Politiker des Inselnordens fordern den Kindernotdienst


José Ramón León, Bürgermeister von Icod de los Vinos, verlas vor den Türen des Nordkrankenhauses ein Manifest. Seine Forderungen wurden unter anderem von Aurelio Abreu, Cabildo-Vizepräsident, Manuel Domínguez, Lope Afonso und Antonio Hernández, Bürgermeister von Los Realejos, Puerto de la Cruz bzw. La Guancha (v.l.n.r.) geteilt. Foto: Moisés Pérez

Das Nordkrankenhaus in Icod de los Vinos bietet längst nicht alle üblichen Leistungen einer solchen Einrichtung

Teneriffa – Die Stadtverwaltung von Icod de los Vinos, allen voran Bürgermeister José Ramón León von der Partei Somos Icodenses SI, hatte am 14. Mai zur Demonstration vor dem Nordkrankenhaus aufgerufen. Diesem Ruf folgten unter anderem die Bürgermeister der ebenfalls betroffenen Gemeinden Los Realejos, Buenavista und La Guancha sowie zahlreiche Stadträte und Politiker von PP, PSOE, Sí se Puede, Ciudadanos und Izquierda Unida. Gemeinsam mit Vertretern der Gewerkschaft Intersindical Canaria sowie einigen Bürgern forderten sie geschlossen die Wiedereinrichtung eines kinderärztlichen Notdienstes sowie eine angemessene Ausstattung des Krankenhauses.

Im Juli letzten Jahres war für kurze Zeit ein pädiatrischer Wochenendnotdienst tagsüber im Nordkrankenhaus für die rund 30.000 in Teneriffas Norden lebenden Kinder unter 15 Jahren eingerichtet worden. Der musste allerdings nach nur wenigen Wochen eingestellt werden, nachdem die Kinderärztin krankgeschrieben worden war und sich angeblich kein Ersatz fand.

Auf entsprechende Anfragen der Bürgermeister hatte José Manuel Baltar, Leiter des kanarischen Gesundheitsressorts, im März zugesichert, einen Kinderarzt in den Notfalldienst des Nordkrankenhauses abzustellen. Doch nachdem die Bürgermeister über einen Monat lang vergeblich auf die Erfüllung dieses Versprechens gewartet hatten, rief José Ramón León zur Demonstration vor den Türen des Krankenhauses auf. Dabei protestierten die zahlreichen Politiker und einige Bürger nicht nur für die Einrichtung eines Kindernotdienstes vor Ort. Man möchte den kranken Kindern den langen Weg über die oftmals verstopfte Autobahn bis zum Universitätskrankenhaus in La Laguna zu ersparen. Ganz allgemein wird zeitgemäße Ausstattung des Nordkrankenhauses gefordert. Icods Bürgermeister kritisierte, dass es sich eher um ein Fachärztezentrum als um ein Krankenhaus handele, schließlich gäbe es weder Operations- noch Kreißsäle. Auch sei der Röntgenapparat seit über einem Jahr außer Betrieb und noch immer nicht repariert worden. Auf der anderen Seite wurde dieser Tage im Notfalldienst ein Computertomograph in Betrieb genommen, der rund um die Uhr zur Verfügung steht und, mit der Installation, 300.000 Euro gekostet haben soll.

„Exzellente“ Versorgung

Nur wenige Tage zuvor hatte Soledad Pastor, Geschäftsführerin des Universitätskrankenhauses der Kanaren (HUC) in La Laguna, im Gespräch mit Radio El Día Stellung zu dem Thema Kindernotdienst im Nordkrankenhaus genommen. Dabei versicherte sie, die medizinische Versorgung im Nordkrankenhaus sei „exzellent“. Die im Notdienst tätigen Allgemeinmediziner seien hervorragend ausgebildet und könnten problemlos Kindernotfälle versorgen. Sie wüssten genau, in welchen Fällen kranke Kinder umgehend zur weiteren Behandlung in das Universitätskrankenhaus gebracht werden müssen. 90% der Kindernotfälle könnten jedoch bereits vor Ort behandelt werden. Pastor wies darauf hin, dass auf den Kanarischen Inseln nur im Universitätskrankenhaus in La Laguna und im Mutter-Kind-Krankenhaus auf Gran Canaria in der Notaufnahme auch Kinderärzte in Bereitschaft seien. Selbst im Universitätskrankenhaus La Candelaria (HUNSC) in Santa Cruz sei dies nicht der Fall.

Die Geschäftsführerin des HUC führte die geringe Präsenz von Kinderärzten in den Notaufnahmen und die fehlenden Kindernotdienste auf den herrschenden Mangel an Kinderärzten im öffentlichen Gesundheitswesen zurück. Laut Pastor hätten sowohl der Staat als auch die Region nicht rechtzeitig den aufgrund bevorstehender Pensio­nierungen zu erwartenden Mangel an Kinderärzten erkannt und zu wenig neue Kinderärzte ausgebildet. Pastor versicherte, man werde sich auch weiterhin darum bemühen, das Nordkrankenhaus mit einem Kindernotdienst zu versehen.

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