Ostern auf Spanisch


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Tradition und religiöses Brauchtum

Das Osterfest wird in Spanien ganz anders gefeiert als in Deutschland. Obwohl der profane Osterhase samt Eiern in vielen – vor allem touristischen – Ecken des Landes vorrückt, spielt in Spanien und auch auf den Kanaren die katholische Religion in der Osterzeit die wichtigste Rolle.

Die Karwoche zählt zu den bedeutendsten und aufwendigs­­ten religiösen Festen, und die Feiern des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Christi werden als religiöses Schauspiel inszeniert, das mit der Fas­­­tenzeit beginnt und zwischen Palmsonntag und Ostersonntag seinen Höhepunkt erreicht.

In sämtlichen Winkeln Spaniens kann man die leidenschaftlichen Kundgebungen des tiefen religiösen Gefühls der Menschen erleben. Überall haben sie ihre eigenen lokalen Besonderheiten. In Andalusien sind die Festlichkeiten ausdrucksreich, lebhaft, fröhlich spontan und farbenfroh; in Castilla-León ernsthafter und feierlicher. Am eindruckvollsten zu beobachten ist die Semana Santa vor allem in Südspanien. Die Bevölkerung und Tausende Besucher nehmen an diesen beeindruckenden Festen teil, bei denen sich das Schweigen und der Trommelschlag abwechseln – eine irritierende Mischung aus tiefem Ernst und lautstarker Fröhlichkeit.

Auch auf den Kanaren reihen sich in der Karwoche die Prozessionen aneinander. Deren Ursprung liegt im ausgehenden Mittelalter und kam durch die spanischen Eroberer auf die Inseln. Auf Teneriffa hat das religiöse Fest in La Laguna, La Orotava und Adeje besondere Tradition. Aber auch in touristischen Gemeinden wie Puerto de la Cruz wird das religiöse Brauchtum gepflegt.

 „Pasos“

Die Tradition der Semana Santa in Spanien geht auf das 15. und 16. Jahrhundert zu­rück, als die katholische Kirche begann, der Bevölkerung die Passion Christi näherzubringen. Künstler erhielten Aufträge zur Anfertigung von Heiligenfiguren aus Holz, die dann, zum Teil mit prunkvollen Gewändern bekleidet, in den Prozessionen durch die Städte getragen wurden. „Pasos“ werden die Heiligenfiguren auf den reichlich verzierten Altarbühnen genannt. Einige dieser Skulpturenwerke sind mehrere Hundert Kilo schwer und werden von rund 30 „Cos­taleros“ getragen. Die „Pasos“ zeigen Stationen der Leidensgeschichte Christi. Sie sind Nachbildungen der Leidensgestalten. In der Karwoche werden meist Christusfiguren in den Prozessionen getragen, mancherorts auch Figuren der Heiligen Jungfrau.

„Cofradías“

Im Mittelpunkt der Prozessionen stehen neben den Heiligenfiguren die „Cofradías“ (auch „Hermandades“), die religiösen Bruderschaften, deren Mitglieder Cofrades heißen. Sie tragen die Heiligenfiguren während der Prozession, die meist von der Pfarrkirche zur Kathedrale und zurück oder einmal durch die Stadt führt. Mehrere Stunden lang balancieren die Männer im einstudierten langsamen Gleichschritt den „Trono“ auf ihren Schultern. Die schweren Holzgestelle wurden mancherorts in den letzten Jahren durch Alu­­minium ersetzt, um die Träger zu entlasten.

Allein an der traditonellen Prozession in Sevilla sind über 55 Bruderschaften mit jeweils etwa 500 Mitgliedern beteiligt. Die Wartelisten für die Aufnahme in eine der Karwochenbruderschaften sind lang.

Die Büßer

Begleitet werden die Prozessionen von den „Nazarenos“ oder „Penitentes“, den Büßern. Dies sind Mitglieder der Bruderschaften, die in lange Gewänder gekleidet sind und ihr Gesicht unter spitzen Kapuzen verbergen, die an den Ku-Klux-Klan erinnern, damit aber nicht das Geringste zu tun haben. Weltweit bekannt ist die Cofradía der Nazarenos in Sevilla, die in ihren weißen Kutten barfuß bis zu zwölf Stunden lang durch die Straßen der Stadt ziehen. Der Spitzhut, „Capirote“, soll verhindern, dass der Büßer erkannt wird, damit die Mitglieder der Bruderschaften mit ihrem Bußgang in der Öffentlichkeit nicht „angeben“. Die Kapuzen sind ein Sinnbild für die Nähe zu Gott (sie zeigen in den Himmel) und das intime Gespräch mit ihm. Durch verschiedene Farben der Kutten und prächtige Stickereien unterscheiden sich die Cofradías voneinander. Wie auf dem Festland und in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern vermischen sich in den Prozessionen religiöse Inbrunst, Folklore und Volksfeststimmung. Sie sind inzwischen Anziehungspunkte für Touristen aus aller Welt geworden.




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