet


© Cab Fuerteventura

Die Horch-Boje hat über 5.300 Kilometer zurückgelegt

Am Strand von Cofete, an der Südwestspitze Fuerteventuras, weht ganzjährig ein heftiger Wind. Die Brandung ist so stark, dass das Baden lebensgefährlich wäre.

Dafür lädt dieses abgelegene, vom Tourismus verschonte Gebiet, zu ausgedehnten Spaziergängen im Sand ein. Dabei kann man jede Menge Strandgut finden, das von den Wellen angeschwemmt wird. Meist ist es Müll von Schiffen oder unbrauchbarer Schrott. Neulich machte ein Strandspaziergänger jedoch einen besonderen, tatsächlich wertvollen Fund.

Der Atlantik hatte eine eigenartige, gelbe Boje an Land getrieben, die mit einer Nummer versehen war. Zum Glück meldete der Finder seine Entdeckung beim Umweltamt, das die seltsame Kugel abholen ließ und schnell feststellte, um was es sich handelt. Die Boje ist ein Untersee-Forschungsgerät, das bioakustische Signale zu Forschungszwecken aufzeichnet, eine sogenannte Horch-Boje, die von ihren Erfindern in den USA „Pop-up“ getauft wurden. Zahlreiche dieser „Pop-ups“ wurden von dem Bioakustik-Forschungslabor der Cornell University (New York) im Januar 2008 in einer Bucht von Massachusetts versenkt. Sie sind mit leistungsstarken Wasserstoffbatterien autonom, einem Mikroprozessor und einer Festplatte ausgestattet, die in einem luftdichten Behälter geschützt im Inneren der gelben Hartschale die bioakustischen Signale aufzeichnen, die von einem Unterwassermikrophon aufgenommen werden. Das Cornell-Team ist weltweit führend in der Entwicklung dieser autonomen Horch-Bojen für die bioakustische Feldforschung über Meeressäuger. Am Ende ihrer zeitlich begrenzten Mission lösen sich die Bojen automatisch von ihrem Anker und steigen an die Wasseroberfläche. Auf diese Weise sind weltweit schon in zwanzig Ländern „Pop-ups“ gefunden worden. Die Boje, die jetzt auf Fuerteventura auf ihre Rückreise in die USA wartet – hierfür wird ein spezieller Sicherheitscontainer auf die Insel geschickt – hat unglaubliche 5.300 Kilometer zurückgelegt und sicherlich interessantes Material für das Forschungsprogramm gesammelt. Erstaunlicherweise ist es sogar schon die zweite Horch-Boje der Cornell University, die am Strand von Cofete gefunden wurde, die erste tauchte hier im Sommer 2010 auf.  

Das „Bioacoustics Research Program“ der Cornell University entwickelt und nutzt digitale Technologie, einschließlich Software, um die Geräusche der Tierwelt rund um den Globus aufzuzeichnen. Durch die Auswertung der aufgezeichneten Töne und Geräusche – an Land und unter Wasser – erfahren die Wissenschaftler mehr über die Kommunikation der Tiere und können sich ein Bild über den Zustand der Ökosysteme machen. Die gesammelten Erkenntnisse ermöglichen es Regierungen, Maßnahmen zu treffen, um den Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die Natur und Wildnis zu minimieren.




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