Palmetum erhält „Zertifikat für Exzellenz“


Im Palmetum wachsen mehr als 200 verschiedene Palmenarten. Foto: Palmetum

2015 empfing der Palmengarten von Santa Cruz 37.000 Besucher

Teneriffa – Die Zahlen beweisen, dass der botanische Garten von Santa Cruz eine beliebte Sehenswürdigkeit der Stadt ist. 2015 kamen 37.222 Besucher, um die erstaunliche Palmenvielfalt dieser 12 Hektar großen Oase zu bewundern. Seit der Eröffnung im Jahr 2014 wurden schon fast 80.000 Besucher gezählt, von denen etwa 70% Touristen waren. Wenn Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen, dann steigt die tägliche Besucherzahl, und über Kooperationsabkommen mit Firmen wie City Sightseeing oder Reiseveranstalter konnten weitere Besucher gewonnen werden. Dennoch sind die Zahlen verbesserungswürdig, meint Tourismusstadtrat Alfonso Cabello und will das Palmetum mit der Tourismusstrategie der Stadt verketten.

Die bisherige Vermarktungsstrategie über Reiseveranstalter und über Hotels, um Gruppenbuchungen zu gewinnen, sei leider nur bedingt erfolgreich, erklärte er. Dies liege daran, dass die Provision, die die Reiseveranstalter und Hotels erhalten, nicht attraktiv genug sei. So wird der günstige Eintrittspreis dem Palmetum zum Handicap. „Wir zahlen eine Provision von 50%, doch bei einem Eintrittspreis von 3,50 Euro ist das Palmetum für die Veranstalter nicht interessant genug, zumindest nicht, solange wir kein großes Besuchervolumen erzielen“, erläutert Cabello weiter. Deshalb wolle man nun das Palmetum zunehmend in das touristische Angebot der Stadt einbinden und sich stärker auf die Zusammenarbeit mit den Sightseeing-Bussen konzentrieren. Die Besucher sollen das Paket „Auditorio, Castillo Negro, Parque Marítimo und Palmetum“ buchen; vier unterschiedliche, aber nahe beieinanderliegende Sehenswürdigkeiten.

Mit der neuen Strategie hofft Tourismusstadtrat Cabello, dass dieses Jahr das Jahr der Konsolidierung des Palmetums wird, das leider auch viele Einwohner der Hauptstadt noch nicht kennen, wie er zugibt.

Immerhin besuchen immer mehr Studentengruppen und Schüler den Park, der jetzt für 2016 vom Online-Reiseportal TripAdvisor mit dem begehrten „Zertifikat für Exzellenz“ ausgezeichnet wurde. Dieses Zertifikat wird an Unternehmen verliehen, die ihren Gästen ein stets qualitativ hochwertiges Erlebnis geboten und im letzten Jahr durchgehend großartige Reisebewertungen auf TripAdvisor erhalten haben.

Der wohl größte ökologische Park Spaniens

Bei einem Besuch im Palmetum in Begleitung von Chef-Biologe Carlo Morici, der bei der Führung mit mitreißender Begeisterung die Besonderheiten und versteckten Geheimnisse des botanischen Gartens erklärt, wird deutlich, wie einzigartig diese grüne Oase von Santa Cruz ist.

Das Palmetum wurde auf einer ehemaligen Müllhalde angelegt, und auch heute noch werden die unter der Erde entwickelten Gase durch Lüftungsrohre auf der dem Meer zugewandten Seite des Hügels ins Freie geleitet und abgefackelt. Hinzu kommt, dass sämtliches Nass zur Bewässerung des Gartens aus der Kläranlage der Stadt kommt und keinerlei Pestizide oder künstliche Düngemittel eingesetzt werden. Die Funktion des Düngers übernimmt der Schnittabfall aus den Gartenanlagen der Stadt, der sich bestens bewährt hat, wie Carlo Morici bestätigt. Seit etwa sieben Jahren werden diese Gartenabfälle im Palmetum recycelt und bilden einen wunderbaren Nährboden. An anderen Stellen der Stadt könne dieser natürliche Dünger übrigens wegen der Entflammbarkeit nicht eingesetzt werden, erklärt er weiter. Im Palmetum bestehe diese Gefahr durch ein auf dem gesamten Gelände verhängtes Rauchverbot und eine ständige Überwachung nicht.

Wie Carlo Morici weiter erklärt, hat seit der Eröffnung die Zahl der Vögel, die sich im Palmetum zu Hause fühlen, enorm zugenommen, und auch der Verzicht auf chemische Mittel hat sich bewährt. „Was für eine Überraschung: Ab dem Moment, in dem wir komplett auf Pflanzenschutzmittel und Insektenschutzmittel verzichtet haben, verschwanden die Plagen von selbst. Die Insekten haben untereinander für ein Gleichgewicht gesorgt“, so Morici.

Natürlicher Dünger, geklärtes Wasser, ein Garten auf einem Müllberg, aus dem mit den Jahren ein eigenes kleines Ökosystem entstanden ist, all dies zusammen macht das Palmetum zum wohl größten ökologischen Park in Spanien.

Von der Müllhalde zum botanischen Garten – ein erstaunlicher Wandel

Der Hügel, der heute ein Pflanzenparadies ist und auf dem Hunderte verschiedene Palmenarten aus aller Welt gedeihen, wuchs jahrzehntelang als Müllhalde der Stadt heran. 1983 geschlossen, blieb ein 40 Meter hoher Abfallberg zurück, ein unwirtlicher Lebensraum für Pflanzen. In den darauffolgenden Jahren entstand eine heftige Debatte, was mit diesem Müllberg geschehen sollte. Verschiedene Ideen wurden eingebracht, um diesen Stadtteil attraktiver zu gestalten, doch schließlich geriet der Hügel jahrelang in Vergessenheit. Als 1995 die Badeanlage „Parque Marítimo“ am Fuße des Hügels eröffnet wurde, kam die Stadt auf das Projekt eines Palmengartens zurück. Die Idee stammte vom Landschaftsarchitekten César Manrique. Als er den Parque Marítimo entwarf, schwebte ihm bereits vor, den Hügel in das Projekt zu integrieren und mit Palmen aus aller Herren Länder zu bepflanzen.

Dank EU-Geldern wurde nach 1995 endlich damit begonnen, den Palmengarten anzulegen. Doch einen botanischen Garten auf einem 12 Hektar umfassenden Grundstück zu schaffen, erwies sich nicht nur finanziell als Herausforderung. Künstliche Seen und Wasserfälle wurden in die Pläne aufgenommen, in einer Art Gewächshaus Raum für besonders sensible Palmenarten geschaffen.

Bis 1999 wuchs das Palmetum stetig. Danach kam das Projekt wegen fehlender finanzieller Mittel zum Stillstand. Es folgten mehrere Jahre, in denen das Projekt geradezu in Vergessenheit geriet. Die Anlage verwahrloste, und viele der mühsam auf die Insel gebrachten und gepflanzten Palmen gingen ein. Von 460 verschiedenen Arten, die bis 1999 im Palmetum gepflanzt wurden, waren 2006 nur noch 296 übrig!

Die Förderer des Palmetums bemühten sich jedoch um den Erhalt der wertvollen Sammlung und verloren das ursprüngliche Projekt als Endziel nicht aus den Augen. 2007 kam endlich wieder Bewegung in die Sache. Die kanarische Regierung steuerte Mittel zur Sanierung der Anlage bei und um die bisher noch kahlen Hänge zu begrünen. Ab diesem Moment bemühte sich auch die Stadtverwaltung verstärkt um die Fertigstellung.

Am 28. Januar 2014 wurde das Palmetum vom damals noch Kronprinzen und heutigen König Felipe VI. und seiner Frau Letizia eröffnet.

Der botanische Garten ist in biogeografische Regionen unterteilt, wobei der größte Bereich der Karibik gewidmet ist. Auf dem Hügel wachsen die unterschiedlichsten Palmenarten aus dieser Region. 72 Arten sind in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet eingestuft. Die botanische Vielfalt machen das Palmetum zum größten Palmengarten Europas und mit Sicherheit zu einem der bedeutendsten rund um den Globus.

Die Dreiecks-Palme Dypsis decaryi aus dem  Regenwald Madagaskars. Foto: Palmetum
Die Dreiecks-Palme Dypsis decaryi aus dem Regenwald Madagaskars. Foto: Palmetum

Die schönste Zeit ist im Sommer

Der Sommer ist die beste Zeit, um das Palmetum zu besuchen, denn auch hier vollzieht sich der Wandel der Jahreszeiten. Die tropischen Palmen leiden während des Winters, und in den ersten drei Monaten des Jahres haben sich viele davon noch nicht wieder erholt. Wie Chef-Biologe Morici erklärt, ist die beste Zeit für einen Besuch im Palmetum im Sommer. Ab Juni wird der Palmengarten zunehmend schöner und ist in seiner vollen Pracht im September zu erleben.




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